Das Grab für den King ist bereits reserviert

Von: Jürgen Lange
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Ehrenamtliches Engagement: Gabor Zorkoczy und Horst de Hesselle (v.r.), die Vorsitzenden der Interessengemeinschaft, kümmern sich auch um die Pflege des Tierfriedhofs. Foto: J. Lange

Stolberg. Dana wurde nur zwei Jahre alt. Eine heimtückische Krankheit setzte dem Leben der jungen Golden-Retriever-Dame ein frühes Ende. Doch ihre Angehörigen haben einen Ort der letzten Ruhe gefunden, den sie immer besuchen und ihres verstorbenen Lieblings gedenken können.

Der Stolberger Tierfriedhof ist einzigartig in der ganzen Region. Nahe dem Humanfriedhof in der Buschmühle bietet die Anlage auf rund 7000 Quadratmeter Fläche vielfältige Bestattungsmöglichkeiten - vom anonymen Grabfeld bis hin zum Doppelwahlgrab, für Meerschweinchen oder Papagei, Katze und Hund.

Über 50 Grabstätten sind bereits belegt. „Und die Nachfrage wächst stetig”, sagt Horst de Hesselle. Er ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft, die von der Stadt Stolberg den Tierfriedhof übernommen hat, nachdem ein Existenzgründer mit diesem neuen Angebot nicht seine Existenz festigen konnte. Die Friedhofsanlage verwilderte, die Nachfrage fehlte - vermutlich auch wegen der relativ hohen Gebühren, die er für sein Unternehmen benötigte.

50 Euro Gebühr

Das ist inzwischen Geschichte. Seit etwa einem Jahr hat die IG den Tierfriedhof in ihrer Obhut und verfolgt heere Ziele: „Wir wollen es jedem ermöglichen, sein geliebtes Tier in Würde beisetzen zu lassen und über den Tod hinaus besuchen zu können”, unterstreicht de Hesselle. Das drückt sich auch in der einmaligen Bestattungsgebühr von 50 Euro inklusive der Kosten der Beisetzung und der Liegegebühr von monatlich 5 Euro aus.

„Und wenn selbst das einmal zuviel sein sollte, helfen wir in Einzelfällen auch gerne weiter”, unterstreicht Gabor Zorkoczy, der als zweiter Vorsitzender auch über die Kasse wacht. „Das soll kein Friedhof für Privilegierte, sondern für jeden Tierfreund sein”, sagen die Idealisten, die zur Not auch selbst in die Tasche greifen würden, um die sich jährlich verdoppelnde Pacht für die Stadt aufzubringen, falls sie einmal aus den IG-Einnahmen nicht mehr bezahlt werden könnte.

In Eigenregie bestreiten die etwa 50 Tierfreunde auch Pflege und Unterhalt der Anlage. Und die hat sich innerhalb des letzten Jahres deutlich gemausert. Über 25 Bestattungen wurden allein in den letzten Monaten vorgenommen. Die Wiesen werden regelmäßig geschnitten, die Wege wildkrautfrei gehalten, Bäume wurden gepflanzt, eine Halle für Gerätschaften errichtet und eine Wasserversorgung für trockene Tage aufgebaut.

„Jeden Tag ist einer von uns hier”, sagt Horst de Hesselle, der nach dem Winter die Einfriedung der Wege in Angriff nehmen möchten. „Wir machen lieber alles in kleinen Schritten”, betont der Vorsitzende. Denn im Mittelpunkt stehe die Ruhestätte für das geliebte Tier, aber auch die Seelsorge für die Menschen, die ihren besten Freund verloren haben. „Wir haben immer ein offenes Ohr füreinander”, meint auch Zorkoczy. Und auf dem Friedhof kommt man schnell ins Gespräch und hilft sich untereinander bei der Grabpflege.

Die unterscheidet sich allenfalls von der Größe seiner Grabstellen von einem Humanfriedhof. Unterschiedlicher Geschmack wird respektiert. Da ruht ein Kater unter pflegeleichtem Grabschmuck friedlich neben der Hundedame, deren letzte Ruhestätte reichlich mit Figuren, Blumen, Kerzen und Solarlampe verziert ist. Oder neben Papagei Sam, den ein Engel in dem aus weiß-grauen Kieseln gelegten Herz begleitet. „Ich vermisse Dich”, ist auf einem Stein des liebevoll gepflegten Grabes zu lesen. Den verstorbene Ara hatte seine Besitzerin einfrieren lassen bis sie für ihn die würdevolle Ruhestätte in Stolberg fand.

Und auch Horst de Hesselle hat sich schon eine zweite Grabstätte für seinen 14-jährigen Schäferhund King reserviert; direkt neben dem Grab seines alten Rüden King, den er vor drei Jahren hier in der Buschmühle beerdigt hat. „Ich könnte einfach nicht den schaurigen Gedanken ertragen, dass mein Hund zum Abdecker kommt oder zu Tierfutter weiter verarbeitet wird.” Auf dem Stolberger Tierfriedhof kann er seinen alten Freund jeden Tag besuchen, Gleichgesinnte treffen und Trauernden hilfreich zur Seite stehen.
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