Blees lässt alte Aufbereitungsanlagen komplett beseitigen

Von: Jürgen Lange
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Seit 1966 wurde hier Gestein gemahlen und später Flach- sowie Verbundglas aufbereitet. Nach dem plötzlichen End der MBR Recycling GmbH am Wilhelmbusch wird die Aufbauten beseitigt und das Firmengelände entsiegelt. Ein naturnaher Lebensraum entsteht. Foto: J. Lange

Stolberg-Büsbach. Die Tradition des Kalkstein-Abbaus ist in der Büsbacher Atzenach schon lange vorbei. Der ehemalige Steinbruch Gussen ist ein Naturschutzgebiet und auch auf den früheren Steinbruch Blees wartet nun eine naturnahe Verwendung.

Die Recyclinganlagen zur Aufbereitung von Glas werden derzeit komplett abgebaut, die unterschiedlichen Fraktionen getrennt entsorgt bzw. wieder aufbereitet. Die Fundament werden ausgebaut, das Gelände entsiegelt und dann eingegrünt. „Es entsteht ein neues Biotop“, erklärt Grundeigentümer Max Blees. Trockenrasen, Naturschotterflächen und Sträucher sorgen dann für einen neuen naturnahen Lebensraum für seltene Flora und Fauna – die eingezäunt wird, erläutert der Geschäftsführer der Max Blees GmbH mit Sitz in Aachen, die auch noch in Kornelimünster und an drei Standorten in Belgien mit der Gewinnung und Veredelung von Gestein aktiv ist.

Das war sie vor Jahrzehnten bereits ebenfalls am Wilhelmbusch, wo seit 1966 das gebrochene Gestein auch gemahlen wurde. 1983 wurde der Antrag gestellt, den Steinbruch zu verfüllen; 1984 genehmigte die Bezirksregierung das Vorhaben. Seitdem wurde am Wilhelmbusch nur noch eine Aufbereitung betrieben – zunächst für Kalkgestein. 1991 wurde die Genehmigung erteilt, Glas zu recyceln. „Es war die erste Anlage ihrer Art, die wir entwickelt hatten“, erinnert sich Max Blees. Aus Kalk und Glasmehl entstanden neue, wieder verwertbare Produkte.

Bei der Trennung des Glases von Fremdstoffen wurde ein Reinheitsgrad von 99 Prozent erreicht. Die seit 2002 als MBR Recycling GmbH firmierende Produktion wurde als umweltfreundliches Unternehmen zertifiziert, das durchaus florierte. Aus strategischen Gründen zur Sicherung der Rohstoffe übernahm 2008 die Sibelco-Gruppe, ein weltweit führender Hersteller wichtiger industrieller Mineralien mit 280 Standorten in 40 Ländern auf fünf Kontinenten, das Werk am Wilhelmbusch. 60.000 Tonnen Flach- und Verbundglas wurden dort pro Jahr aufbereitet.

Der Konzern trennte sich im Januar „aus strategischen Gründen“ überraschend von seinem Standort in Büsbach. Im vergangenen Jahr hatte er noch den Antrag zu einer Produktionserweiterung auf eine Leistung von 75 Tonnen / Stunde gestellt. Im Rahmen des Verfahrens bei der Städteregion sollten unterschiedliche Betriebsgenehmigungen aus den Vorjahren gebündelt und neu gefasst werden. Dazu kam es angesichts des plötzlichen Aus im Januar nicht mehr.

Ursprünglich wollte Max Blees Teile des Geländes noch als Lager betreiben. Dies erwies sich jedoch aufgrund der komplizierten Genehmigungslage als nicht machbar. Nun sind die Abrissbagger dabei, die letzten Überreste dieser Büsbacher Industriegeschichte bis Juni zu beseitigen. Dann wird Gras über die Historie wachsen.

„Viele Anwohner werden sich freuen, dass hier Ruhe einkehrt“, verschweigt Max Blees aber auch die zweite Seite der Medaille nicht: „Das bedeutet jedoch auch, dass fünf Mitarbeiter ihre Arbeit verloren haben“.

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