Damit es für alle das Fest der Feste wird

Von: Martina Rippholz
Letzte Aktualisierung:
weihnachtskisten-bild
Neben der Ausgabe von Lebensmittel gehört auch das Gespräch mit den Kunden für die Mitarbeiter der Stolberger Tafel dazu. Foto: M. Rippholz

Stolberg. Eine Packung Lachs ist für Roswitha van Lück etwas ganz Besonderes. Ein Stückchen Luxus, das sie sich sonst nicht leisten kann. Die 61-jährige Stolbergerin ist Witwe. Und sie ist eine von rund 2000 Bedürftigen in der Kupferstadt.

Weil ihre kleine Rente oft nicht reicht, um über die Runden zu kommen, geht sie zur Stolberger Tafel. Die verteilt seit mittlerweile zehn Jahren Lebensmittel, die in den Geschäften und Supermärkten nicht mehr verkauft werden können. Und sie gibt diese weiter an bedürftige Menschen - wie Roswitha van Lück.

Seit Beginn der Tafel mit Sitz in der Eschweilerstraße zieht van Lück mindestens einmal pro Woche ein Los und stellt sich in die Schlange. „Ich finde es sehr schön, das so etwas hier angeboten wird”, sagt sie. „Alles, was ich hier bekomme, kann ich irgendwie gebrauchen.” So kauft van Lück gegen einen geringen Preis Obst, Fertiggerichte und Brot ein. Oder - wenn es ihn gibt - eben Lachs.

Besonders freut sich die 61-Jährige in diesem Jahr auch wieder auf die Weihnachtskisten-Aktion der Tafel. Zum vierten Mal beteiligt sich der Stolberger Verein an der NRW-weiten Aktion, die in der Region vom WDR und von unserer Zeitung unterstützt wird. So ruft die Kupferstädter Tafel wieder alle Mitbürger dazu auf, Pakete mit Lebensmitteln zu packen, die dann an solche Menschen verteilt werden, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat.

„In die Kisten kann alles rein, was nicht gekühlt werden muss”, erklärt Franz Josef Koke, Vorsitzender der Stolberger Tafel. Damit meint er haltbare Lebensmittel wie zum Beispiel Konserven, Mehl, Zucker, Öl, Dauerwurst, aber auch Süßigkeiten, Tee, Gewürze und Soßen. „So können die Menschen zu Weihnachten ein festliches Essen kochen”, betont Koke.

Sogar eine Flasche Wein darf zu diesem Anlass dazu gegeben werden, auch wenn die Tafel normalerweise keinen Alkohol herausgibt. Die Spender dürften die Größe ihrer Kiste selbst wählen. Es könne eine ganze Bananenkiste mit Essen sein oder auch nur ein Schuhkarton. „Wir sortieren die Pakete dann. Große halten wir für Familien bereit, kleine gehen an Einzelpersonen”, sagt Franz Josef Koke.

Der Vorsitzende hofft, dass in diesem Jahr wieder so viele Spenden zusammenkommen wie im vergangenen. „Da waren es 1200, die wir auf fünf Tischreihen im Zinkhütter Hof gestapelt haben.” Die Nachfrage nach den Weihnachtskisten ist groß. Und sie ist in den vergangen Jahren immer größer geworden. Ein Trend, der sich vor allem auch im Regelbetrieb der Stolberger Tafel ablesen lässt.

Zwar sei die Zahl derjenigen, die die von montags bis samstags geöffnete Ausgabe in Anspruch nehmen, gleich geblieben, sagt Koke. Rund 850 Haushalte mit 2000 Personen seien als Kunden gemeldet. „Aber die Leute kommen regelmäßiger als früher”, erklärt er. „Die Bedürftigkeit hat eindeutig zugenommen. Hartz IV und die stetige Teuerung tragen dazu enorm bei.”

Kein Wunder, dass die Tafel voll ausgelastet ist. Insgesamt 110 ehrenamtliche Mitarbeiter - viele im Rentenalter um die 70 - holen täglich Ware in wechselnden Schichten von fast 50 Lieferanten ab, bringen sie in die Eschweilerstraße und bereiten sie für die Ausgabe am Nachmittag vor. Dort wird sie für etwa fünf Prozent des Originalpreises verkauft.

„Pro Ausgabe kommen in der Regeln zwischen 50 Cent und 2,50 Euro zusammen”, sagt Koke. Gespendet werden die Lebensmittel hauptsächlich von Supermärkten und Discountern, aber auch von kleineren Geschäften in der Kupferstadt. Backwaren, Gemüse und Gekühltes - das alles wird täglich an 70 bis 100 Bedürftige verteilt. Manchmal sind auch Hygieneartikel darunter. Oder ein solcher Luxusartikel wie der Lachs von Roswitha van Lück.

Sammlung und Ausgabe der Weihnachtskisten

Die Stolberger Tafel bittet alle Bürger, sich an der Weihnachtskisten-Aktion für Bedürftige zu beteiligen. Gespendet werden können alle haltbaren Lebensmittel. Auch Gutscheine zum Beispiel für einen Festtagsbraten können abgegeben werden.

Die Pakete - von der Bananenkiste bis zum Schuhkarton - können am Mittwoch, 16. Dezember, zwischen 10 und 18 Uhr im Museum Zinkhütter Hof, Cockerillstraße 90, abgegeben werden. Sie sollten möglichst offen sein.

Die Kisten werden am Donnerstag, 17. Dezember, ab zehn Uhr in Zweistunden-Intervallen an die Kunden der Stolberger Tafel ausgegeben. Wer kein Kunde ist, muss seine Bedürftigkeit nachweisen - durch die Bescheinigung über das Arbeitslosengeld II, eine kleine Rente oder einen geringen Verdienst.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert