Botschaft soll viele Menschen erreichen

Von: Nicola Gottfroh
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Seine Heiligabendpredigt schre
Seine Heiligabendpredigt schreibt Pfarrer Andreas Hinze erst kurz vor dem Fest. Er will die Menschen damit ins Herz treffen. Foto: N. Gottfroh

Stolberg. Kurz vor den Weihnachtstagen schießt der Blutdruck bei vielen Menschen noch einmal richtig in die Höhe. Bevor die besinnlichen Stunden einkehren, wird es oft noch einmal richtig anstrengend. Weihnachtsstress - so etwas kennt Pfarrer Andreas Hinze gar nicht.

Dabei hat er in der Weihnachtszeit alle Hände voll zu tun. Eine Adventsfeier jagt die nächste, und dann steht an den Festtagen ein wahrer Gottesdienstmarathon an. Zwei Gottesdienste an einem Abend sind an den Festtagen keine Seltenheit. Trotzdem sitzt der evangelische Pfarrer des zweiten Stolberger Pfarrbezirks auch kurz vor dem großen Fest entspannt im Gemeindeamt in der Finkenberggasse, schlürft genüsslich seinen Kaffee und erzählt von seinen Aufgaben in den Weihnachtstagen.

Auch wenn er am Heiligen Abend unterwegs sein wird, um den Menschen in Stolberg gleich zweimal die Weihnachtsbotschaft zu verkünden, bedeutet das für ihn doch vor allem eines - Freude. „Das ist ja das Schöne an meinem Beruf. Ich tue das, was mir Spaß macht: Ich kann mit der Gemeinde zusammen Weihnachten feiern”, sagt der 55-Jährige und lacht.

Große Verantwortung

Bei allem Spaß lastet aber auch eine ganz besonders große Verantwortung auf den Schultern von Andreas Hinze. Denn mit seiner Predigt möchte er die Massen erreichen und begeistern. Auch wenn Massen in diesem Zusammenhang überzogen erscheinen mag - gemessen am Jahresdurchschnitt können die Pfarrer und Priester der evangelischen und katholischen Gemeinde in Stolberg mit einem echten Ansturm ihrer „Schäfchen” an den Weihnachtstagen rechnen - vor allem am Heiligen Abend.

„Da könnten wir in der Regel an der Kirche anbauen, so viele Menschen kommen dann”, sagt Andreas Hinze und strahlt. Besonders freue er sich auf die Besucher, die man das Jahr über eher selten zu Gesicht bekommt. „Beispielsweise die vielen ehemaligen Konfirmanden, die schon lange nicht mehr in Stolberg wohnen. Es ist immer schön, diese Menschen wiederzusehen.”

Am Abend gibt es Raclette

Auf eine Botschaft legt der Pfarrer und Familienvater ganz besonders großen Wert: „Weihnachten wird im Himmel und in der Familie entschieden - nicht unterm Baum, wie es ein Werbeslogan vermitteln möchte. Das sollen die Gläubigen aus dem Gottesdienst mitnehmen.” Das bedeute aber nicht, dass er den Brauch der Weihnachtsgeschenke ablehnt. „Ganz klar gehören die Geschenke zu Weihnachten dazu. Auch ich freue mich über die Päckchen unterm Baum. Die Schenkerei sollte aber in einem überschaubaren Rahmen stattfinden”, findet der Pfarrer.

Viel wichtiger noch als die hübsch verpackten Geschenke sei aber die Familie. Der Gedanke daran, dass die drei erwachsenen Kinder von ihm und seiner Frau Astrid an Weihnachten daheim sein werden und die ganze Familie zusammen mit dem Enkelkind feiern wird, zaubert dem Pfarrer ein Strahlen ins Gesicht. Und dann verrät er, dass der Weihnachtsabend bei einem evangelischen Pfarrer zu Hause fast genauso ausfällt wie in anderen Familie. „Nach der Kirche essen wir zusammen - wir machen übrigens Racelette, damit nicht einer die ganze Zeit in der Küche stehen muss. Dann gibt es ein gemütliches Beisammensein mit unseren Kindern und dem Enkelchen”, verrät Andreas Hinze. „Das kann bis in die Nacht dauern, immerhin habe ich in diesem Jahr jede Menge Zeit. Die Christmette leitet diesmal ein Kollege.”

Ein gemütliches Beisammensein - in diesem Fall mit den Gemeindemitgliedern - steht auch bei Hans-Rolf Funken, Pastor der Gemeinde St. Lucia, am Heiligen Abend auf dem Programm. „Natürlich möchte auch ich Weihnachten feiern. Mit einigen jungen Gemeindemitgliedern gehe ich jedes Jahr nach der Mitternachtsmesse in die Altstadt - am liebsten ins Piano oder Savoy”, erklärt der Geistliche und verrät: „Wir sind dann immer ein lustiges, buntes Völkchen - das ist ein schöner Abschluss des Heiligen Abends.”

Bis zum Abschluss des Tages hat Hans-Rolf Funken aber noch jede Menge zu tun. Denn wer denkt, ein Pfarrer habe seine Weihnachtspredigt schon Wochen im Voraus fertig in der Schreibtischschublade liegen, der irrt. „Meine Predigt schreibe ich meistens am Morgen des Heiligen Abends”, sagt Funken. Und damit ist er nicht alleine: Auch sein evangelischer Kollege Andreas Hinze lässt sich Zeit mit dem Schreiben. „Die Predigt schreibe ich in der Regel erst kurz vor dem Heiligen Abend. Die für den ersten Weihnachtstag ist aber schon fertig”, sagt der Familienvater.

Doch wenn gerade an Weihnachten so viele Menschen wie selten in die Kirche kommen, muss der Gottesdienst dann nicht etwas ganz Besonderes sein? „Jeder Gottesdienst verdient eine gründliche Vorbereitung. Aber bei einer Weihnachtspredigt hofft man schon, möglichst viele Gläubige zu erreichen. Dafür müssen sie zuhören - man darf sie also nicht langweilen”, sagt Pfarrer Hinze. Der besondere Kniff beim Schreiben einer Predigt sei es, vor allem deutlich zu machen, was ein alter biblischer Text in der Gegenwart sagen kann, beschreibt Hinze. Und auch Hans-Rolf Funken gibt sich Mühe, dass seine Predigten für die beiden Gottesdienste am Heiligen Abend besonders „einladend” sind.

Beide wollen zeigen: Es geht um mehr als Lichter und Geschenke, um Gänse und Tannenbäume. „Es geht darum, die froh machende und mit Freude gefüllte Botschaft aufzunehmen und sein Leben danach auszurichten”, sagt Hinze.
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