CAE Elektronik: Awacs erhält moderne Simulatoren

Von: Jürgen Lange
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Treffen der Generationen beim CAE-Familienfest in der Steinfurt (v.l.): Personalleiter Thies Sander, der ehemalige Geschäftsführer Dieter Wolf, der neue Geschäftsführer in Stolberg, Marc-Olivier Sabourin, sowie der ehemalige Prokurist Ernst Dobbelstein. Foto: J. Lange
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Die Simulatoren für die Awacs-Maschinen in Geilenkirchen werden durch die CAE bis 2018 auf digitale Technik umgerüstet. Foto: CAE

Stolberg. Andere Welten: Alle drei Jahre lädt die Stolberger CAE Elektronik GmbH zum Familienfest auf das Firmengelände in der Steinfurt. 2011 folgte wenige Tage nach der Feier zum 50-jährigen Bestehen eine Schreckensnachricht.

Von den damals insgesamt 540 Mitarbeitern, davon 440 in der Kupferstadt, verliert jeder Dritte seinen Arbeitsplatz. Drei Jahre später beschäftigt die deutsche Tochter des kanadischen Rüstungs- und Medizintechnikkonzerns 368 Mitarbeiter, davon rund 250 in Stolberg. „Und wir stellen wieder neue Mitarbeiter ein“, sagt Personalchef Thies Sander am Rande des Familienfestes am Samstag. „Es geht wieder bergauf.“

Die Restrukturierung des Standortes Stolberg, von dem CAE aus den europäischen, osteuropäischen und afrikanischen Raum betreut, hat offensichtlich die Erwartungen der Konzernzentrale in Montreal erfüllt. Rund zwölf Millionen Euro ließen sich die Kanadier den Personalabbau kosten. Hintergrund waren ausbleibende Entwicklungsaufträge aufgrund der Umstrukturierung der Bundeswehr und weiteren Streitkräften aufgrund finanzieller Engpässe.

Dies traf die CAE Deutschland in ihrem Kerngeschäft. Vor zwei Jahren musste im Rahmen des Umbaus auch Geschäftsführer Ulrich Aderhold seinen Hut nehmen. Die GmbH wird seitdem aus dem englischen Burghess Hill von Ian Bell als regional verantwortlichem Vizepräsidenten geführt. Mittlerweile ist Marc-Olivier Sabourin als weiterer Geschäftsführer in Stolberg bestellt.

Der 42-jährige Wirtschaftsingenieur stammt aus Quebec, wohnt in Aachen, ist seit 1996 bei CAE angestellt und operiert seit sieben Jahren von Stolberg aus. „Ich bin sehr häufig unterwegs“, sagt Sabourin. Zur Akquise von Kunden. Denn die CAE konzentriert ihre Aktivitäten von der Entwicklungstätigkeit weg verstärkt auf den Dienstleistungsbereich.

Die Truppen beschaffen weniger Gerät über einen längeren Zeitraum. Sabourin will das Militär überzeugen, die Schulung von Soldaten auszugliedern: Die CAE leistet dann den kompletten Service und die Betreuung der Truppe mit ihren Simulatoren und Simulationsprogrammen. So wie in der Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg in Kooperation mit der Bundeswehr das Training am Helikopter NH 90 bereits seit längerem erfolgt, werden Trainingsprogramme für weitere – militärische wie zivile – Systeme entwickelt und vermarktet.

Die CAE hat den Zuschlag für schlüsselfertige Übungslösungen für das neue italienische Strahl-Trainingsflugzeug Alenia Aermacchi M-346, erst seit 2010 in der Serienproduktion, erhalten. Dazu wird auf dem französischen Militärflugplatz Cazaux nahe Bordeaux das Simulationszentrum ausgebaut, um Piloten der Singapur Air Force schulen zu können.

Beim Airbus A 320 ist CAE im Geschäft. Und auf der britischen Farnborough Airshow im Juli gab das Unternehmen bekannt, den Zuschlag für die grundlegende Modernisierung der Simulatoren für die E-3-Awacs-Flugzeuge von der Nato erhalten zu haben, die in Geilenkirchen stationiert sind. Bis 2018 soll der Auftrag abgewickelt sein; 1982 hatte die CAE die ersten Simulatoren für die Awacs-Basis geliefert. Im Laufe von gut 30 Jahren erfolgten weitaus mehr als 100 Modifikationen an dem System.

Jetzt sollen die Cockpits der betagten Boing-707-Flugzeuge von analoger auf digitale Technik umgerüstet werden. Entsprechend muss eine Schulung der Piloten erfolgen. „Die Simulatoren bieten ein sicheres und kostengünstiges Training für die Soldaten aus 16 Nationen des Nato-Verbandes“, so Ian Bell in Farnborough. Zwei Systeme hält die CAE in Teveren vor: einen Full Flight Simulator, der das Cockpit komplett abbildet, und eine abspeckte Flugtrainings-Einheit.

„Dennoch hat der Auftrag eine signifikante Bedeutung für die CAE“, verrät Thies Sander. Offensiv in der Vermarktung, so Sabourin, befindet sich mittlerweile auch die Plattform „Security2people“. Sie ist ein multifunktionales Krisenmanagement-System.

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, hatte 2009 persönlich den Bewilligungsbescheid über eine 50-prozentige Förderung des Forschungsvorhabens in die Steinfurt gebracht, das die CAE federführend mit einem Verbund aus Wissenschaft und Industrie leitete: eine computergestützte Simulation und Einsatzhilfe für den Katastrophenfall.

Behörden für Katastrophenschutz aus Deutschland und der Schweiz, THW, DRK und MHD waren in die auf 2,9 Millionen Euro bezifferte Entwicklung eingebunden, für die nun vielseitiges Interesse in Europa besteht.

Nicht minder interessant ist „Caesar“ – ein Simulator für medizinische Anwendungen. An der lebensechten Puppe können Erste-Hilfe- und Trauma-Behandlungen nach Verletzungen bei Unfällen und Kriegseinsätzen simuliert werden. Jüngst simulierte CAE mit Sanitätspersonal eine doppelte Einsatzlage mit zwei Systemen: Den Einflug des Rettungspersonals mit dem Hubschrauber NH 80, und so dann die Behandlung der Verwundeten mit „Caesar“. Das Interesse an der Simulation wachse stetig, betont Sander. Für die nächsten eineinhalb Jahre sei die Auftragslage des Stolberger Unternehmens bereits ausgezeichnet.

Gut ein Dutzend Stellen für Ingenieure sind ebenso ausgeschrieben wie Ausbildungsstellen im kaufmännischen und technischen Bereich. Es geht wieder aufwärts in der Steinfurt. Und so war die Stimmung beim Fest für Familien und Ehemalige mit kulinarischen Genüssen, Bogenschießen, Turmklettern und anderen Spielen für den jungen Nachwuchs sowie flottem Live-Sound mit „Heartrock“ bis in den Abend hinein ausgezeichnet.

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