Stolberg - „Crash Kurs NRW“ zeigt die Gefahren zu schnellen Fahrens auf

„Crash Kurs NRW“ zeigt die Gefahren zu schnellen Fahrens auf

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Drei Jahre ist er her, der Unfall auf der Dürener Straße in Eschweiler, bei der Dimitri ums Leben gekommen ist, nachdem er mit seinem Wagen gegen einen Baum geprallt war: Der junge Mann war im Pkw eingeklemmt und musste freigeschnitten werden. Fürchterlich für die Angehörigen, aber auch für die Einsatzkräfte vor Ort, die nicht mehr helfen konnten. Foto: Polizei

Stolberg. 1 Sekunde, es ist nur 1 Sekunde. So kurz. Und doch ist es der Moment, der alles zerstört. So ist es auch bei Linda: Sie will ihren 16. Geburtstag groß feiern, mit Familie und Freunden. Aber Linda wird diesen Tag nicht mehr erleben. Fünf Tage vorher kommt das junge Mädchen, das noch ein ganzes Leben vor sich hat, innerhalb weniger Sekunden ums Leben – bei einem Verkehrsunfall. Es war Alkohol im Spiel.

Totenstille im PZ des Goethe-Gymnasiums: Als Lindas Mutter Nadina Melchior per Videobotschaft vom grausamen Verlust ihres Kindes berichtet, gibt es längst keinen mehr in den mit Schülern vollbesetzten Reihen, der versucht, die Veranstaltung durch Gekicher oder Dazwischenreden auf die leichte Schulter zu nehmen. Im Gegenteil: Einige Schülerinnen gehen weinend aus dem Raum. Sie werden aufgefangen – von ihren Lehrern und Notfallseelsorgern. Zu stark sind die Emotionen, die bei der Veranstaltung hervorgerufen werden. Und das ist auch genau so gewollt.

Vier Jahre ist der tragische Unfall her, Selbstmordgedanken, Antidepressiva, Schlafmittel und ständige Zusammenbrüche machten die Mutter des jungen Unfallopfers fast unfähig, am Leben teilzunehmen. „Der Schleier der Traurigkeit ist immer da“, sagt Nadina Melchior.

Mit einem lauten Knall endet die Veranstaltung. Der zerplatzte Lebenstraum in Form eines mit vielen Wünschen bespickten Luftballons holt die jungen Zuschauer zurück in die Realität. „Crash Kurs NRW“ – so heißt die 2010 nach englischem Vorbild ins Leben gerufene Kampagne der Polizei, die Jugendliche bezüglich Autounfällen sensibilisieren soll. Die Polizei geht gemeinsam mit ihren Partnern neue Wege. Bei der Doppelstunde im Goethe-Gymnasium, bei der auch Mädchen und Jungen des Ritzefeld-Gymnasiums sowie der Realschule I teilnehmen, stehen die Emotionen im Vordergrund. Ziel ist es, bei den jungen Teilnehmern ein realitätsnahes Gefahrenbewusstsein zu schaffen und dauerhafte Verhaltensänderungen zu bewirken.

Polizist Rainer Heinig, Marcus Wojak von der Feuerwehr, Rettungsassistent Oliver Greven vom DRK und Notarzt Dr. Peter Thomas berichten von ihren Erfahrungen. Sie sagen, was sie erlebt haben, wie sie sich gefühlt haben und welche Belastungen durch einen Unfall entstehen können. „Vor meinen Augen verbrannte ein Mensch. Und ich wusste genau, dass ich es nicht schaffen werde, diesen Menschen zu retten“, sagt Marcus Wojak. Der junge Mann, über den er spricht, war Schreiner-Azubi und Anfang 20, als er mit seinem Leben bezahlen musste – weil er auf dem Weg zur Arbeit noch einmal umdrehen musste und schnell, zu schnell, nach Hause wollte.

Die Akteure verdeutlichen aber an diesem Morgen auch schonungslos ihre eigenen Grenzen. „Er konnte nicht einfach aus dem Auto geholt werden, er musste freigeschnitten werden. Und dieses Bild, wie Dimitri rausgeschnitten wurde, habe ich immer vor Augen – vor allem die nackten Füße“, sagt Rainer Heinig.

Bilder vom Erlebten sind es auch, die sich bei Peter Thomas „eingefressen“ haben. Bei 14 000 Einsätzen begleite ihn die Routine, nur ein Bruchteil davon sei haften geblieben, aber die 40 Einsätze, die noch präsent seien, lassen den Notarzt nicht los. Das Foto eines hübschen Mädchens wird in dem einen Moment gezeigt, schon im nächsten zeigt das andere Foto das Gesicht der jungen Elena blutüberströmt und entstellt. Bei Elena war kein Alkohol im Spiel, auch nicht überhöhte Geschwindigkeit. Sie ist mit ihrem Cabrio von der Straße abgekommen, gegen einen Baum geprallt und dabei herausgeschleudert. 30 Meter entfernt vom Unfallort fanden die Helfer sie, die Lunge gerissen.

„Tut es Euch nicht an!“

„Wir haben Elena verloren“, sagt der Notarzt und richtet sich an die Jugendlichen: „Das Leben kann ganz schnell vorbei sein, wenn man einen Moment unaufmerksam ist!“ Bei der Rekonstruktion des Unfalls wurde festgestellt, dass die junge Studentin sich wohl einen kurzen Moment lang abgeschnallt hat, um an eine CD heranzukommen. 1 Sekunde, die alles zerstört – die zentrale Aussage der Helfer und auch von Mutter Nadina Melchior: Tut es Euch und Euren Familien nicht an und tut es auch uns nicht an!

In NRW ereignen sich jährlich 550.000 Verkehrsunfälle. Für 600 Menschen enden diese tödlich. Der Anteil von Jugendlichen bei den Verursachern von schweren Unfällen ist überproportional hoch. Um diesen traurigen Zahlen entgegenzuwirken, versucht die Polizei mit „Crash Kurs NRW“ Jugendliche mit drastischen Geschichten und Bildern auf emotionaler Ebene zu erreichen.

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