Stolberg - Brandschutzbedarfsplan: Stolberger Feuerwehr muss handeln

Brandschutzbedarfsplan: Stolberger Feuerwehr muss handeln

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
tatü13bu
Zu niedrig für ein modernes Feuerwehrauto: Das marode Gerätehaus Zweifall muss an einem anderen Standort neu errichtet werden. Foto: Jürgen Lange

Stolberg. Weitere kontinuierliche Investitionen in Ausstattung, Immobilien und Personal der Feuerwehr werden erforderlich sein, um den Brandschutzbedarfsplan für Stolberg erfüllen zu können, über dessen Standards der Stadtrat am Dienstag befinden soll.

Dabei berücksichtigt der Vorschlag der Verwaltung bereits die Gegebenheiten in der Kupferstadt - topographischer wie finanzieller Art. Als im vergangenen Mai das Forplan-Gutachten zum Brandschutz vorgelegt worden war, sah es zur Erfüllung der erforderlichen Hilfsfristen und gesetzlichen Auflagen die Schaffung von 18 zusätzlichen hauptamtlichen Stellen bei der Feuerwehr vor. Aber zusätzliche Personalkosten von rund 750.000 Euro wollte der Stadtrat nicht mittragen.

Alternative Wege wurden gefunden in einer stärkeren Einbindung ehrenamtlicher Kräfte durch neue Strukturen, durch die Einführung einer „Rathaus-Feuerwehr” (bei der Feuerwehrleute in der Verwaltung mit ausrücken, um personellen Engpässen zu begegnen), durch Beschränkung des RTW-Personals auf die geforderte Mindestzeit und die Abgabe der Krankentransporte an den Kreis.

Inzwischen hat die Feuerwehr das Konzept an der Praxis der vergangenen Monate gemessen und kommt zu dem Schluss, dass danach der Brandschutz in Stolberg sichergestellt werden kann, wenn weitere Investitionen erfolgen. Dazu zählt die unverzügliche Einstellung von zwei ausgebildeten Feuerwehrleuten und die Einstellung von zwei Brandmeisteranwärtern spätestens zum 1.April.

Nachtalarmierung verdoppelt

Denn der Personalbestand von 47 Mitarbeitern reicht zwar exakt aus, um die erforderlichen Funktionen zu besetzen, aber Ausfälle durch erforderliche Lehrgänge, Krankheit und Abbau von Überstunden können nicht kompensiert werden. Deshalb soll die Personalstärke auf 49 aufgestockt werden. Die Einstellung der Anwärter trägt dem Ausscheiden des Wachleiters und eines Abteilungsführers im April 2012 Rechnung.

Bei der Qualifikation der rund 220 freiwilligen Kräfte „sind keine wesentlichen Mängel feststellbar”. Allerdings müsse analysiert werden, in welchem zeitlichen Rahmen Mitglieder der Löschgruppen qualifiziert werden müssen, um rund um die Uhr überall die erforderlichen Kapazitäten aufbieten zu können.

Denn nur durch die jeweiligen Feuerwehreinheiten vor Ort gelingt eine 70-prozentige Abdeckung des Stadtgebietes mit Leistungen der Feuerwehr im ersten Anmarsch. Der dauert laut Brandschutzbedarfsplan vier Minuten ab Feuerwehrgerätehaus, unter der Annahme, dass die Freiwilligen Kräfte vier Minuten ab Alarmierung zum Fahrzeug benötigen. In der Realität kann es jedoch zu Abweichungen kommen.

Vorgabe der Analyse ist, dass innerhalb von acht Minuten mindestens neun Einsatzkräfte (Ziel 1), innerhalb von 13 Minuten zusätzliche sechs Kräfte (Ziel 2) am Einsatzort sind. Diese Ziele konnten im Jahr 2007 nur in 25,8 beziehungsweise 31,3 Prozent der kritischen Brände erreicht werden. 2008/09 wurde in 90 Prozent Ziel 1, in 70 Prozent Ziel 2 erreicht.

Alle Einsätze, bei denen das Schutzziel nie erreicht wurde, waren nachts. Deshalb wurde die Nachtalarmierung von einer auf zwei zusätzliche Löschgruppen verdoppelt, um die erforderlichen Personalstärken rechtzeitig aufbieten zu können. Damit erwartet die Wehr, künftig in 90 beziehungsweise 80 Prozent die ersten beiden Schutzziele erreichen zu können.

Mit einem Erreichungsgrad von 80 Prozent erfüllt Stolberg die Mindestanforderung der Aufsichtsbehörden. Die Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren empfiehlt einen Erreichungsgrad von 95 Prozent, was für eine Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften unrealistisch erscheine. Allerdings ist es der Stadtrat, der die Schutzziele definiert - und die Ausstattung finanzieren muss.

Weiterer Investitionsbedarf

Dazu zählen auch die Feuerwehrgerätehäuser, für die weiterer Investitionsbedarf besteht. Zumindest mittelfristig ist ein neues Gerätehaus in Zweifall zwingend erforderlich. Die Höhe von Toren und Fahrzeughalle ist deutlich zu niedrig für Fahrzeuge der aktuellen Dimension. Das 52 Jahre alte Gebäude weist Mängel auf, Duschen wie Abgasabsaugung fehlen, und der Schulungsraum ist zu klein.

In den Gerätehäusern Mitte, Dorff, Breinig, Zweifall, Gressenich, Schevenhütte und Werth ist der Einbau einer Abgasabsauganlage zwingend vorgeschrieben, weil dort die Einsatzausrüstung in der Fahrzeughalle untergebracht ist. In Gressenich, Schevenhütte, Werth, Breinig, Dorff und Donnerberg fehlen Duschen. Mitte rückt bei Stromausfall nicht aus, weil dann das Hallentor nicht öffnet. Baumängel zu beseitigen sind in Schevenhütte, wo das Tor ebenso zu niedrig ist wie in Dorff. Das dort stationierte Löschfahrzeug, Baujahr 1972, wird jetzt zwar ersetzt, aber in Vicht stationiert, damit es in die Halle passt. Das sechs Jahre alte Vichter Fahrzeug rückt im Gegenzug nach Dorff.

Ohnehin ist die Ersatzbeschaffung von ein bis zwei Löschfahrzeugen jährlich erforderlich, um das durchschnittliche Maximalalter von 25 Jahren nicht zu weit zu überschreiten. Auf ihrer Prioritätenliste berücksichtigt die Wehrleitung aber auch vorrangige taktische Aufgaben. Die Beschaffung erforderlicher Spezialfahrzeuge, etwa zur Beseitigung von Ölspuren oder für Hilfseinsätze bei Überschwemmungen, werden ebenso vorgezogen wie der Austausch von Fahrzeugen ohne Löschwassertank, eine der Voraussetzungen zur Erfüllung des Brandschutzbedarfsplans.

Kritisch gesehen wird in der Analyse das Vorhaben der Wasserversorger, die Hydranten-Abstände auf 300 Meter zu vergrößern und überdimensionierte Trinkwasserleitungen zu verkleinern. Es bestehen bereits Defizite in der Löschwasser-Vorhaltung im Bereich von Hauptbahnhof, den Gewerbeparks Mausbach, Hamm, Haumühle und Kupfermeisterstraße sowie in großen Waldbereichen und bei Aussiedlerhöfen. Zisternen und Löschwasserteiche beziehungsweise -entnahmestellen müssen deshalb geschaffen werden.

Kupferstadt hat ein hohes Risikopotenzial

Stolberg mit rund 58.000 Einwohnern beherbergt eine Reihe von Gefahrenquellen mit erhöhtem Risikopotenzial für Brandschutz und technische Hilfe. Dazu zählen neben zahlreichen Landesstraßen die Eisenbahnlinien von Deutscher und Euregio-Bahn sowie die umfangreiche Ansiedlung von Industrie- und Gewerbegebiete auf der einen, Landwirtschaft und großflächige Waldbereiche auf der anderen Seite, wobei nicht überall die Löschwasserversorgung gesichert ist. Aufgeführt werden ebenso Heime und Pflegeeinrichtungen, Krankenhaus, Schulen und Kindergärten.

Darüber hinaus sind umfangreiche Bereiche vor allem der Innenstadt sowie Gewerbeansiedlungen extrem hochwassergefährdet.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert