„Bilder gegen das Vergessen”: Nachdenkliche Töne auch zur Finissage

Von: Toni Dörflinger
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Nachdenkliche Töne: Bassy Aschira Blessed wurde von Friedhelm Lutzer auf dem Akkordeon begleitet und trug unter anderem Stücke des jüdischen Komponisten Mordechaj Gebirtig vor. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Von Liebesglück, aber auch von Verlassenheit, Abschied und Einsamkeit sind die Texte und Lieder gekennzeichnet, die am Sonntagnachmittag in der Burggalerie die Abschlussveranstaltung der Ausstellung „Bilder gegen das Vergessen” geprägt haben.

Eine große Rolle bei der Finissage spielten dabei Gedichte, Erzählungen und Lieder, die von jüdischen Schriftstellern und Komponisten verfasst worden waren, die später dem Holocaust zum Opfer fielen oder als Verfolgte des Nazi-Regimes schwere Repressalien erleiden mussten.

Das Programm begann mit zwei Solostücken, wobei der Stolberger Gitarrist Klaus Elbern Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Eric Clapton in den Mittelpunkt stellte. Zuvor hatte Rafael Ram’rez Máro, der die den Holocaust thematisierende Schau „Bilder gegen das Vergessen” erstellt hat, Hintergrundinformationen zu seinen Werken geliefert.

Ramírez Máro betonte, dass er die Bilder gemalt habe, um das Leiden von Auschwitz zu thematisieren und bei den Besuchern ein Gefühl von Betroffenheit und Anteilnahme zu erzeugen. Gedichte, die Else Lasker-Schüler und Rose Ausländer erstellt haben, trug der Lyrikrezitator Manfred Bohn vor. Seine klare und feste Stimme einsetzend, verstand es Bohn, Betonungen im richtigen Moment anzuwenden und eine Sprachmelodie zu erzeugen, die die Texte leicht verständlich und zugänglich machte.

Neben den Texten von Lasker-Schüler und Ausländer trug Bohn auch Lyrik vor, die er selbst verfasst hat. Die von ihm erstellten Texte drehten sich um die Thematik der Ausstellung und handelten von Einsamkeit, Verlassenheit und Liebessehnsucht. Den Melodien osteuropäischer Juden hatten sich Friedhelm Lutzer und Andrea Schaper-Thyjm gewidmet. Sie setzen das Akkordeon und die Violine ein, um den von Melancholie einerseits und Fröhlichkeit andererseits geprägten Stücken „Los Bilbilicos” und „Moldavian Hora” Gestalt und Format zu geben.

Nachdenklichkeit und ein Gefühl von Traurigkeit erzeugte die in Aachen lebende polnische Sängerin Bassy Aschira Blessed, als sie Stücke des polnisch-jüdischen Poeten und Komponisten Mordechaj Gebirtig vortrug, der 1942 im Krakauer Ghetto ermordet worden war. Von Betroffenheit und Mitgefühl war auch das Lied geprägt, das Blessed im Andenken an einen achtjährigen Jungen vortrug, der während des Zweiten Weltkrieges im Warschauer Ghetto als Kleinhändler ein kümmerliches und trauriges Dasein gefristet hatte. Blessed hatte ihren Vortrag mit einer Schweigeminute begonnen, die sie den während der Nazi-Zeit ermordeten sechs Millionen Juden widmete.

Versöhnliche Töne hingegen schlug die polnische Künstlerin an, als sie zum Abschluss ihrer Darbietung das Lied „Osseh Shalom” anstimmte. Den Besuchern gefiel das von Nachdenklichkeit und Betroffenheit geprägte Programm. Sie sparten nicht mit Szenenapplaus.
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