Bürger setzen bunte Zeichen gegen Rechts

Von: Sarah Sillius
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Friedlicher Protest: Auch in d
Friedlicher Protest: Auch in diesem Jahr wollen die Stolberger Bürger wieder ein Zeichen gegen Rechts setzen, wenn sie gegen die Neonazis auf die Straße gehen. Im vergangenen Jahr ließen sie als Symbol für Toleranz Luftballons in den Himmel steigen. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Jetzt ist es offiziell: Die Neonazis haben sich auch in diesem Jahr für zwei Tage in Stolberg angekündigt. Die Versammlungsbehörde des Polizeipräsidiums bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass sich die rechte Szene für Mittwoch, 4. April, und für Samstag, 7. April, in der Kupferstadt angemeldet hat.

Als wäre es damit nicht genug, werden die Rechtsextremen am 31. März auch in der Nachbarstadt Eschweiler aufmarschieren.

Wann und wo die Veranstaltung in Stolberg genau stattfindet, sei noch nicht geklärt, erklärt Polizeisprecher Paul Kemen auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Planung nimmt jetzt aber langsam Fahrt auf.” In den nächsten Wochen stehen Kooperationsgespräche mit den Anmeldern an. Nach Informationen unserer Zeitung sind die Anmelder wie im vergangenen Jahr die in der rechten Szene einschlägig bekannten Ingo Haller aus Düren und Axel Reitz aus Köln.

Marsch oder Kundgebung?

Unklar ist noch, um welche Veranstaltung es sich am Mittwoch, 4. April, handeln wird. Möglich ist, dass es „nur” zu einer Kundgebung auf der Birkengangstraße kommt. Möglich ist aber auch, dass an diesem Tag der „Fackelmarsch” der Nazis oder ihr sogenannter „Trauermarsch” stattfindet.

Noch immer missbrauchen die Rechtsradikalen den gewaltsamen Tod eines jungen Erwachsenen aus Eschweiler als Propaganda für diese Veranstaltung, die mittlerweile schon traurige Tradition in Stolberg hat.

Während die Polizei die Termine bekannt gibt, nehmen die Bündnisse ihre Arbeit auf. Auch in diesem Jahr wird den Rechtsextremen eine Protestwelle entgegenschlagen. Die Stolberger Bürger wollen erneut mit friedlichen Mitteln beweisen, dass ihre Stadt vielfältig und bunt ist - und keinen Platz für Rassismus hat.

Federführend wird hierbei wieder das „Bündnis gegen Radikalismus” sein, das mit der Stadt Stolberg an einem Strang zieht. Das „Bündnis gegen Radikalismus” hat bei der Polizei bereits eine Gegenveranstaltung für den 7. April angemeldet. Über das genaue Aktionsprogramm wollen die Mitglieder in den nächsten Tagen beraten. „Fest steht: Es wird eine Gegenveranstaltung eben”, kündigt Bündnis-Sprecherin Beatrix Oprée an. „Und wir werden in der ganzen Stadt präsent sein.”

Dem „Bündnis gegen Radikalismus” geht es um einen friedlichen Protest. „Alles, was gewaltfrei ist, ist gut”, lautet die Devise. Eine radikalere Herangehensweise favorisiert hingegen das im Jahr 2010 gegründete „Bündnis gegen den Naziaufmarsch 2012”, auch „Blockadebündnis” genannt. Schon seit einigen Wochen sind die Akteure auf sämtlichen Veranstaltungen in der Städteregion präsent. Vor allem auf Konzerten machen sie an Info-Ständen auf die geplante Blockade aufmerksam und sammeln Verbündete.

Aufmarsch verhindern

Im vergangenen Jahr mobilisierte das landesweite Bündnis etwa 1000 Menschen, in diesem Jahr gehen die Aktivisten von einer noch größeren Gruppe aus. Das Ziel des Bündnisses: 2012 soll der Nazi-Aufmarsch endgültig verhindert werden. „Wir rufen dazu auf, dass möglichst viele Menschen die Strecke blockieren”, sagt Bündnis-Sprecher Jens Wegener.

So wollen die Bündnismitglieder sicherstellen, dass die Nazis die Stadt erst gar nicht betreten. Ist dem Blockade-Bündnis dazu jedes Mittel recht? „Von uns geht keine Eskalation aus”, sagt Wegener in Bezug auf die Steinwürfe während der Demo 2011. Klar distanziert sich das Bündnis von den Vorfällen nicht, es fühlt sich vielmehr missverstanden.

„Aus unserer Sicht war das keine massive Gewaltausübung, so wie sie später dargestellt wurde”, sagt Wegener, der betont, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholen soll. „Unsere Blockaden nennen wir bewusst Menschenblockaden, Steinwürfe und brennende Mülltonnen sollen nicht dazu gehören.”

Verwirrung hatte es im Vorfeld über die Termine für die rechten Aufmärsche gegeben. Normalerweise ziehen die Rechtsextremen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen durch die Stadt, 2011 hatten sie Freitag, den 8. April, und Samstag, den 9. April, ausgewählt. Diesmal fällt der Freitag jedoch auf den Karfreitag. Rechtlich lässt sich ein Nazi-Aufmarsch an diesem Tag schwer legitimieren. So erklären sich Polizei und Bündnis-Sprecher die Terminwahl 4. April.

Erleichtert über einen nazifreien Karfreitag sind die Organisatoren des ökumenischen Kreuzzugs. „Dann können wir ja diesmal durch die Innenstadt gehen”, freut sich Pfarrer Hans-Rolf Funken. In den Vorjahren war es zur Terminkollision zwischen Neonazi-Aufmarsch und Kreuzzug gekommen. „Das ist ein Erfolg für die Kirche, dass sie durch die Nazis nicht gestört wird”, sagt auch Bürgermeister Ferdi Gatzweiler. Der Kreuzweg wird an der Vogelsangkirche starten und von dort aus durch die Innenstadt zur Kirche St. Maria Himmelfahrt gehen.

Auch die Ditib-Gemeinde Stolberg will sich dem Kreuzweg wieder anschließen. „Vorher planen wir ein Freitagsgebet auf dem Jordansplatz”, erzählt Turgay Sacu, Vorsitzender der Ditib-Gemeinde. Ebenso dem friedlichen Protest am 7. April wollen sich die Moslems anschließen.

Hoffnung beruht auf Bürgern

Für die Mitglieder des „Bündnisses gegen den Naziaufmarsch 2012”, die nur zum geringeren Teil aus Stolberg stammen, ergibt sich für den Mittwochtermin am 4. April ein „Mobilisierungsproblem”. Für sie könnte es schwierig werden, eine Blockade an einem Abend mitten in der Woche zu organisieren. Wegener: „Wir setzen aber auf die Stolberger Bürger, dass sie an diesem Tag ein Zeichen gegen Rechts setzen.”

Am liebsten wäre es allen Beteiligten, egal welchem Bündnis oder welcher Kirche sie angehören, wenn der braune Spuk die Stadt Stolberg nicht nur am Karfreitag, sondern auch an jedem anderen Tag im Jahr verschonen würde.
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