Bürger aus Vicht wollen neues Dorfzentrum einrichten

Von: Dirk Müller
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Jochen Emonds, Arndt Kohn, Karl Lüttecke, Günter Flamm und Hans Graff (v.l.) setzen sich für ein Dorfzentrum zur Nahversorgung und als kommunikativen Treffpunkt in Vicht ein. Foto: D. Müller

Stolberg-Vicht. Zwar sei noch kein Vichter verhungert, seit 2008 der letzte Dorfladen im Ort geschlossen wurde, aber „es ist damit definitiv Lebensqualität verloren gegangen“, sagt Günter Flamm. Der stellvertretende Vorsitzende der LAG (lokale Aktionsgruppe von LEADER) Eifel verweist besonders auf nicht mobile, meist ältere Bürger, denen die Nahversorgung in Vicht fehlt.

„Wenn wir den demografischen Wandel berücksichtigen, ist davon auszugehen, dass immer mehr Menschen vor Ort von der nicht vorhandenen Einkaufsmöglichkeit betroffen sein werden“, ergänzt Karl Lüttecke von der Interessengemeinschaft (IG) Schönes Vicht.

Soziale Komponente

Ein Geschäft, das die Waren des täglichen Bedarfs anbiete, sei zudem mehr als nur die Sicherung der Nahversorgung, meint Jochen Emonds (CDU): „In so einem Laden trifft man sich und kommt ins Gespräch.“ Und Arndt Kohn (SPD) stimmt zu: „Ein solches Geschäft ist immer auch ein Dorfzentrum mit sozialer Komponente.“ Gründe genug für die Gruppe initiativ zu werden, zumal in Vicht ein weiteres Ladenlokal künftig wegzubrechen droht: Das Geschäft von Hans Graff vereint an der Eifelstraße Poststelle, Lottoannahme, Zeitschriftenhandel, Friseursalon und mehr – noch, denn Graff ist 73 Jahre alt.

Bestens geeignet

Wenn er sich zur Ruhe setzt, soll keine weitere Lücke im Ort entstehen, sondern im Gegenteil eine geschlossen werden. „Es ist schon länger das Bestreben von Günter Scheepers, dem Geschäftsführer der IG Schönes Vicht, und mir, Nahversorgung in Vicht zu etablieren. Das Ladenlokal von Hans Graff eignet sich unserer Meinung nach sehr gut dazu, ein Dorfzentrum zu werden“, beschreibt Lüttecke. Geplant ist, dass das jetzige Angebot des Graff-Geschäfts bestehen bleibt und durch Waren des täglichen Bedarfs ergänzt wird. „Es könnte auch eine kleine Café-Ecke entstehen, die den kommunikativen Charakter des Dorfzentrums betont“, sagt Emonds.

Geführt werden soll das Geschäft dann künftig nicht von einem Unternehmer als Eigentümer oder Pächter, sondern von den Bürgern des Stadtteils. Um diesen Plan umzusetzen, sind die Vichter breit aufgestellt: Die IG und die großen Parteien ziehen an einem Strang, erhalten zudem externe Unterstützung des Landes-Pilotprojekts „Dorv“ (Dienstleistung ortsnahe Rundum-Versorgung), das auch bei der Einrichtung des neuen Servicepoints im Stolberger Hauptbahnhof involviert ist. „Dorv“ erstellt zunächst eine Basisanalyse, bei der die Einwohnerdaten des Stadtteils, bereits vorhandene Gewerbe und Einrichtungen in Vicht sowie das bisherige Einkaufsverhalten, bestehende Verkehrsanbindungen und die Kaufkraft der Bürger vor Ort beleuchtet werden.

Wenn diese erste Erhebung eine erfolgversprechende Nahversorgungslösung für Vicht aufzeigt, erfolgt eine Bedarfsanalyse. „Damit wird gewährleistet, dass das Angebot des Dorfzentrums auch wirklich auf die Bedürfnisse der Bürger zugeschnitten ist“, erklärt Kohn. Die Kosten für die Analysen werden von der Stadt Stolberg und zum größeren Teil aus dem „Leader“-Budget getragen. „Der Förderschwerpunkt ,Leader‘ der Europäischen Union unterstützt mit einer Nahversorgungsinitiative motivierte Dorfgemeinschaften, die selbst das Heft in die Hand nehmen, um ihre Nahversorgung zu erhalten oder zu reaktivieren“, erläutert Flamm.

Die bei „Dorv“ in Auftrag gegebene Basisanalyse werde den Vichtern bei einer Bürgerversammlung am Dienstag, 23. April, vorgestellt (siehe Infokasten). „Bei der Gelegenheit wollen wir dann auch für ehrenamtliches Engagement bezüglich des geplanten Dorfzentrums werben. Und dafür, diesen Dorfladen künftig dann auch durch das eigene Kaufverhalten zu unterstützen“, so Emonds.

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