Stolberg - Das ganz große Schneechaos bleibt aus

Das ganz große Schneechaos bleibt aus

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
schnee-liester-bu
Des einen Freud ist des anderen leid: Während die Kinder, wie hier auf der Liester, den Schneefall in vollen Zügen genossen, hatten vor allem Verkehrsteilnehmer ihre liebe Mühe mit Matsch und Eis. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Einen solchen Wintereinbruch hat es seit dem Jahr 2002 nicht mehr gegeben: Gegen Mitternacht öffnet sich der Himmel über Stolberg, dann schneit es in einem fort. Schon in der Nacht kommt es zu ersten Behinderungen, als der Berufsverkehr beginnt, herrscht auf den Straßen höchste Anspannung - Fahren im Schneckentempo ist angesagt.

Während auf Stolbergs Straßen noch am Vormittag Hochbetrieb herrscht, kann Georg Paulus relativ gelassen den Schneefall durch das Fenster seines Mausbacher Büros beobachten. Zwar ist auch für den Leiter des Technischen Betriebsamts (TBA) dieser Wintereinbruch ziemlich heftig, doch auf das, was sich seit den frühen Morgenstunden abspielt, waren er und seine Leute eingestellt. „Das war ja nicht so überraschend”, verweist Paulus auf die stimmigen Wettervorhersagen, die das TBA auf den Schneefall vorbereitet hatten.

Es ist Vormittag, kurz nach 11 Uhr, und die Männer in den leuchtenden Westen haben jetzt schon eine Sechs-Stunden-Schicht hinter sich, Ende nicht absehbar. „Wir haben rund 60 Mann im Einsatz”, sagt Paulus. „Wir sind mit allen Leuten unterwegs.” Acht Großfahrzeuge - eins davon von einer Fremdfirma - sind mit Streumitteln im Dauereinsatz, dazu kommen noch mehrere Pritschenwagen.

Und dennoch: Immer wieder kommt es zu Problemen, teilweise zu Unfällen. Vor allem Lkw und Busse haben mit den Schneemassen zu kämpfen. Auf der Würselener Straße in Höhe der Tankstelle schafft ein Laster den Anstieg nicht mehr - obwohl hier zwei Stunden zuvor gestreut worden war. „Es schneit einfach immer weiter”, sagt ein Straßenarbeiter, der dem Lkw-Fahrer zu Hilfe kommt. „Da, wo eben noch gestreut wurde, liegt jetzt schon wieder eine neue, dicke Schicht.”

Und die wird zu rutschigem Matsch, auf dem die schweren Fahrzeuge nicht voran kommen. Bis zu 30 Minuten Verspätung haben deshalb auch einzelne Linien der Aseag. „Es gibt immer da Probleme, wo Steigungen sind”, sagt Anne Linden, Sprecherin des Verkehrsunternehmens. Das bekommen auch Fahrer und Fahrgäste der Linien 12 und 25 zu spüren, vor allem in Büsbach, auf Höhe des Friedhofs Buschmühle.

Allerdings profitiere man davon, dass die Schule noch nicht angefangen hat: „Wir merken schon, dass es keinen Schülerverkehr gibt. Das ist wirklich eine Erleichterung.” Von Unfällen ist die Aseag auch nicht geplagt, und gegen 11 Uhr am Vormittag fließt auch der Verkehr an Buschmühle wieder gut - den Umständen entsprechend. „Ansonsten sind wir von dem Schnee genauso betroffen wie die Autofahrer, die einfach nicht so schnell vorankommen wie sonst”, sagt Linden. „Das ist bei unseren Bussen nicht anders.”

Leichte Verspätungen vermeldet auch die Euregiobahn, doch was auf der Straße für größere Schwierigkeiten sorgt, wirkt sich auf der Schiene weniger aus. „In kleinen Bereichen haben wir Verspätungen von fünf bis zehn Minuten”, sagt Birgit Krücken vom Aachener Verkehrsverbund. Ansonsten gebe es aber so gut wie keine Auswirkungen.

Paul Kemen, Sprecher der Aachener Polizei, verweist derweil auf ein anderes Problem: Immer noch seien Autofahrer mit Sommerreifen unterwegs. „Spätestens jetzt sollte jeder eine entsprechende Bereifung aufgezogen haben”, so Kemen. Wer den Verkehr mit „Schluppen” behindere oder sogar wegen falscher Bereifung einen Verkehrsunfall verursache, der werde mit einer Geldbuße zur Rechenschaft gezogen, so der Polizeisprecher weiter.

Die Aseag ist mit Reifen unterwegs, „die für den ganzjährigen Betrieb in unserer Region geeignet sind”, erklärt Anne Linden auf Anfrage. Durch regelmäßige Kontrollen werde sichergestellt, dass die Profiltiefe der Reifen über dem empfohlenen Mindestmaß von vier bis fünf Millimetern liege.

Viele Anrufe beantworten muss auch Hans Maassen. Bei ihm im Ordnungsamt steht das Telefon nicht still. Immer wieder beschweren sich Bürger über nicht gekehrte oder gestreute Bürgersteige. Die meisten Anrufe gehen bis zum Mittag ein, doch Maassen und seinen Kollegen sind die Hände gebunden. Das Problem ist die Straßenreinigungssatzung, die Hausbesitzer zwar dazu verpflichtet, die Gehwege von Schnee zu befreien und bei Glätte zu streuen. Jedoch steht in der Satzung auch, dass dies nach Beendigung des Schneefalls zu geschehen hat, und selbst am Nachmittag schneit es noch unentwegt.

Da aber auch am Dienstag und Mittwoch noch mit Schnee und Glätte zu rechnen ist, weist Maassen darauf hin, dass die Nichtbeseitigung eine Ordnungswidrigkeit ist und Hausbesitzer für Unfälle haftbar gemacht werden. Das Ordnungsamt jedenfalls sei gewappnet, Verstöße auch am Dienstag und in den kommenden Tagen zu ahnden - zur Sicherheit aller Fußgänger.

Georg Paulus bleibt unterdessen weiter gelassen. „Wenn ich an meine Kinder- und Jugendzeit denke, da hatten wir viel heftigere Winter”, sagt der Leiter des TBA. Auch im Jahr 2002 sei man wesentlich stärker getroffen worden als am Montag. Größere Störmeldungen gehen in seinem Mausbacher Büro nicht mehr ein, dennoch sind bis auf Weiteres alle Mitarbeiter einsatzbereit, auch von denen, die zurzeit Urlaub haben, stünden einige Gewähr bei Fuß.

Als es endlich aufhört zu schneien, ist es etwa 16 Uhr, und das ganz große Chaos ist ausgeblieben. Auch die Polizei meldet keine besonderen Vorkommnisse. Längst schon haben draußen die Kinder das Kommando übernommen, denn die sehen in dem Schnee, der liegen bleibt, nur eins: genau die richtige Grundlage für ganz viel Spaß.

Mehrere Unfälle im Stadtgebiet

Der erste Unfall, der auf Eisglätte zurückzuführen ist, geschah am Montagmorgen bereits um 2.30 Uhr. Ein 43-jähriger Autofahrer rutschte auf der Straße Am Holderbusch in ein geparktes Auto und fuhr einfach weiter. Der Besitzer des beschädigten Autos hatte jedoch den Krach gehört und konnte sich vom Fenster aus das Kennzeichen des Verursachers notieren. Dieser wurde daraufhin von der Polizei aufgegriffen, die Beamten beschlagnahmten den Führerschein des Stolbergers.

Ebenfalls in Münsterbusch, An der Kesselschmiede, rutschte am Morgen ein Omnibus leicht gegen einen Pkw. Weitere Unfälle gab es bis zum gestrigen Abend auf der Zweifaller Straße, der Aachener Straße und an der Würselener Straße, wo ein aus Verlautenheide kommender Pkw im Waldstück vor dem Ortseingang Atsch von der Fahrbahn abkam und rechts im Graben landete.

Verletzte waren in keinem Fall zu beklagen, es kam lediglich zu Blechschäden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert