Bunte Kuh öffnet Augen für die Realität

Von: Lukas Franzen
Letzte Aktualisierung:
prandi-bu
Weist mit mehrschichtigen Installationen auf individuelle Erfahrungen und Vorurteile der Menschen hin: Künstlerin Giovanna Prandi zeigt ihre Reihe „DiversiKuh” und andere Arbeiten aus der Serie „Doppio” im Europäischen Kunsthof in Vicht. Foto: L. Franzen

Stolberg-Vicht. „Die Realität ist grau”, sagt Giovanna Prandi. „Erst durch unsere Kultur, Erziehung, unsere individuellen Erfahrungen und Vorurteile nimmt jeder Mensch die Realität filtriert wahr, und eine Geschichte wird erst durch Farbe lebendig”.

Seit Samstag können sich die Besucher des Europäischen Kunsthofs in Vicht ihr eigenes Bild von den Werken der italienischen Künstlerin machen. „DiversifiKuh”, so der Name ihrer aktuellen Ausstellung, und andere Werke ihrer letzten Serie „Doppio”, zeigen mehrschichtige Installationen, die an die PopArt Andy Warhols erinnern, wie die Künstlerin selbst sagt.

Bei „DiversifiKuh” ist wie der Name bereits erahnen lässt, die Kuh das zentrale Medium ihrer Arbeiten. Sie ist Grundlage der ersten Ebene ihrer Werke, die aus unendlichen Kreisbewegungen mit dem Bleistift entstanden ist.

Motiv individuell koloriert

Bei allen Kunstwerken ist das Kuhmotiv identisch, erst durch die zweite darüber liegende Ebene auf Basis von kolorierten Plexiglasscheiben erhält jedes Bild seinen individuellen Charakter. Während die eine Scheibe ganz in gelb koloriert ist, sind andere Ebenen nur partiell in den verschiedensten Farben - beispielsweise Rot, Grün oder Lila - bearbeitet. „Durch diese Ebene sieht, erahnt oder nimmt man die darunter liegende Zeichnung wahr, je nachdem wie intensiv das Plexiglas bearbeitet wurde”, erklärt Giovanna Prandi. „Jedes Bild transportiert dabei andere Gefühle oder erinnert an eine andere Zeit.”

Und so unterschiedlich wie die Assoziationen ihrer Bilder, die eigentlich immer das selbe Motiv einer Kuh zeigen und erst durch die eingebauten Filter einen individuellen Charakter erhalten, so seien auch unsere Wahrnehmung der eigentlich „grauen Realität” erst durch jene Filter wie Kultur, Erziehung und unsere Vorurteile individuell gefärbt. „Im ersten Moment sehen wir die Realität wie sie ist. Im Moment danach beurteilen und färben wir sie und geben ihr den Rahmen mit unseren kulturellen Vorurteilen”, sagt die Malerin.

Seit dem Jahre 2000 arbeitet Giovanna Prandi mit dieser Technik, bestehend aus Segmenten, Grafiken, Installationen und Zeichnungen. Die Italienerin studierte an der Kunstakademie in Florenz. Seit 1989 arbeitet die freischaffende Künstlerin in Deutschland. In Düsseldorf ist sie seit 1995 beheimatet und hat seitdem ihre Werke bei zahlreiche Ausstellungen in Deutschland, aber auch in Paris oder ihrer Heimat Italien präsentieren können.

„Lassen Sie sich „diversiviKuhen”. Nehmen Sie sich Zeit und bleiben Sie Ihrer individuellen Sichtweise treu”, rät die Künstlerin und hofft dabei auf zahlreiche Besucher ihrer sehenswerten Ausstellung in Vicht. Betrachter haben die Möglichkeit, sich bei der einen oder anderen Interpretation Prandi´s wieder zu finden und/oder die mögliche Sichtweise anderer neugierig aufzunehmen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert