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„Brücken bauen” zwischen den Gruppen der Stadt

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Angekommen in der Kupferstadt sind sie schon lange, nun wollen sie auch auf politischer Ebene mitgestalten: Die Mitglieder der S.I.I.L., Stolberger Interkulturelle Integrationsliste.

Die meisten Kandidaten sind türkischer Abstammung, acht von ihnen haben aber die deutsche Staatsbürgerschaft. Einer, Muarem Zaimi, ist Mazedonier.

„Wir leben ist Stolberg, wir wollen an der Gesellschaft teilnehmen”, sagt Hasan Sahin. Migranten leisteten einen Beitrag für diese Stadt, so der 29-Jährige, der als Geschäftsführer den eigenen Transportbetrieb führt. Ausländer sollten deshalb nicht als Menschen 2. Klasse gesehen werden. „Wir wollen, dass man uns auf höchster Ebene der Politik als Gesprächspartner ernst nimmt und uns mitgestalten lässt”, ergänzt er. Zugleich wollen die S.I.I.L.-Leute Ansprechpartner sein für Ausländer aller Herkunftsländer.

Eine ihrer Forderung ist deshalb ein eigenes, regelmäßig offenes Büro für den Integrationsrat mit festen Ansprechpartnern. „Der kann zum Beispiel Wege aufzeigen, wenn Leute Probleme mit der Bürokratie haben”, sagt Mehmet Böyük. Der 23-Jährige ist einer von gleich mehreren jungen Leuten auf der Liste und hat sich natürlich auch der Jugendarbeit verschrieben. Perspektiven schaffen für Ausländische Jugendliche, Angebote im sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich, dafür wollen sich Böyük und die anderen einsetzen.

„Viele ausländische Jugendliche haben keinen Schulabschluss”, sagt er. „Wir fragen uns, warum sind ausländische Kinder schwächer in der Schule?” Dass manche ausländische Eltern sich nicht an schulischen Aktivitäten beteiligen und selbst zu Elternsprechtagen nicht erscheinen, wissen die Mitglieder der S.I.I.L.. Und sie wollen es ändern. „Wir wollen mit Lehrern und Schulleitern gemeinsam arbeiten und Konzepte entwickeln, wie man die Eltern zur Schule bekommt”, sagt Böyük.

Die Wahlbroschüre der S.I.I.L., die vor der Wahl in der Stadt verteilt wird, ziert eine schwarze Hand mit bunten Fingern, an denen die Worte Herkunft, Hautfarbe, Religion, Sprache und Ausländer stehen. „Welchen Finger würden Sie abschneiden”, lautet die provokante Folge daneben, darüber steht der Aufruf: „Für ein friedliches Miteinander gehen Sie wählen!”

Gerade einmal 354 ausländische Mitbürger sind diesem Aufruf bei der letzten Wahl, damals noch zum Ausländerbeirat, gefolgt. Das sind schlappe 7 Prozent der Wahlberechtigten. Am 7. Februar soll das anders sein. „Eins unserer größten Ziele ist es, so viele Ausländer wie möglich zur Wahl zu bewegen”, sagt Mehmet Böyük. Je mehr Wähler, desto höher die Legitimation der Gewählten, so die einfache Rechnung. Dass man dafür viel Überzeugungsarbeit leisten muss, wissem die S.I.I.L.-Mitglieder. „Viele kennen die Wahl gar nicht, manche haben ihre Wahlbenachrichtigung schon weggeworfen”, sagt Hacer Ugurluoglu. Die einzige Frau unter den 14 Kandidaten betont, wie wichtig es deshalb sei, dass der Integrationsrat gute Arbeit leistet und wahrgenommen wird. „Dann können wir auch andere Leute bewegen, mitzumachen.”

Einmischen tun sich viele von ihnen schon lange. Und sie engagieren sich: Ahmet Ekin, die Nummer eins auf der Liste, ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Stadtmarketing (SMS) und stellvertretender Vorsitzender der türkischen Geschäftsleute-Vereinigung Side. Deren Generalsekretär, Hasan Sahin, ist Nummer vier der S.I.I.L. Andere engagieren sich ehrenamtlich beim DRK, der Freiwilligen Feuerwehr oder der nicht unumstrittenen islamischen Gemeinschaft Milli Görüs.

„Wir sind aktiv im kulturellen und sozialen Leben der Stadt”, sagt Muarem Zaimi, für den die Umbenennung des früheren Ausländerbeirats in Integrationsrat ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist: „So können wir uns als Stolberger fühlen”, sagt der 52-jährige Mazedonier.

Kommunikation ist ihnen wichtig, sie wollen Brücken bauen zwischen Ausländern und Deutschen, zwischen Interessengruppen und Politik. Gegenseitiges Verständnis ohne Vorurteile, das wollen sie entwickeln zwischen Ausländern und Deutschen, aber auch zwischen den verschiedenen Migrantengruppen untereinander. Deshalb sehen sie die andere Liste VAL (Vereinigte Ausländerliste) und die beiden Einzelkandidaten für den Integrationsrat auch nicht als Konkurrenz, im Gegenteil: „Die Ziele beider Listen sind gleich”, sagt Hasan Sahin. „Deshalb machen wir keinen Wahlkampf gegeneinander. Wir hoffen sogar, dass Kandidaten beider Listen in den Rat kommen.

Und Bayram Ali Cimen, die Nummer zwei der S.I.I.L.-Kandidaten, ergänzt: „Je mehr verschiedene Leute sich bewerben, desto besser. Umso mehr Menschen werden sich dann für die Wahl interessieren.”
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