Radarfallen Blitzen Freisteller

Den Spuren des jüdischen Lebens gefolgt

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:
juden19bui
Schicksale die betroffen machten: Klaudia Penner-Mohren (mit Mappe) machte vor den einstigen jüdischen Häusern Halt und erzählte den Werdegang der einst dort lebenden Menschen. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. 1933 lebten in der Kupferstadt 76 Menschen, die sich zum jüdischen Glauben bekannten. Als im Frühjahr 1945 der Nazi-Terror zu Ende ging, war die kleine jüdische Gemeinschaft - die keine Synagoge, aber ein am Steinweg gelegenes Bethaus besaß - ausgelöscht. Viele wurden in den Konzentrationslagern ermordert oder wurden von den Nazis in die Emigration gezwungen.

Das Schicksal dieser Menschen stand jetzt im Mittelpunkt eines als Rundgang gestalteten Vortrages, der von der Stolberg-Touristik veranstaltet, den Titel „Stolberg gegen Fremdenfeindlichkeit” trug. Geführt wurde die 15-köpfige Gruppe von Stadtführerin Klaudia Penner-Mohren, der es gelang, die Teilnehmer mit dem Los der kleinen jüdischen Gemeinde vertraut zu machen.

Bevor es in den Steinweg ging, wo sich einst die Mehrzahl der jüdischen Geschäfte und Wohnhäuser befand, stellte Klaudia Penner-Mohren eindrucksvoll die Methoden der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft dar, die dazu führten, dass jüdische Menschen drangsaliert, entehrt und ihrer Grundrechte beraubt wurden.

Am Steinweg wurden die noch vorhandenen Häuser in Augenschein genommen, die einst im Besitz jüdischer Geschäftsleute waren. Dabei rief Penner-Mohren Menschen in Erinnerung, die Namen trugen wie Falkenstein, Salomon, Wächter, Wolff und Mainzer. Stellvertretend für die Familien jüdischen Glaubens, die unter den Repressalien und Verfolgungen der Nazis zu leiden hatten, stellte die Stadtführerin den Werdegang von Bernhard Wächter dar, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Pepie im Hause Steinweg 15 ein Schuhgeschäft und Filialen in Aachen und auf der Mühle betrieb.

Der aus Galizien (Polen) stammende Bernhard Wächter wurde 1902 in Stolberg ansässig und erlangte 1924 die deutsche Staatsbürgerschaft, die ihm 1934 von den Nazis unter fadenscheinigen Gründen aber wieder entzogen wurde. Auch wenn Wächter nach eingehenden Protesten diese einige Monate später wieder zurück erhielt, wurde der Druck auf ihn und seine achtköpfige Familie immer größer. 1938 wurde er gezwungen seinen gesamten Besitz weit unter Wert zu verkaufen.

In der Folgezeit wurde das jüdische Ehepaar verhaftet und einem in Aachen gelegenen Sammellager unter menschenunwürdigen Bedigungenen festgehalten. Die Flucht ins Ausland gelang nur den sechs erwachsenen Kindern. Das Ehepaar Wächter hingegen wurde 1942 in den Osten transportiert und ist seitdem verschollen. Vermutlich fand das Ehepaar in einem osteuropäischen KZ den Tod.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert