Stolberg - Das Interesse endet nicht mit dem Unterricht

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Das Interesse endet nicht mit dem Unterricht

Von: Daniela Martinak
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Die Projektkursteilnehmer beschäftigen sich mit dem Thema Krieg. Projektleiter Philipp Pletsch (2.v.l.) und Dr. Dagmar Hänel (l.) behandeln mit den Schülern Gedenk- und Erinnerungskulturen. Foto: D. Martinak

Stolberg. Wie gehen wir eigentlich heute mit dem Zweiten Weltkrieg um? Und was haben Mohnblumen damit zu tun? Mit solchen Fragen haben sich Schüler der elften Klasse am Goethe-Gymnasium beschäftigt. Zu Beginn des neuen Schuljahrs ist das Pilotprojekt gestartet. Immerhin haben die Weltkriege auch heute noch hohe Relevanz.

Mohnblumen übrigens deshalb, weil es nicht nur die ersten Blumen waren, die auf zerstörten Feldern wieder gewachsenen sind und wegen ihrer roten Blüten an das vergossene Blut erinnern, sondern auch, weil sie bei Ritualen in Europa, die dem Krieg zum Gedenken veranstaltet werden, immer wieder zum Einsatz kommen.

Philipp Pletsch erntet jede Menge Lob und Anerkennung für die Idee, das Unterrichtsangebot mit diesem Projekt zu bereichern. „Ich wollte einen Kurs entwickeln, der die Schüler mitreißt. Der nicht wie der übliche Unterricht abgehandelt wird, sondern dazu animiert, sich auch außerhalb der Schulstunden damit zu beschäftigen“, erklärt der Sozialwissenschaftslehrer.

Obwohl der Kurs natürlich Teil des normalen Unterrichts ist und als Referenzfach angesehen wird, „ist es eher ein freies Arbeiten“ und soll sozusagen ein Brückenschlag zur weiteren Ausbildung sein, in der ja schließlich auch eigenständig gearbeitet werden müsse. Dennoch so sagt Dr. Dagmar Hänel, die Leiterin für Volkskunde im LVR-Institut, die eigens für dieses Projekt mit ins Boot geholt worden ist, findet eine anschließende Präsentation statt, die benotet wird. Das Thema: Krieg. Gegenstand der Diskussionsrunden, die wöchentlich stattfinden, ist politische Rhetorik zu entschlüsseln, Erinnerungsorte und Gedenkstätten zu besuchen, Eindrücke zu sammeln und diese gemeinsam zu verarbeiten und zu reflektieren.

Gerade die Region Stolberg sei ein Gebiet im Rheinland, das durch die Grenzlage und die seit Ende des Zweiten Weltkrieges immer stärker werdenden Bestrebungen zur Aufhebung der Grenzen besonders interessant ist.

Wie wird an Kriege erinnert, welche Symbole und Rituale gibt es und welche Geschichten werden von den Kriegen des 20. Jahrhunderts erzählt? Henning Heister, einer der Kursteilnehmer, meldet sich: „Mein Opa war immer sehr verschwiegen, wenn es um den Krieg ging. Nicht etwa, weil er sich nicht mehr erinnert, sondern wohl eher, weil die Leute, die darüber erzählen. schnell als Nationalsozialisten abgestempelt werden.“ Und weiter: „Wir Deutschen brauchen vielleicht noch 50 Jahre, um offener darüber sprechen zu können.“

Henning und sieben andere Mitglieder der kleinen Forschungsgruppe haben sich längst ihre eigene Meinung gebildet. Während sich Tamara Hermes und Philipp Emontes während der Diskussion eher ruhig verhalten, lange darüber nachdenken, wie es tatsächlich gewesen sein könnte, und dann erst ihre Meinung preisgeben, hat Charlotte Zeller stets den Finger oben.

„Für mich bedeutet Krieg nicht nur Kampf zweier Länder, sondern Tod, Schmerz und Mord.“ Die Gymnasiastin hat sich offensichtlich schon länger mit dem Thema auseinandergesetzt und macht keinen Hehl daraus, was sie darüber denkt. Auch Kevin Thiefes und Michael Rogocki, Fynn Weber und Pia Hilgert bereichern mit ihren persönlichen Charakterzügen, Einstellungen und Ideen den Projektkurs.

Neue Erfahrungen und Informationen, die sie so noch nie gehört haben, Besuche eben solcher Rituale wie etwa Zeremonien am Volkstrauertag in Belgien, aber auch in der Region, und Gespräche mit denjenigen, die den Krieg tatsächlich erlebt haben, machen die beiden ersten Schulstunden donnerstags nun regelmäßig interessant.

„Beeindruckend“, so sind sich der Sozialwissenschaftslehrer und die Kulturanthropologin einig, „dass die Teilnehmer mit solch einem Wissensstand, einer unermüdlichen Aufmerksamkeit und jeder Menge Einsatzbereitschaft, was außerschulische Veranstaltungen angeht, bei der Sache sind.“

Aber nicht nur die beiden Leiter des Projektes und natürlich die Schüler sind sichtlich begeistert. Auch der Bernd Decker, Leiter des Goethe-Gymnasiums, befürwortet bereits das darauffolgende Angebot: „Wir sind die erste Stolberger Schule, die solch ein Projekt ins Leben gerufen hat. Es ist erfreulich, wie positiv die Resonanz von allen Seiten ist. Und, wenn Herr Pletsch schon die nächste Idee hat – umso besser.“

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