Buche & Co. in Stolbergs Buchwerten: Der Stadtwald wirft Gewinn ab

Von: Jürgen Lange
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Bares Geld erwirtschaftet der Stadtforst mit Holzverkäufen. Windbruch nach Stürmen bescherte der Stadt vergangenes Jahr eine reichlichere Ernte und ein Fünffaches an Einnahmen. Foto: J. Lange

Stolberg. Als Stolbergs Förster Theo Preckel am Neujahrsmorgen die ersten Schritte im Stadtwald macht, hat er schon eine gute halbe Million Euro Schulden in seiner Bilanz stehen - ohne einen Handschlag getan zu haben.

Der Gedanke bereitet dem wirtschaftlich durchaus geschickt agierenden Forstmann reichlich Verdruss, wenn er durch die Buchenwälder stapft - selbst wenn er nur theoretischer Natur ist.

Denn mit 575.000 Euro schlägt ein Buchwert eben zu Buche: die kalkulatorische Zinsen. Zinsen, die theoretisch erzielt würden, wenn der zu Geld gemachte Wert des Stolberger Forstes auf dem Kapitalmarkt angelegt würde. Den Stadtwald weist die städtische Bilanz mit einem Wert von 11,5 Millionen Euro aus, bei den kalkulatorischen Zinsen setzt der Kämmerer fünf Prozent an.

Kämmerer informiert Politik

Es ist das erste Jahr, in dem Dr. Wolfgang Zimdars in seiner Vorlage für den Umweltausschuss die Politik über finanzielle Rahmenbedingungen informiert, die nicht auf den ersten oder zweiten Blick aus dem seit 2009 nach dem Neuen Kommunalen Finanzmanagement (NKF) geführten Haushalt herauszulesen sind.

Sie dürfen nach derzeitiger Rechtsauslegung dort auch nicht aufgeführt werden. „Damit wird meines Erachtens das Ziel des NKF, alle Aufwendungen und Erträge, und damit das wirtschaftliche und finanzielle Ergebnis des Verwaltungshandelns, möglichst vollständig abzubilden, nicht angemessen erreicht”, beklagt der Kämmerer.

Deshalb legt er informativ dem Stadtrat eine um klassische Posten erweiterte Aufstellung der Buchführung des Forstes vor und kommt zu dem freudigen Ergebnis, dass der Stadtwald dennoch im vergangenen und diesem Jahr ein positives Ergebnis ausweisen kann. „Dies darf für einen Forstbetrieb als ein sehr außergewöhnlich gutes Ergebnis bezeichnet werden”, lobt Dr. Zimdars die Arbeit von Theo Preckel.

Dass der Forst trotz kalkulatorischer Zinsen schwarze Zahlen schreibt, liegt vor allem an den von ihm erwirtschafteten Öko-Punkten beispielsweise durch Aufforstungen und Naturschutzmaßnahmen. Die mit einem Euro pro Punkt bewertete fiktive Öko-Gutschrift auf dem städtischen Konto - von dort können sie beispielsweise wieder für Ausgleichsmaßnahmen bei Bauvorhaben abgebucht werden - darf ebenfalls kein offizieller Bestandteil des NKF-Haushaltes sein.

Ebenso informativ stellt der Kämmerer ihn aber in seiner Abrechnung den kalkulatorischen Zinsen gegenüber. 668.000 im vergangenen und 1,75 Millionen Öko-Punkte in diesem Jahr sorgen für ein sattes Plus unter dem rechnerischen Strich: Die prognostizierten, fiktiven Gewinne betragen 771.500 bzw. 1,266 Millionen Euro.

Echtes Geld verdient der Stadtforst aber in erster Linie mit den tatsächlichen Holzverkäufen. Die Einnahmen aus Nebennutzungen, Jagdpacht, Zuschüssen und Leistungsverrechnungen mit anderen städtischen Abteilungen liegen in einer relativ konstanten Größenordnung von rund 225.000 Euro. Dagegen schwanken die Erlöse aus dem Verkauf von der Menge und Art des Einschlags, der Qualität der Ernte sowie von den Preisen auf dem Holzmarkt. „Derzeit gestaltet sich der Absatz von Fichtenholz sehr gut, der von Laubholz läuft dagegen schleppend”, erklärt Theo Preckel.

Der Förster hatte eigentlich für das vergangene lediglich einen Erlös von 200.000 Euro aus Holzverkäufen nach einem Einschlag von 3800 Festmeter vorgesehen. Aber im Februar bescherte der Orkan Xynthia dem Förster ein Übermaß an Ernte, das er jedoch gut vermarkten konnte. Und der Ruf der Politik nach steigenden Einnahmen ist auch im Wald zu vernehmen.

Letztlich werden nach der Abrechnung für 2010 ein Fünffaches an barer Münze erwartet: Eine runde Million wird Stolberg aus Holzverkäufen eingenommen haben. Das summiert sich mit den Nebeneinnahmen auf rund 1,224 Millionen Euro. Denen steht tatsächlicher Aufwand von Löhnen, Unternehmer- und Sachkosten von 546.000 Euro gegenüber, so dass de facto 678.500 Euro in das Stadtsäckel geflossen sind.

1,75 Millionen Öko-Punkte

In diesem Jahr sollen es geplante 91.000 Euro sein - bei 487.000 Euro Aufwand und 350.000 Euro aus Holzverkäufen und 228.000 Euro aus Nebeneinnahmen. Aber immerhin 1,75 Millionen Ökopunkte erwirtschaften will der Förster, mit denen er die kalkulatorischen Zinsen mehr als dreimal wettmachen kann.

Erst dann stehen satte 1,266 Millionen Euro, wenn auch nur bilanziert, unter dem Strich. Die Öko-Punkt sollen übrigens vor allem im Naturschutzgebiet Schlangenberg erwirtschaftet werden. Dort bedroht zunehmend Kiefer-Bewuchs die schützenswerte Schwermetall-Flora, die durch eine umfangreiche Herausnahme des Baumbestandes gestärkt und erhalten werden soll.

6275 Festmeter Einschlag, 13.000 junge Buchen

Für dieses Jahr plant Förster Theo Preckel in seinem Wirtschaftsplan einen Einschlag von 2575 Festmeter Fichte, 880 Festmeter Eiche, 220 Festmeter Buche sowie 100 Festmeter Kiefer. Diese können einen geschätzen Verkaufspreis von 250.000 Euro erzielen. Weitere 2500 Festmeter mit einem erwarteten Erlös von 100.000 Euro hat der Forst für unvorhergesehene Ereignisse eingeplant.

In fünf verschiedenen Beständen sollen 13000 Rotbuchen neu gesetzt werden, was rund 26.000 Euro kostet. Kulturfähig gemacht werden müssen rund vier Hektar Windwurfflächen, 20 Hektar in Schonungen und zehn Hektar Jungkulturen müssen von Hand gepflegt werden, was mit insgesamt 31.000 Euro kalkuliert ist. Weitere 30.000 Euro fließen in den Bau und die Unterhaltung von Wegen. Mit 20.000 Euro ist der Einsatz des Öko-Trupps zur Pflege von Naturschutzgebieten angesetzt.

Neben zahlreichen weiteren Tätigkeiten weist Preckel in dem Wirtschaftsbericht darauf hin, dass der Forst in einem erheblichen Umfang das Technische Betriebsamt bei innerstädtischen Pflegearbeiten unterstützt und für rund 4000 Euro Holz für Absperrungen, Bänken und Kindergärten liefert.
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