Nachts im Museum Freisteller

Bürgermeister-Büro ein Museum

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Auch wenn in der Kriegszeit einige Sachen zerstört wurden oder verloren gingen, ist die Sammlung, die Alice Hueck-Schleicher 1940 der Stadt per Testament zur Verfügung stellte, nach wie vor umfangreich.

Wunsch der einst in Düsseldorf ansässigen Stifterin war es allerdings, dass das aus Möbel, Porzellan, Gemälde, Bücher, Schmuck und Uhren bestehende Sortiment, der Öffentlichkeit in Form eines Heimatzimmers zugänglich gemacht wird. Dazu ist es aber nicht gekommen.

Denn die Raumfrage konnte in der Vergangenheit nicht gelöst sprechender Räumlichkeiten verschwanden die Sammlerstücke in städtische Tresore, werteten die ansonsten bescheidene Möbelierung einiger Amtszimmer auf oder fristeten ein unbeachtetes, kümmerliches Dasein in verstaubten Kellerräumen.

Aus dem Keller geholt

„Schon während meiner Verwaltungslehre in den 70er Jahren sind mir die wertvollen Stiftersachen aufgefallen”, sagt Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, dem es später gelang, die noch vorhandenen Stücke wieder zusammen zu führen und wenn erforderlich, restaurieren zu lassen.

Um dem Testament der Stifterin mit einer Verspätung von rund 70 Jahren wenigstens annährend gerecht zu werden, präsentiert Gatzweiler jetzt den überwiegenden Teil des noch vorhandenen Sortiments in Form einer Ausstellung in seinem im Rathaus gelegenen Büro.

Eine Ausstellung, die daraus nicht nur Museumscharakter hat, sondern ihren Gebrauchswert des öfteren schon unter Beweis stellte. „So ist das Sofa im Empirestil zu einem bevorzugten Sitzplatz für Brautpaare beim Vorgespräch geworden”, versichert Gatzweiler, der den aus der Sammlung Hueck-Schleicher stammenden Schmuck in einem Biedermeierschrank aufbewahrt, der ebenfalls einst der in Düsseldorf lebenden Stifterin gehörte.

Neben Schmuck, Möbel und einer alten Vase bewahrt Gatzweiler, der nun das Büro kurzerhand zum Heimatzimmer erklärt hat, auch einige seltene Uhren auf. Ein Heimatzimmer, das nicht nur im Rahmen eines Bürgergesprächs besichtigt werden kann, sondern auch außerhalb der Amtsgeschäfte präsentiert werden soll.

„Die Hueck-Schleicher-Sachen zu besichtigen ist kein Problem. Anruf genügt. Bei Bedarf erzähle ich gerne auch die dazu gehörende Geschichte”, garantiert der Bürgermeister, der sich freut, die Sammlerstücke, die aus der Vergangenheit der Kupfermeisterfamilie Schleicher und ihrer Verwandten stammen, endlich in einem ansprechenden Rahmen zeigen zu können. Allerdings wird das Hueck-Schleicher-Sortiment, das 1940 in den Besitz der Stadt gelangte, derzeit nur zu 80 Prozent im Bürgermeisterzimmer präsentiert.

Immer zu besichtigen

Schon 1959 wurden dem damals in Viersen ansässigen Leonhard Schleicher vier Bilder als Leihgabe übergeben. Des weiteren wurden zwei Bilder - sie zeigen Porträts des Ehepaares Michels, das im 18. Jahrhundert im Kupferhof Grünenthal ansässig war - im Jahre 2000 Michael Wirtz zur Aufbewahrung überreicht.

Außerdem wurde auch das Obergeschoss der Villa Lynen zum Präsentationsort der „Alice-Hueck-Schleicher-Stiftung”. Denn dort hängen vier die Industriellenfamilie Clermont zeigende Gemälde. Verloren oder für die Öffentlichkeit unzugänglich sind diese Gegenstände jedoch nicht.

„Denn sowohl die Gemälde in der Villa Lynen wie die in privater Aufbewahrung übergegangenen Bilder können jederzeit nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden” sagt Bürgermeister Gatzweiler.
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