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Blick wird nach vorne gerichtet

Von: Michael Grobusch
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Der Wasserverband Eifel-Rur plant verschiedene Maßnahmen für einen besseren Hochwasserschutz an Vicht (unser Foto) und Inde im Stolberger Stadtgebiet. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Irren ist menschlich. Und manchmal sind Irrtümer sogar gern gesehen. „So schnell habe ich den Pegel in 25 Jahren noch nicht steigen sehen”, blickte Toni Sturz noch einmal auf den unheilvoll erscheinenden Donnerstagvormittag zurück, der für den weiteren Tagesverlauf Schlimmes befürchten ließ.

Am Ende eines aufregenden Tages konnte der Stadtbrandinspektor Entwarnung geben und den seit zehn Stunden tagenden Krisenstab auflösen. Stolberg war von der befürchteten Extrem-Hochwasserlage verschont geblieben.

Daran änderte auch der Umstand nichts mehr, dass um genau 22.38 Uhr doch noch zusätzliches Wasser aus der mittlerweile vollgelaufenen Dreilägerbachtalsperre in Roetgen abgelassen werden musste. Zum einen war der Pegel des Vichtbaches zwischenzeitlich so stark gesunken, dass er die Wassermassen verkraften konnte. Zum anderen fiel die abgegebene Menge mit einem Kubikmeter Wasser pro Sekunde um zwei Drittel geringer aus, als sie die Talsperren-Betreiberin Enwor noch am Mittag prognostiziert hatte. Trotz dieser Einleitung fiel der Pegelstand der Vicht am Messpunkt in Mulartshütte bis zum gestrigen Morgen auf 90 Zentimeter und betrug am frühen Nachmittag nur noch 78 Zentimeter. Ihren Höchststand hatte die Vicht am Donnerstag gegen 10 Uhr mit 1,55 Meter erreicht.

„Ich bin zuerst einmal sehr erleichtert, dass das schlimmst mögliche Szenario mit Überschwemmungen in der Stolberger Innenstadt nicht eingetreten ist”, erklärte Städteregionsrat Helmut Etschenberg, der die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte lobte. In Stolberg war neben der Wehr auch das Technische Hilfswerk (THW) im Einsatz. Am Morgen hatten zudem die Kollegen der Eschweiler Feuerwehr Sandsäcke nach Zweifall gebracht und dort an die Bevölkerung verteilt.

Trotz des glimpflichen Verlaufes von Dauerregen und Schneeschmelze stellt sich für die Kupferstadt aber weiter die Frage nach einer Verbesserung des Hochwasserschutzes. Der beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER) zuständige Dezernent Robert Steegmans erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, „dass es mehrere Varianten gibt, die wir diskutieren müssen”. Demnach reiche es in der Innenstadt nicht aus, ein großes Hochwasserrückhaltebecken zu bauen. Stattdessen müssten mindestens zwei Becken geschaffen werden, über deren Standorte im Rahmen der noch bevorstehenden technischen Machbarkeitsprüfung und landschaftspflegerischen Planung entschieden werden müsse. „Wir sind noch relativ früh in diesem Findungsprozesse”, so Steegmans. Klar sei indes, dass neben den besagten Becken zusätzliche Objektschutztmaßnahmen für die Häuser im Innenstadtbereich erforderlich würden.

Blocksteinrampe

Weiter in Vorbereitungen sind auch Maßnahmen zur Entschärfung des Münsterbaches (Inde) oberhalb der Hammmühle. Hierzu hat eine Diplomarbeit wesentliche Ergebnisse beisteuern können. Etliche Varianten sind in den vergangenen Jahren ins Auge gefasst und in der Regel wieder verworfen worden. Jetzt glaubt WVER-Projektleiter Thomas Meurer, die geeigneten Maßnahmen für eine Entschärfung der Lage an der Spinnereistraße gefunden zu haben.

Demnach soll das Wehr oberhalb der Hammmühle entfernt und durch eine Blocksteinrampe ersetzt werden, die den maximalen Einlauf in den südlichen Arm des Baches begrenzen soll. Der nördliche Arm soll die übrigen Wassermassen aufnehmen und für den Hochwasserfall mit zusätzlichen Überschwemmungsflächen versehen werden. Nicht zuletzt muss auch die Brücke in der Spinnereistraße angehoben werden.

Thomas Meurer betont: Die Planungen für das Projekt Inde-Atsch sind fertig. Jetzt können wir in das Genehmigungsverfahren einsteigen.”
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