Stolberg - Chefarzt verlässt das Bethlehem

Chefarzt verlässt das Bethlehem

Von: Jürgen Lange und Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
6540005.jpg
Bethlehem Gesundheitszentrum in Schieflage: Chefarzt Bläsius muss gehen, und Personal soll sozialverträglich abgebaut werden. Foto: J. Lange
6539548.jpg
Unerwartetes Aus: Prof. Dr. med. Klaus Bläsius ist nicht mehr Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Stolberger Bethlehem Gesundheitszentrum.

Stolberg. „Entwicklung ist stets ein Prozess der Veränderung ... für Sie und für uns“ heißt es auf der Internetseite des Gesundheitszentrums unter der Überschrift „Arbeiten im Bethlehem“ weiter: „Wir unterstützen Veränderung, sind offen für Neues und treffen wichtige Entscheidungen gemeinsam.“

Das geschieht in der neuen Ära der 150-jährigen Geschichte des christlichen Hauses in einem Tempo, mit dem die Korrektur der Informationen für die „Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie“ auf der Internetseite des Hauses nicht mithalten kann, während die Nachricht längst ihre Kreise durch die Kupferstadt zieht.

Überraschende Mitteilung

Auf www.bethlehem.de wird weiterhin Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Klaus Bläsius als Chefarzt benannt, der aber seit Anfang der Woche dem „Prozess der Veränderung“ geopfert wurde. Nach einem kurzen Gespräch bei der neuen Geschäftsführung – zum 1. April haben Bernd Koch und Gábor Szük von „Caritas Trägergesellschaft West gGmbH“ (CTW) mit Sitz in Düren sie übernommen, als der langjährige Chefazrt erwaltungsleiter Thomas Schellhoff aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand treten musste – war Klaus Bläsius nach über 20-jährigem Engagement im „Stolberger Spital“ nicht mehr Chefarzt.

„Wir haben uns von Herrn Bläsius getrennt“, bestätigt Klinik-Geschäftsführer Gábor Szük auf Anfrage. Zu Gründen für die Freistellung des Chefarztes wollte sich Szük nicht äußern. Er bescheinigt Bläsius zwar ein „persönlich untadeliges Verhalten; klar sei jedoch, dass die Orthopädie-Abteilung die wirtschaftlichen Vorgaben der Geschäftsführung nicht habe erfüllen können. „Es geht jetzt um die Zukunft dieser Abteilung“, so Szük weiter. Als sicher gilt auch, dass sich nun die Juristen mit dem überraschenden Ende der Ära des engagierten Chefarztes befassen werden. „Ich möchte aus verständlichen Gründen jetzt dazu keine Stellungnahme abgeben“, sagt auf Anfrage am Donnerstag ein hörbar betroffener Prof. Dr. Dr. Klaus Bläsius.

Deutlicher wird da Szük: „Die Belegung der Abteilung ist zuletzt zurück gegangen“, betont der Jurist. Um die Abteilung wirtschaftlich führen zu können, seien mindestens 500 Bettenbelegungen pro Jahr zusätzlich nötig. Dabei weist das „Bethlehem“ im Internet für diese Klinik alleine für Hüftend- 300 und für Knieend-Prothetik 350 Fälle im Jahr aus. Die Orthopädie habe in den vergangenen Monaten auch einige Oberärzte verloren, so Szük.

„Wir müssen das Team den heutigen Gegebenheiten anpassen“, sagt der Geschäftsführer vorsichtig zum „Prozess der Veränderung“, in dem sich das „Bethlehem“ offensichtlich befindet. Was wohl soviel heißen soll, dass man auf einen künftigen Leiter setzt, der neuen Schwung in das Haus bringen soll. Ob man den neuen Chefarzt per Anzeige in den einschlägigen Blättern oder per Headhunter suchen wird, lässt Szük noch offen.

Bis zur Einstellung eines neuen Chefs werden die beiden Oberärzte Dr. Ralf Münker (Orthopädie) und Dr. Arif Mirza (Unfallchirurgie) die Abteilungen kommissarisch leiten. Der Leitende Oberarzt Dr. Issam Karkour (Chirurgie/Unfallchirurgie) hat in der vergangenen Woche seinen Ruhestand angetreten.

Volumen steht noch nicht fest

Dass das Bethlehem-Krankenhaus in roten Zahlen steckt, ist allseits bekannt. Wie hoch das Minus ist, will Szük am Donnerstag lieber nicht mitteilen. „Als ich den Vorsitz des Aufsichtsrates übernahm, habe ich prophezeit, dass in zehn Jahren nur noch wenige Häuser solitär überleben können“, erinnerte sich Hans Mülders bei der Übergabe der Geschäftsführung in diesem April an seine eigene Einführung im Frühjahr 2007: „Es wird dramatische Veränderungen in der Krankenhauslandschaft geben“.

Und vor einem „Prozess der Veränderungen“ steht offensichtlich auch die Belegschaft am Steinfeld. Derzeit sind im Stolberger Krankenhaus noch 536 Mitarbeiter beschäftigt. Ohne einen Personalabbau werde das Haus kaum wirtschaftlich geführt werden können, bestätigt Szük.

Um wie viele Mitarbeiter das Personal reduziert werden müsse, könne derzeit noch nicht gesagt werden, erläutert der Geschäftsführer. Die Analyse der einzelnen Abteilungen sei noch nicht abgeschlossen. Nur so viel sei klar: „Es wird keine Entlassungen geben.“ Szük schließt es für die Zukunft aber nicht mehr aus, dass frei werdende Stellen nicht wieder besetzt werden.

Zahlen zum Personalabbau will auch der Aufsichtsratsvorsitzende weder bestätigen noch dementieren: „Darüber ist im Aufsichtsrat nicht gesprochen worden“, sagt Hans Mülders und verweist auf die Geschäftsführung. Die Mitarbeitervertretung des Gesundheitszentrums war Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der „Prozess der Veränderung“ im Bethlehem ist im vollen Gang.

Leserkommentare

Leserkommentare (7)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert