Stolberg - „Chorios“ lassen vergangene Zeiten wieder lebendig werden

„Chorios“ lassen vergangene Zeiten wieder lebendig werden

Von: Marie-Luise Otten
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Mit geballtem Elan sang „Chorios“ im Kulturzentrum Frankental den alten Hit „Pack die Badehose ein!“ Schwimmreifen und Sommerhüte unterstrichen die heißen Sommertage. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Es ist später Nachmittag im Kulturzentrum Frankental. Gregor Josephs nimmt am Flügel Platz und wartet auf seine „Chorios“-Sängerinnen. Auf dem Instrument spielt er schon mal leise den Titelsong von „Rosemary‘s Baby“. Nach und nach betreten die zehn Damen singend die Bühne. Sprecherin Gitta Ott übernimmt die Moderation und stellt das Programm kurz vor.

Unter dem Motto „Die Seligkeiten vergangener Zeiten“ haben sie in diesem Jahr Evergreens und Gassenhauer aus alter Zeit vorbereitet, dazu passend das Bühnenbild hergerichtet. Alles wird auswendig gesungen. Vor jeder Sängerin steht ein Koffer mit Requisiten, die je nach Lied benutzt werden.

Mit einem Marlene-Dietrich-Block geht‘s los, beginnend mit dem Anti-Kriegssong „Sag mir, wo die Blumen sind“ von 1955. Der amerikanische Komponist Pete Seeger befand sich in einem Flugzeug unterwegs nach Ohio, als er auf ein ukrainisches Volkslied stieß, das ihn zu diesem Song inspirierte.

Kerze zum Soldatenlied

Für das Soldatenlied „Lili Marleen“ wird am Bühnenrand die Kerze in einer Laterne angezündet. Bei „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ und „Ich bin die fesche Lola“ dürfen die Zuhörer mitsingen.

Gitta Ott berichtet im zweiten Block, dass der 9. Februar der Tag der Ehe sei und daher der Blickwinkel jetzt auf die Liebe falle. Während man die Frau mit „zwei roten Rosen und einem zarten Kuss“ beglücken kann, wie es Walter Kollo einst schrieb, dichtet der Chorios-Chor eine weitere Strophe für den Mann dazu. Bei ihm geht die Liebe durch den Magen, und es reichen zur abendlichen Sportschau ein Fläschchen Bier und Chips.

Leiter Gregor Josephs, der phänomenal begleitet, zeigt sich im mondänen Hotel in Hernals als Wiener Liebhaber und im „indischen Sommer“ als Chansonnier Joe Dassin. Nach „Pigalle“, der großen Mausefalle in Paris, tritt der Chor mit dem eingangs gewählten Titelsong des amerikanischen Horrorfilms von Regisseur Roman Polanski aus dem Jahr 1968, für den der polnische Jazzpianist und Komponist Krzystof Komeda die Musik schrieb, ab. Die Pause nutzen die Damen für Umbauarbeiten.

Wie es auf der Chorprobe zugeht, zeigt Josephs dem Publikum mit dem „Spiel“ von Annett Louisan. Kabarett gibt es mit dem „Triangel“ von Georg Kreisler. Hier präsentiert der Gressenicher Chorleiter und Sänger sehr eindrucksvoll und witzig den beruflichen Werdegang eines Triangelspielers. Einen weiteren Glanzpunkt setzt er mit Max Raabes „Mein Bruder macht im Tonfilm die Geräusche“.

Der letzte Block gehört den 50er Jahren. 1951 komponierte Gerhard Froboess den Ohrwurm „Pack‘ die Badehose ein“, das seine Tochter Cornelia achtjährig trällerte und damit Berühmtheit erlangte. Höchst vergnüglich singt Chorios mit Unterstützung des Publikums diesen alten Schlager.

„Nostalgie ist die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, in der man nichts zu lachen hatte“, soll der französische Chansonsänger, Schauspieler und Komponist Charles Aznavour gesagt haben. Diesem Zitat will sich jedoch keiner so recht anschließen an diesem Nachmittag, und so genießt man einfach „Les deux guitares“ in deutscher Version. Mit der Ballade „Puppchen, du bist mein Augenstern“ erinnert Chorios noch einmal an 100 Jahre alte Musik.

Als kleine Zugabe zum Träumen, Schwärmen und Glücklichsein wiederholen die Akteure das altwiener Lied vom „kleinen Café in Hernals“, wo noch das Grammophon spielt und zwei Mocca genügen, um ein paar Stunden glücklich zu sein.

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