Stolberg - Beton aus Stolberg leuchtet in Shanghai

Beton aus Stolberg leuchtet in Shanghai

Von: Christina Merkelbach
Letzte Aktualisierung:
robatex16_bu
Beton, bunt ausgestrahlt und lichtdurchlässig: Robatex Geschäftsführer Andreas Roye zeigt, wie der Werkstoff funktioniert. Einsatzmöglichkeiten gibt es viele. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Die größte Sorge war, dass der Container nach Shanghai ohne das Material von Robatex auf See gehen könnte. Denn nach der Anfrage, an der Expo 2010 teilzunehmen, blieben gerade mal drei Wochen bis der Frachter ablegte.

Normalerweise hätte das Team um die Geschäftsführer Andreas Roye (33) und Marijan Barlé (38) dafür rund zehn Wochen gebraucht. „Es war stressig, aber wir haben es geschafft”, sagt Andreas Roye. Von Mai bis Oktober ist das Unternehmen mit Sitz in Stolberg im deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in der chinesischen Metropole vertreten. Als eines von zehn deutschen Unternehmen, die innovative Materialien herstellen. Im Fall von Robatex ist das lichtdurchlässiger Beton.

Mit patentierter Technik werden Glasfasern in flüssigen Beton gebracht. „Dabei schichten wir automatisiert abwechselnd Fasern und Beton übereinander”, erklärt Roye. Zwei Millionen Glasfasern enthält ein Quadratmeter des Baustoffs. Vermischt mit grobem oder feinem, hellem oder dunklem Sand, zum Beispiel Marmor aus Carrara oder Granit aus Brasilien, ergeben sich auf der Oberfläche der Blöcke feinste Linien. Durch sie dringt das Licht. In Shanghai steht eine 3,20 Meter hohe Wand, mitten im Raum und von künstlichem Licht ausgestrahlt.

Ein ganzes Haus aus diesem Material zu bauen, würde enorm viel Energie einsparen. Tageslicht könnte als Lichtquelle genutzt werden. Zurzeit wäre das für den durchschnittlichen Häuslebauer allerdings noch zu kostspielig.

„Es ist aber eines unserer nächste Hauptziele, Architektur-Anwendungen in großem Stil zu ermöglichen”, sagt Roye. Bisher sind es vor allem repräsentative Bereiche von Gebäuden, für die das Unternehmen Aufträge erhält. Zum Beispiel für die Dortmunder Zentrale des Versicherungskonzerns Signal Iduna. Robatex stellt die Wände in der Eingangshalle her. Damit will die Versicherung ihren Besuchern einen Blickfang bieten. „Unser Werkstoff ist noch so neu auf dem Markt, dass er in erster Linie als Highlight eingesetzt wird.”

Vor allem in arabischen Ländern kommt der lichtleitende Beton aus Stolberg gut an. Eine Ölgesellschaft in Doha, der Hauptstadt Katars, wird ihren Gebetsraum für 500 Personen damit auskleiden. Je näher man der Decke kommt, desto mehr Licht dringt durch. Die Lichttechnik hinter der lichtdurchlässigen Betonwand ist so ausgeklügelt, dass man damit Sonnenauf- und Sonnenuntergänge simulieren kann.

Projekte in dieser Größenordnung brauchen vier bis sechs Jahre Vorlauf. Geld lässt sich damit nicht schnell verdienen. Deshalb bietet Robatex seit kurzem über Händler in ganz Deutschland noch seine Leuchtwaschtische an. Die Waschbecken sind lichtdurchlässig, ihre Oberfläche erinnert an Naturstein. Die Tische können Badezimmer oder Gäste-WC beleuchten oder immer dann erstrahlen, wenn der Wasserhahn benutzt wird. Es gibt auch Modelle, die kaltes Wasser mit blauem Licht und warmes mit rotem Licht anzeigen. „Der Hit auf jeder Party”, sagt Roye lächelnd.

Apropos Party: Die Innenausrichtung für eine Szenebar am Roten Platz in Moskau ist ein anderer Auftrag, den das 2007 gegründete Unternehmen an Land gezogen hat. Ein Vetriebsbüro in der russischen Hauptstadt vertritt die junge deutsche Firma. Der russische Markt sei attraktiv, sagt Roye. In den nächsten Jahren werde es dort viele Bauprojekte geben und damit Möglichkeiten für Robatex international aufzusteigen. „2009 lag die Baubranche in Russland wegen der Finanzkrise brach, aber jetzt bekommen wir schon wieder Anfragen.”

Den größten Teil ihrer Aufträge bekommen die Ingenieure Roye und Barlé über Architekten, die nach innovativen Baustoffen suchen. Und dann bei Messen, in Fachmagazinen und vor allem im Internet auf Robatex stoßen. Dort ist auch die Agentur Milla & Partner auf das Unternehmen aufmerksam geworden. Die Stuttgarter sind für das Ausstellungskonzept des deutschen Pavillons bei der Expo 2010 verantwortlich.

Nach Shanghai möchte Andreas Roye auf jeden Fall reisen. Am liebsten zur Eröffnung der Weltausstellung am 1. Mai. Wenn alles nach Plan läuft, sind etwa zwei Monate vorher die Blöcke für die Robatex-Wand im deutschen Pavillon angekommen. Anfang März, gut drei Monate, nachdem die Lichtbetonwand in Stolberg seefest verpackt wurde, wird der Frachter im Shanghaier Hafen erwartet.

2007 gegründet, vier Mitarbeiter, vier Studenten

Die Robatex GmbH wurde im Mai 2007 von den Ingenieuren Andreas Roye und Marijan Barlé gegründet. Die beiden lernten sich während gemeinsamer Forschung am Institut für Textiltechnik der RWTH kennen.

Zurzeit gibt es bei Robatex vier Mitarbeiter und vier studentische Aushilfen. Ziel ist, bis 2012 auf 20 bis 30 Mitarbeiter zu vergrößern.

Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Stolberger Prattelsackstraße. Seine Produktionshalle ist 2000 m2 groß.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert