Einer nach dem Anderen Kino Freisteller

Büffeln, bis die „Leidenszeit” vorbei ist

Von: Robert Flader
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Ein Block, ein Buch, eine Prü
Ein Block, ein Buch, eine Prüfung: Auch in den Stolberger Gymnasien laufen derzeit Abitur-Prüfungen, im „Ritze” sogar schon im Doppeljahrgang G8/G9. Foto: imago/Milestone Media

Stolberg. Die Atmosphäre so kurz nach Prüfungsende ist anders als sonst rund ums Ritzefeld-Gymnasium, irgendwie angespannter. Aber was will man schon erwarten, wenn 50 Schüler gerade ihre Abi-Prüfung in Mathematik hinter sich gebracht haben und nur noch eins wollen - nach Hause.

„Nichts wie weg”, sagt eine Schülerin. Berauschend sei ihre Leistungskurs-Prüfung nicht gewesen, „aber jetzt muss ich erstmal abwarten.” Abwarten und weiterlernen, denn viele der Stolberger Gymnasiasten stecken momentan mitten im Abitur. Nach der Prüfung ist vor der Prüfung, Stress pur.

In diesem Jahr gilt das besonders: So viele Schüler wie nie zuvor möchten in diesem Frühjahr ihren Abschluss machen an den beiden Kupferstädter Gymnasien, dem „Ritze” und dem „Goethe”. 224 junge Leute werden momentan in Englisch, Deutsch, Mathematik, Physik, Französisch, Geschichte und anderen Fächern geprüft, besonders das „Ritze” steht aufgrund des Doppeljahrgangs G8/G9 vor großen logistischen Aufgaben. „Wir haben 50 Schüler mehr als sonst, mehr Kurse, und brauchen deshalb auch mehr Lehrer, vor allem für die Prüfungen”, sagt Schulleiter Armin Ochse. Er möchte von „Herausforderungen” sprechen, nicht von „Problemen”.

Cleverer Schachzug?

Grundsätzlich könnte sich das Wagnis des „Ritze”, schon jetzt auf den Doppeljahrgang zu setzen, als kluger Schachzug erweisen. Denn die 146 Schüler, die gerade an der Ritzefeldstraße Abitur machen, werden im kommenden Herbst aller Voraussicht nach nicht vor einem überschwemmten Arbeitsmarkt stehen. Das könnte 2013 anders aussehen. „Insgesamt wagen diesen Schritt jetzt nur 13 Schulen landesweit”, sagt Ochse.

Und was fast noch wichtiger ist: Fast alle Schüler, die eine Klasse übersprungen haben, konnten ihr Leistungslevel in etwa halten. Abgänge habe es nicht mehr als in anderen Jahren auch gegeben, sagt Schulleiter Ochse.

Und doch: Die einmalige Erweiterung des Abi-Jahrgangs zwingt zum Umdenken: Konnte die vierte Prüfung (mündlich) früher noch an einem einzigen Tag durchgezogen werden, müssen die 146 „Ritze”-Schüler über drei Tage verteilt vor die Prüfungskommission treten. Ochse möchte nicht verhehlen, dass einzelne Eltern Bedenken hätten. „Da geht es gar nicht so sehr um die Leistungen, sondern wie es für die Abiturienten danach in der Wirtschaft aussieht. Unser Doppeljahrgang hat aber noch Glück, das Problem mit dem Arbeitsmarkt stellt sich erst im kommenden Jahr.”

Dann ist auch das Goethe-Gymnasium „an der Reihe”. Doch schon jetzt laufen die Vorbereitungen für G8 auf vollen Touren. „Mit dem Kollegen vom Ritzefeld-Gymnasium tauschen wir uns jetzt schon regelmäßig aus”, sagt Leiter Bernd Decker. Konkret sieht das so aus: Lehrer des „Goethe” helfen aktuell bei den Abiprüfungen im „Ritze”, im kommenden Jahr soll die Hilfe dann umgekehrt in Anspruch genommen werden.

Auch wenn in diesem Jahr „nur” 78 Abiturienten den Lerchenweg verlassen wollen und sich in insgesamt elf Fächern probieren: Schon jetzt stellt sich im „Goethe” zunehmend ein Raumproblem, der kommende Doppeljahrgang (Stufen 11 und 12) bereitet sich längst auf das nächste Frühjahr vor. Dann werden die Räume knapp, die Kurse mehr - und damit auch die Prüfungen. Zwischen 170 und 180 Abiturienten sollen es 2013 werden, wenn flächendeckend im ganzen Land doppelte Jahrgänge den Sprung von der Schule wagen.

Apropos lernen: In einem sind die jüngeren Abiturienten von morgen ihren „Kollegen” von heute schon voraus, sagt der „Goethe”-Leiter: „Schüler aus dem G8 sind eher bereit, noch mehr Zeit ins Lernen zu investieren. Sie haben eine verstärkte Arbeitsbereitschaft.”

Ab 2014 werde sich die Situation am Goethe-Gymnasium ohnehin wieder entspannen, sagt der Schulleiter. „Dann haben wir durch eine weggefallene Stufe dauerhaft etwa 40 Schüler weniger.”

Doch das dürfte Stolbergs aktuelle Abiturienten herzlich wenig interessieren. Für sie gilt: Büffeln, bis die „Leidenszeit” endlich vorbei ist.
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