Das Wirken eines großen Stolbergers

Von: -jül-/mlo
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Rückt das Wirken eines großen Stolbergers in den Blickwinkel der Öffentlichkeit: Professor Dr. Roland Fuchs organisiert die Feierstunde zum 250. Geburtstag von Meigen. Foto: T. Dörflinger
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Ein zeitgenössisches Portrait von Dr. h.c. Johann Wilhelm Meigen, dessen 250. Geburtstag am 25. Oktober in Stolberg gewürdigt wird.

Stolberg. Dass die Meigenstraße in Münsterbusch ihren Namen dem weltberühmten Insektenforscher Dr. h.c. Johann Wilhelm Meigen verdankt, weiß kaum einer der Bewohner in dieser Straße, berichtete jüngst Prof. Dr. Roland Fuchs bei seinem Vortrages zu dem Stolberger Zeitgenossen.

Ein Weltmann, der 50 Jahre in Stolberg gelebt hat, dort gestorben ist und wohl zu den bedeutendsten Zeitgenossen der Kupferstadt gehört – obwohl er und sein Wirken hier weitgehend unbekannt ist.

Botaniker und Insektenforscher

Das ist ein Umstand, der den Vorsitzenden des Fördervereins des Museums in der Torburg nicht ruhen ließ. Intensiv recherchierte der Stolberger Mediziner und fasste das Wirken Meigens nicht nur in einem lebendigen Portrait zusammen, sondern organisierte auch eine Feierstunde zum 250. Geburtstag des „Stolberger Bürger von Weltgeltung“. Eingeladen wird für Samstag, 25. Oktober, ab 17 Uhr in den Rittersaal der Burg, wo die Feierstunde mit zeitgenössischer Musik von Mozart und Beethoven durch die Musikschule Merz sowie von Rezitationen von Dichtern der Klassik und Romantik umrahmt wird.

Ein kurzer Überblick über den Werdegang des großen Stolbergers: Johann Wilhelm Meigen wurde am 3. Mai 1745 in Solingen als Sohn eines Klingenschmiedes geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Die Schule brach er vorzeitig ab, weil er sich mit dem Zeichenlehrer überworfen hatte. Fortan verbesserte er sein Zeichnen durch die Hilfe des Landvermessers im Hause und erhielt Privatunterricht in Französisch, Klavier und Orthografie.

Wissbegierig und selbstbewusst eröffnete er mit 15 Jahren bereits eine eigene private Französischschule. Aber Meigen war nicht nur talentiert in Sprachen und im Zeichnen, sondern auch in der Mathematik und im Musizieren. Er beobachtete die Natur gerne und genau und begann bald mit dem Zeichnen von Zweiflüglern, hier speziell der Anopheles-Mücke. 1793 war er als Lehrer in einer protestantischen Gemeinde in Burtscheid tätig. Als er die Bekanntschaft mit einem Entomologen in Vaals machte, dauerte es nicht mehr lang, und er besaß eine große Sammlung von Schmetterlingen.

Lehrer, Sekretär und Kartograph

Als 40-jähriger Mann heiratete Meigen die 17-jährige Aletta Mänß aus Duisburg, mit der er 13 Kinder hatte. 1795 siedelte die Familie nach Stolberg über, hier lehrte Meigen zunächst Französisch. Dem Forschen blieb er nach wie vor treu. 1804 veröffentlichte das Multitalent eine erste Klassifikation der europäischen Insekten in griechischer Sprache. Das Jahr 1808 war wegen der drastisch sinkenden Zahl von Französisch-Schülern schwierig geworden. Meigen erhielt einen Posten als Sekretär beim Kartellamt der Kupfermeister und etwas später bei der staatlichen Handelskammer Stolberg. In dieser Zeit erstellte er topographische Karten für das Departement de la Roer, der Mairie (Bürgermeisterei) Stolberg – auch als Meigenplan bekannt – sowie eine Übersichtskarte über den Regierungsbezirk Aachen.

Die Jahre nach 1815 wurden zur Not für die Meigen-Familie. Als 1816 nach einer Missernte die Lebensmittelpreise stiegen, nutzte Meigen sein astronomisches Wissen und erstellte Karten von Sternbildern der südlichen Erdhalbkugel und der Milchstraße auf 16 Tafeln. 1818 kam er zu Weltruhm als Begründer der wissenschaftlichen Dipterologie, einem Zweig der Entomologie. Als erster Insektenforscher trennte er das Verhalten der Anopheles-Mücke von den anderen Mückenarten, denen keine Bedeutung als Überträger von Krankheiten zukam. Es war General Ronald Ross, der den Zusammenhang von Anopheles-Mücke und Malaria erkannte und dafür 1902 den Nobelpreis für Medizin erhielt.

In Aachen veröffentlichte Meigen ein Buch, in dem er 3500 Arten von Zweiflüglern beschrieb. Sechs Bände folgten. Er arbeitete dann als Kustos (Wächter) der königlichen Museen in Berlin, Kopenhagen und Wien. Der stille Wissenschaftler, der keine Universität besucht hatte und über eine ungenügende Schulbildung verfügte, hatte sich im Selbststudium das nötige Wissen erarbeitet und wurde Mitglied in den wissenschaftlichen Gesellschaften von Bonn, Berlin, Koblenz und Stettin.

Da keines der Kinder in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte, verkaufte er schließlich sein Originalwerk nach Paris und Aachen. Sein größter persönlicher Erfolg war die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn, die er anlässlich seines 81. Lebensjahres verliehen bekam. Kurze Zeit später starb er in Stolberg.

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