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Das einstige Vorbild gilt heute als eine Gefahr

Von: Jürgen Lange
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Gefährlich statt vorbildlich:
Gefährlich statt vorbildlich: Nach einem Vierteljahrhundert muss die Schaltung der beiden Ampeln auf der Höhenstraße geändert werden. Auch wenn sie bergauf Rot zeigen, kanns bergab Grün Foto: J. Lange

Stolberg-Donnerberg. Das Jubiläum wurde nicht gefeiert. Vor gut einem Vierteljahrhundert wurden die beiden Fußgängerampeln auf der Höhenstraße installiert.

Mitte der 1980er Jahre galt die Stolberger Idee noch als wegweisend, ein Modell, Beruhigung, Sicherung und Verkehrsfluss unter einen Hut zu bekommen. Was seinerzeit als Fortschritt gelobt wurde, gilt heute aber als gefährlich: Die Schaltung der beiden Fußgängerampeln muss geändert werden.

Das ist zumindest deshalb erforderlich geworden, nachdem sich die Verkehrsdirektion des Aachener Polizeipräsidiums intensiv mit der doppelten Lichtzeichenanlage auf der Höhenstraße befasst hat. Seit Jahren beschwerten sich bereits Bürger über die Schaltung der Ampel, denn immer wieder fahren Autos trotz Rotlicht zeigendem Lichtsignals über den Fußgängerüberweg - direkt vor den Toren der Grundschule. Das Ergebnis: Die derzeitige Situation kann nicht weiter geduldet werden.

Seit einem Vierteljahrhundert zeigen beide Bedarfsampeln auf der Höhenstraße sowohl für den Autofahrer wie für den Fußgänger grundsätzlich Rot. Nährt sich ein Auto mit der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, schaltet die von Induktionsschleifen gesteuerte, jeweilige Ampel kurz vor Erreichen auf Grün. Das Fahrzeug kann ohne Anhalten passieren. Dieser Automatismus hat sich im Laufe der Zeit auf die ortskundigen Autofahrer übertragen.

In der Gewissheit auf Grün fahren sie mit 30 km/h stur auf die Ampel zu - und auch einfach weiter, wenn diese nicht Grün zeigen sollte. Denn sollte ein Fußgänger den Anforderungsknopf drücken, während ein Fahrzeug im Bereich der Induktionsschleifen ist, erhält nicht der Wagen, sondern der Fußgänger den Vortritt. Doch das ist dann meist für den die Strecke gewohnten Autofahrer nicht mehr rechtzeitig zu realisieren. Immer wieder geraten so Fußgänger in Gefahr, trotz Grünlicht für die Querung der Höhenstraße von Autofahrern erfasst zu werden.

Neue Sicherheitserkenntnisse

Darüber hinaus sind die Lichtzeichenanlagen so fein und individuell geschaltet, dass sogar bei Fahrzeugkolonnen zu schnell fahrende Autos erkannt werden, es in Sekundenbruchteilen zum Wechsel von Grün- auf Rotlicht kommt, und dies auch in beiden Fahrtrichtungen unterschiedlich möglich ist: bergab hat Grün, bergauf aber Rot oder umgekehrt.

„Diese Alles-Rot-/Sofort-Grün-Schaltungen sind nicht mehr zeitgemäß”, bilanziert Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt in Übereinstimmung mit dem Ordnungsamt und der Polizei. Wurde diese Schaltung in der „Richtlinie für Signalanlagen” in der Ausgabe von 1992 noch ausdrücklich für wenigbelastete Straßen empfohlen, taucht diese bei der aktuellen Fassung aus 2010 aufgrund neuer Sicherheitserkenntnisse schon gar nicht mehr auf.

Darüber hinaus hat der Gesetzgeber mittlerweile festgelegt, dass Ampeln nur zur Regelung sich kreuzender oder schneidender Verkehrsströme zugelassen sind, nicht aber - wie auf der Höhenstraße der Fall - zur Herabsetzung der Geschwindigkeit.

Dementsprechend sollen die beiden Anlagen auf der Höhenstraße zukünftig wie eine gewöhnliche Fußgängerbedarfsampel umgeschaltet werden, schlägt Pickhardt dem am 23. Februar tagenden Verkehrsausschuss vor: Grundsätzlich haben die Autofahrer Grünlicht, will ein Fußgänger die Höhenstraße queren, werden die Fahrbahnen per Knopfdruck auf Rot geschaltet und mit einem ausreichenden Sicherungsabstand der Fußgängerüberweg auf Grün.

Darüber hinaus schlägt die Verwaltung zur Reduzierung der Geschwindigkeiten auf der Höhenstraße vor, insgesamt vier Aufpflasterungen in Form so genannter „Berliner Kissen” vor, die im Bereich der Ampelanlagen eingebaut werden sollen. Die Kosten werden mit 10.000 Euro kalkuliert.

Allerdings hatte erst im letzten Herbst der Verkehrsausschuss auf Vorschlag der Verwaltung beschlossen, „Berliner Kissen” nur noch dort einzubauen, wo Anwohner dies bezahlen. Zu dieser Regelung macht der Fachbereichsleiter in seiner Vorlage keine Angaben.
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