Das tolle Schnäppchen ist längst ein Ladenhüter

Von: Jürgen Lange
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Tempo 30 und Straßenschäden:
Tempo 30 und Straßenschäden: Die vor zwei Jahren für 100 000 Euro sanierte Fahrbahndecke ist wieder Foto: J. Lange

Stolberg. Jetzt macht auch ein kleiner Schilderwald auf das aufmerksam, was Verkehrsteilnehmer immer stärker unter den Rädern ihrer Fahrzeuge oder den Sohlen ihrer Schuhe spüren. Die Aachener Straße ist nur noch Flickwerk. Selbst die letzten Versuche, die Wunden in der Fahrbahn mit einem Pflaster aus Flüssigasphalt zu heilen sind spätestens seit den jüngsten Frosttagen gescheitert. Die lebensrettende Operation ist längst überfällig.

Doch die Hinweisschilder auf Tempo 30 und Straßenschäden im Bereich der Karlshöhe haben nichts zu tun mit einer Anästhesie vor dem rettenden Eingriff.

Und die Warnbaken entlang des Abhangs zur Finkensiefstraße sind auch kein brauchbarer Ersatz für einen Erste-Hilfe-Koffer. Den besten Schutz vor einem tiefen Sturz bieten noch die Bäume auf dem Abhang, der selbst abrutscht.

Das Geländer, sofern es überhaupt noch vorhanden ist, gibt selbst eher sanften Berührungen nach: ein rostendes Winkeleisen aus Nachkriegszeiten auf maroden Beton- oder Eisenpfählen. In den Serpentinen zwischen Büsbacher Berg und Burgstüttgen ist die Aachener Straße zweifelsfrei gefährlich.

Unterhalb und oberhalb wird gerne zu schnell gefahren. Jüngst hatte wieder einmal der Verkehrsausschuss Sicherungsmaßnahmen für die untere Aachener Straße gefordert - nachdem es im Herbst dort erneut zweimal schwer gekracht hatte.

Dabei ist die Aachener Straße eine verkehrswichtige Strecke. Das hatte der Stadtrat im Frühjahr 2007 explizit noch einmal per Beschluss festgestellt. Denn die Verkehrsbedeutung ist eine Grundvoraussetzung für die Berücksichtigung in einem 2013 auslaufenden Förderprogramm.

Neben der Aachener Straße zwischen Lehmkaulweg und Bahnübergang wurde auch die Werther- und Diepenlinchener sowie die Rhenania­straße zwischen Münsterbachstraße und Hauptbahnhof mit Gesamtkosten von 4,5 Millionen Euro für eine Förderung angemeldet.

Als sie die Anträge im Eiltempo vorbereitete, hoffte die Verwaltung noch auf eine 80-prozentige Beteiligung; doch die sank kontinuierlich. Derzeit kann die Stadt allenfalls noch mit 60 Prozent Zuschüssen rechnen.

2007 sollte schon im Folgejahr an der Aachener Straße begonnen werden; 2008 war der Ausbau bereits auf 2010 geschoben. Immer weiter rückten die Vorhaben bei den Einplanungsgesprächen für die Förderung mit der Bezirksregierung in die Ferne. Jetzt wird im Rathaus auf 2013 gehofft, eher aber mit 2014 gerechnet - für die Aachener Straße, deren Pläne bereits die Bürgerbeteiligung durchlaufen haben.

Für die beiden weiteren Straßen steht heute nur fest, dass zur Einweihung des frisch sanierten Hauptbahnhofes im kommenden Herbst die Rhenania­straße nicht ausgebaut sein wird. Wann sie zum Zuge kommen kann, ist ebenso offen wie die Zukunft der Werther- und Diepenlinchener Straße.

So wie es mit der Förderung bergab ging, gehts mit den Kosten bergauf: Hatte die Verwaltung für das finanzielle Volumen des Ausbaus der Aachener Straße noch vor fünf Jahren auf 2,4 Millionen Euro geschätzt, waren es im Herbst 2009 bereits 3,5 Millionen Euro, und mittlerweile dürfte es noch teurer sein.

Lag der städtische Eigenanteil anfangs bei 480 000 Euro, rangiert er heute bei einer 60-prozentigen Förderung bereits bei mindestens 1,4 Millionen Euro. Aus dem erhofften Schnäppchen ist längst ein Ladenhüter geworden.
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