Christen und Moslems haben vieles gemeinsam

Von: Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
tag_offene_bu1
Dass ihm das Teezeremoniell Freude bereitet, ist Halil Erdogan von der türkischen Gemeinde Schneidmühle deutlich anzusehen.

Stolberg. Breit lächelnd gießt Halil Erdogan das im Samowar erhitzte Wasser in eine silberne Kanne. Er gießt den Tee mehrmals um, um das heiße Getränk schließlich mit einer schwungvollen Handbewegung in zierliche, zylindrische Gläser zu füllen. Es hat etwas Beruhigendes, Erdogan bei der Teezubereitung zuzuschauen.

Viele Male wird Erdogan an diesem Tag Tee zubereiten. Es ist der „Tag der offenen Moschee”. Bundesweit beteiligen sich zirka 1000 muslimische Gemeinden an der Aktion, die 1997 ins Leben gerufen wurde. Auch islamische Gemeinden aus Stolberg öffnen für Nicht-Muslime an diesem Tag ihre Pforten. Dass der Zentralrat der Muslime in Deutschland den Tag der Wiedervereinigung (3. Oktober) für seine Aktion gewählt hat, ist kein Zufall. Mit dem geschichtsträchtigen Datum wollen die muslimischen Bürger symbolisieren, dass sie Teil dieser deutschen Einheit sind.

Ob Türke oder Deutscher - für Osman Ertürk vom „Integrations- und Bildungsverein” der Moschee an der Schneidmühle stellt sich diese Frage nicht. „Ich bin wie Sie - ein Deutscher”, stellt Ertürk, der in Stolberg geboren und aufgewachsen ist, klar. Nur eben mit dem Unterschied, dass er Moslem ist und türkische Traditionen mit in seinen Alltag einfließen.

Auch im Koran und in der Bibel finden sich Gemeinsamkeiten. „Auch im Koran gibt es Eva und Adam, Abraham und auch Mose”, berichtet der 32-Jährige und führt in den Hauptraum der Moschee, wo die Männer ihr Gebet verrichten. Der Raum ist groß, mit blau-weißen Kacheln ausgekleidet und nur spärlich möbliert. In der gleichen Weise sind auch die Gebetsräume der Frauen gehalten. Über eine Videokamera wird das Gebet des Imam in die Frauengemächer übertragen. „Frauen und Männer beten im Islam getrennt, weil jede nur mögliche Ablenkung vermieden werden soll”, begründet Ertürk die Geschlechtertrennung.

Teppichlinien weisen nach Mekka

Der dicke Teppich unter den Füßen - die Schuhe müssen vor dem Betreten der Moschee ausgezogen werden - fühlt sich angenehm an und dämpft die Geräuschkulisse. Der Teppich ist von diagonal verlaufenen Linien durchzogen. Sie sind eine Art Markierung für den Gläubigen, der sein Gebet in Richtung Mekka verrichtet, sagt Erdogan.

Der 32-Jährige ist der Leiter des Kinder- und Jugendbereichs der türkischen Gemeinde. Als Schatzmeister ist er zudem für die Finanzen mitverantwortlich. „Wir haben 120 Mitglieder plus Familienangehörige”, bilanziert Ertürk. Die Moschee an der Schneidmühle ist indes nicht nur Ort des gemeinsamen Gebetes, sondern sie ist sozialer Treffpunkt der türkischen Gemeinde. „Wir bieten die ganze Woche über Hausaufgabenhilfe an. Die Jungen kommen am Wochenende, während die Mädchen auch in der Woche betreut werden”, erzählt Erdogan.

Was das Thema „Integration” anbetrifft, fällt Ertürks Fazit positiv aus. „Wir sind akzeptiert, es gibt keine Probleme.” Der einzige Punkt, wo es manchmal zu Beschwerden komme, sei, „wenn unsere Kinder beim Spielen im Gemeindezentrum über die Strenge schlagen und zu laut sind. Aber das ist kein echtes Problem, das kriegen wir in den Griff”, ist Erdogan zuversichtlich.

In unmittelbaren Nähe der Moschee lebt Bärbel Paunov. „In dem Haus, indem ich wohne, sind auch Moslems Mieter. Mit denen verstehe ich mich total prima. Meine Nachbarn gehören zwar nicht zu dieser Gemeinde, aber durch die Bekanntschaft war ich neugierig geworden zu sehen, wie es im Inneren einer Moschee aussieht”, erklärt die 59-Jährige. Auch ihren Begleiter treibt die Neugierde hierher. „Ich bin in der DDR aufgewachsen, da hatte man mit Religion nichts am Hut, und das ist bis heute bei mir auch so geblieben. Trotzdem finde ich es das Thema spannend, zumal mir die Menschen gefallen, weil die noch einen Sinn für Nachbarschaftshilfe haben”, sagt der Mann und nascht von einer türkischen Süßigkeit.

Der vielgepriesenen türkischen Gastfreundschaft macht die Gemeinde an der Schneidmühle alle Ehre, Essen und Getränke sind frei. Kaum dass man sich zum Sitzen niederlässt, kommt schon jemand mit einem Glas Tee vorbei, den Halil Erdogan mit breiten Lächeln im Gesicht zubereitet hat.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert