Bunte Bekundung gegen die braune Gesinnung

Von: Mischa Wyboris
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Flagge zeigen: Schüler animieren Passanten zur Mitgestaltung der Solidaritätsbanner gegen den Neonazi-Aufmarsch am 9. April. Foto: M. Wyboris

Stolberg. Auch wenn die Schüler auf dem Kaiserplatz für ihre Aktion kaum ein paar Schritte gehen müssen: Sie haben noch einen weiten Weg vor sich. Über 1000 Meter soll sich das Solidaritätsbanner erstrecken, für dessen Einzelteile sie Unterschriften und kreative Pinselstriche von Passanten auf dem Wochenmarkt gewinnen wollen.

Mit der bunten Bekundung gegen braune Gesinnung soll den Neonazis am 9. April der geplante Aufmarsch in der Kupferstadt erschwert werden. Bis dahin sind die Stolberger Bürger aufgerufen, in Schulen, zu Hause und in Vereinen an dem Projekt mitzuwirken.

Tanja Leyendecker hat ihren Namen bereits auf ein Transparent der Schüler gebannt. „Aktionen gegen Rechts sind gerade in Stolberg ein wichtiges Thema”, sagt die 33 Jahre alte Mutter von vier Kindern, die, so sagt sie, nicht in einer Stadt aufwachsen sollen, die Rechtsradikalismus Raum gibt.

„Ich habe die Reichskristallnacht miterlebt”, erzählt ein weiterer Passant mit bewegter Stimme. „Wir konnten früher nicht unsere Meinung sagen. Deshalb ist es gut, dass vor allem Jugendliche hier stehen.”

Die kommen vom Goethe-Gymnasium sowie von der Hauptschule Kogelshäuserstraße und opfern bereitwillig eine Freistunde oder sind von ihren Lehrern vom Unterricht befreit worden. „Es ist wichtig, sich politisch zu engagieren und herauszufinden, wo man eigentlich steht”, erklärt der 15-jährige Goethe-Gymnasiast Kilian Bongard. „Wir wollen am 9. April zeigen, dass es mehr Menschen gibt, die für Toleranz kämpfen als dagegen.”

Ganz so leicht ist es für die Schüler dann aber doch nicht, die Fußgänger für die vom Stolberger Bündnis getragene Aktion zu gewinnen. „Manche haben Angst, ihren Namen zu hinterlassen, andere denken, wir wollen ihnen was aufquatschen”, vermutet die 15-jährige Laura Siemons vom Goethe-Gymnasium.

Wer die zahlreichen Schüler-Transparente nicht mitgestalten wollte, kann bis zum geplanten Aufmarsch der Neonazis noch etwas zum Riesenbanner beitragen, das von der Jugendwerkstatt demnächst zu einem Kilometer-Mahnmal zusammengenäht werden soll. Einzige Voraussetzung für den bunten Bürger-Beitrag: 1,20 Meter hoch soll ein Einzelbanner sein, das Familien und Firmen, Kindergärten und Schulen, Jugendgruppen und Privatleute zum ambitionierten Projekt gegen Rechts beisteuern können.

Dass allerdings nicht nur Transparente, sondern auch die Wahrnehmungen bunt gemischt sein können, haben die Schüler während ihrer Aktion im Schatten des Rathauses erfahren. „Ich lebe seit 50 Jahren hier”, sagt ein Stolberger Bürger in gebrochenem Deutsch, „aber von Rechtsextremen habe ich noch nie etwas mitbekommen.”
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