Der Absatzboom hat Höhepunkt überschritten

Von: Lars Brepols
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Warten auf den Abtransport zu „Schredderanlage”: Die Altfahrzeuge der Kunden des Autoverwerters „Bonnie” in Stolberg. Foto: L. Brepols

Stolberg. Trotz Umweltprämie und diversen anderen Rabatten ist es mittlerweile ruhig geworden um die Abwrackprämie. Der Absatzboom auf dem deutschen Automarkt hat seinen Höhepunkt anscheinend überschritten.

Zumindest geht das aus den jüngsten Angaben des Kraftfahrts-Bundesamtes (KBA) hervor: Im Vergleich zum Vormonat gingen die Neuzulassungen im Juli um satte 87.135 Fahrzeuge zurück.

Ungeachtet dessen rechnen Experten damit, dass der „Abwracktopf” Mitte September leer sein wird. Beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) sind bislang rund 1,7 Millionen Anträge auf Erstattung der Umweltprämie eingegangen.

Etwa 254.000 Anträge könnten bei einer Berechnungsgrundlage von fünf Milliarden Euro noch gestellt werden. Doch ist eine Nachfrage in dieser Größenordnung überhaupt noch gegeben? Wir haben uns bei Stolberger Autohändlern und Verwertern einmal umgehört.

Nachfrage zurückgegangen

„Die Nachfrage ist insgesamt deutlich geringer geworden”, bestätigt Dirk Nitschke, kaufmännischer Angestellter der Abteilung „Verkauf” beim Autohaus Rosemeyer. „Überrascht hat uns allerdings, dass die Kundenfrequenz während der Sommerferien plötzlich wieder angestiegen ist. In den vergangenen Jahren war der Markt zu diesem Zeitpunkt immer tot.”

Nitschke vermutet, dass bei den Kunden eine Art „Torschlusspanik” eingesetzt hat, weil alle, auch die vielleicht noch nicht endgültig entschlossenen Neuwagenkäufer, doch noch von der Umweltprämie profitieren wollen.

Wegen den mittlerweile längeren Lieferzeiten fürchten viele Autokäufer zudem, dass sie nicht mehr in den Genuss der Prämie kommen. Doch Nitschke beruhigt: „Sobald der Kaufvertrag geschlossen ist, schicken wir die Reservierung sofort online ans Bafa.

Der Kunde erhält dann umgehend eine Bestätigung mit seiner individuellen Vorgangsnummer. Damit ist der Anspruch auf die 2500 Euro gesichert, sofern die entsprechenden Nachweise eingereicht und die erforderlichen Regularien eingehalten wurden.”

Ausgezahlt wird die Prämie, wenn die Zulassung des neuen Autos sowie die Verschrottung des mindestens neun Jahre alten Altfahrzeugs erfolgt ist und beides ordnungsgemäß nachgewiesen wurde. Nach wie vor werden vor allem verbrauchs- und emissionsarme Kleinwagen nachgefragt.

Der in der Bestenliste führende VW Golf erlitt indes bundesweit einen Verlust von über 11.000 Neuanmeldungen im Juli. „Diesen Trend kann ich nicht bestätigen”, sagt Verkäufer Andreas Schroiff vom Autopark Stolberg, „Golf und Polo sind bei uns weiterhin sehr gefragt, auch wenn insgesamt die Nachfrage spürbar zurückgegangen ist.”

Stattdessen zieht beim Autopark langsam der Gebrauchtwagenverkauf wieder an. „Die Kunden orientieren sich dabei am Preis. In dem Segment bis 10.000 Euro verkaufen wir die unterschiedlichsten Modelle. Ganz anders die Situation bei Rosemeyer. Dort läuft das Gebrauchtwagengeschäft eher schleppend, wie Dirk Nitschke bestätigt.

Ungeachtet des abflachenden Neuwagenverkaufs läuft beim Stolberger Autoverwerter Bonnie die Arbeit auf Hochtouren. „Wir führen jetzt die Fahrzeuge der Schredderanlage zu, denn wir haben noch einen riesen Rückstau an Altfahrzeugen”, verdeutlicht Rainer Bonnie.

Kunden, die lange auf ihren Neuwagen warten mussten, brächten jetzt ihre Altfahrzeuge vorbei. Sauer aufgestoßen ist dem Autoverwerter die Diskussion um den massiven Missbrauch der Abwrackprämie. „Auch in unserer Region gibt es leider einige schwarze Schaafe, die auf extra angemieteten Flächen einen schnellen Euro verdienen wollen”, weiß Bonnie.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) vermutet, dass hochgerechnet bis zu 50.000 Fahrzeuge, die eigentlich verschrottet werden sollten, illegal weiterverkauft und zum Beispiel nach Afrika und Osteuropa verschoben wurden.

Alteingesessenes Unternehmen

„Wir sind ein alteingesessenes Unternehmen in Stolberg. Wir werden einen Teufel tun, auf die Schnelle ein paar Euros zusätzlich zu verdienen”, distanziert sich Bonnie massiv von den Vorwürfen des BDK.
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