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Dem Lichterwahn verfallen

Von: Nicola Gottfroh
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So mancher Autofahrer legt vor
So mancher Autofahrer legt vor dem Haus von Raimund Jansen einen Zwischenstopp ein, um am Dorffer Weihnachtshaus den Lichterglanz zu genießen. Foto: N. Gottfroh

Dorff. Dass sein Haus in der Weihnachtszeit einmal Anziehungspunkt für Weihnachtstouristen werden würde, das hatte sich Reimund Jansen aus Dorff nicht träumen lassen, als er vor 28 Jahren sein Eigenheim baute.

„Nein, das konnte damals nun wirklich niemand ahnen”, sagt er und lacht, als ein Auto vor seiner Grundstückseinfahrt stehen bleibt und erst Sekunden später in Schrittgeschwindigkeit weiterfährt. Auch wenn Raimund Jansens Haus am Hahnenkreuz 33 bei Tageslicht wie ein ganz normales Haus erscheint, wenn es dämmert verwandelt es sich in eine beinahe taghell leuchtende Weihnachtsattraktion.

Abertausende Lichter

Abertausende Glühbirnchen und Lichterschläuche, beleuchtete Weihnachtsmänner und Rentiere auf dem Dach, der Garage, in den Beeten des Vorgartens und in den Bäumen vor dem Haus zeigen mit heller Eindringlichkeit jedem, der am Haus vorbeispaziert und -fahrt, dass es sehr weihnachtet. Und es zeigt auch: Raimund Jansen ist dem Lichterwahn verfallen. Dabei hat er 1983, als er mit der Familie in das neue Domizil zog, mit einer einzigen Lichterkette angefangen, die damals in einem Bäumchen hing und weihnachtliches Flair verströmte. „Aber mir gefiel dieses schöne, warme, weihnachtliche Licht so gut, dass es im Laufe der Jahre immer mehr Lichter am und ums Haus herum wurden”, sagt Raimund Jansen. „So richtig dem Lichtervirus verfallen bin ich aber erst vor vier Jahren”, erinnert sich der 65-Jährige selbstständige Speditionskaufmann im Unruhestand.

„Damals, als die Lichterzahl sich plötzlich vervielfacht hat, da haben meine Mutter und ich noch mit Papa geschimpft”, erzählt seine Tochter Alexandra Hoch. Zu peinlich, zu auffällig sei der übrigen Familie damals der „Lichterwahn” des Vaters gewesen, erinnert sich die 40-Jährige. Inzwischen sei aber die gesamte Familie vom Lichtervirus angesteckt. Vor allem aber die vier Enkel finden die Weihnachtsdeko vom Opa richtig cool. „Und ich fange inzwischen schon genauso an wie mein Vater. Jedes Mal, wenn er sich etwas neues für die Außendekoration kauft, bekomme ich das ausgemusterte. Auch bei uns im Garten leuchtet es schon sehr hell”, sagt Alexandra Hoch und lacht. Ganz so weit treiben wie ihr Vater möchte sie es dann aber dann doch nicht. „Zu teuer”, sagt sie. Der Papa kann da nur nicken - Recht hat die Tochter. Denn bei ihm drehe sich der Stromzähler von Weihnachtssaison zu Weihnachtssaison schneller. Und das, obwohl er inzwischen schon die alte, stromfressende Birnchen-Lichterschar durch energiesparende LED-Lichter ersetzt habe. „Die Energiekosten sind noch immer beachtlich”, sagt Raimund Jansen. Aber nicht nur die Stromrechnung, auch die Anschaffung immer neuer Lichter will bezahlt werden.

Kleinwagen in Lichter investiert

„Ich schätze mal, dass ich im Laufe der vergangenen Jahre schon um die 15 000 Euro in die Deko investiert habe”, sagt er.

Neben jeder Menge Geld, hat Raimund Jansen auch jede Menge Arbeit in sein Hobby gesteckt: „Schon Anfang Oktober beginnen wir alljährlich damit, das Haus zu schmücken”, erzählt er. Damit er in seinem Alter nicht mehr selbst aufs Dach kraxeln muss, bekommt er bei der Installation seines Lichtertraums Hilfe von einem guten Bekannten. „Um die 80 Arbeitsstunden benötigen wir jedes Jahr, um das Haus von zum Strahlen zu bringen”, sagt Jansen. Nur eins nervt ihn beim weihnachtlichen Dekorieren: hässliche Kabel. „Wenn nur dieses Kabelgewirr nicht wäre”, seufzt er. „Es ist enorm aufwendig, die ganzen Kabel zu verstecken.”

Und wenn er draußen fertig ist, geht es drinnen weiter. „Dann werden aus dem Wintergarten die Möbel ausgeräumt, denn dann wird es drinnen weihnachtlich”, sagt Raimund Jansen. „Zuerst baue ich dann die Weihnachtsstadt auf - das dauert nämlich einen ganzen Tag”, erklärt er und zeigt voller Stolz auf die Miniaturstadt mit Marktplatz, Häusern und Kirche. Anschließend wird dann die handgearbeitete, metergroße Krippe aufgestellt. Als letzte Amtshandlung, bevor es vor lauter Kabelsalat dann doch noch besinnlich werden kann, ist das aufstellen das Weihnachtsbaums und das Installieren der 1200 Lichter am Baum.

„Wir sind halt eben Weihnachtsfans, das dürfen ruhig alle sehen”, betont Jansen. Und er genießt es, wenn Autofahrer aussteigen, und den Lichterzauber am Abend bewundern - auch wenn er weiß, dass er mit seiner Leidenschaft bei manchem Nachbarn aneckt. „Ich weiß, so etwas ist Geschmackssache. Aber Weihnachten ist nun mal mein liebstes Hobby, und vor allem den Enkeln gefällt es doch so gut”, sagt Raimund Jansen. „Einige Menschen aus der Nachbarschaft haben sich schon beschwert, weil sie das Licht stört. Aber so hell ist es doch nun wirklich nicht - wir wollen es doch nur schön weihnachtlich machen”, sagt Jansen. Und immerhin bekommt er nicht nur negatives Feedback aus Dorff. „Einige Leute haben uns sogar schon bei uns bedankt. Denen gefällts”, sagt Jansen.

Aufhören mit dem Lichterzauber, das will er auf keinen Fall: „Ich habe mir schon zurechtgelegt, was ich nächstes Jahr anschaffen will”, sagt er und grinst breit.

Bis die nächste weihnachtliche Lichtersaison in die endgültige Planung geht, fließt noch Wasser den Fluss und Strom die Leitungen hinab. Jetzt heißt es für Raimund Jansen und seine Familie erst einmal zurücklehnen, das Fest und das Lichterspektakel genießen.
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