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Bergbau macht Breinig-Projekt Probleme

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Löcher unter der Erde: Hier im Bereich des kleinen Aschenplatzes sowie an der geplanten Zufahrt in das Neubaugebiet von der Corneliastraße aus förderte das Gutachten Einwirkungsbereiche des früheren Erzbergbaus zutage, die weiter analysiert werden müssten. Foto: J. Lange
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Kämpft seit Jahren für das Sportzentrum: Dieter Jollet im Rathaus.

Stolberg-Breinig. Die Ergebnisse der Erkundung des Bergbaus im Bereich des Umfeldes der vom Sportverein Breinig genutzten Aschenplätze liegt vor. Die Erkenntnisse der Gutachter sind zwar ernüchternd, lassen aber weiter Raum für Zuversicht. „Aufgrund der Ergebnisse des Gutachtens ist eine kleine Umplanung erforderlich“, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung Dieter Jollet.

Der langjährige Präsident ist bei seinem Verein führender Projektverantwortlichen für die Realisierung des Sportplatz-Projektes, dessen Basis eine Art Tauschgeschäft ist:

Damit der SV Breinig eine Kunstrasenanlage neben dem bestehenden Rasenstadion an der Schützheide errichten kann, soll er laut eines Grundsatzbeschlusses des Stadtrates vom Januar einen Zuschuss in Höhe von 900.000 Euro erhalten. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Stadt beziehungsweise ihre 50-prozentige Tochter SBG (Stolberger Bauland GmbH) die Aschenplätze und ihr Umfeld so gewinnbringend inklusive einer zehnprozentigen Wertsteigerung vermarkten kann, wie das Verkehrswertgutachten versprach: rund zwei Millionen Euro – und somit noch Geld für weitere Kunstrasenprojekte und Haushaltsverbesserungen übrig bleibt. Doch diese Kalkulation ist heute knapper denn je.

20 von 70 Baustellen betroffen

„Das Projekt ist nicht gefährdet“, beteuert Jollet. Denn die Pläne für das Neubaugebiet zwischen Corneliastraße und Schützheide würden nun den aktuellen Erkenntnissen angepasst. „Das ist auch gut so, damit wir in Breinig nicht das gleiche Desaster erleben wie an der Anna-Klöcker-Straße“, wo der einstige Erzbergbau zu gravierenden Schäden am Bestand von Neubauten und zu Gerichtsverfahren zwischen Betroffenen und der dort vermarktenden VR-Bank geführt haben.

Dennoch ist nach Informationen unserer Zeitung eine umfassende Neuplanung und ein neues Konzept für das Neubaugebiet erforderlich, dessen Bebauungsplan Nr. 152 „Corneliastraße / Schützheide“ bereits Mitte 2010 in der Offenlage war.

Nach ersten Gutachten war die Stadt davon ausgegangen, dass rund ein Drittel des zukünftigen Siedlungsbereiches vom früheren Erzbergbau betroffen sein könnte. Im August begann eine umfangreiche Bohruntersuchung des Geländes durch das renommierte Fachbüro Heitfeld-Schetelig, in das die SBG über 150.000 Euro investierte.

Nach ersten Schürfungen in den Randbereichen zur Rudolfstraße hin ohne auf große Problemfelder zu stoßen, wurden solche zunehmend in Richtung Schützheide entdeckt. Das komplette Ergebnis des Gutachtens stellte die Verwaltung am Freitag den führenden Vertretern des SV Breinig vor.

Demnach sind ein Viertel bis ein Drittel des Neubaugebietes in unterschiedlichem Maße durch den früheren Bergbau betroffen. In einigen Bereichen sollen nach Informationen unserer Zeitung bis zu vier ehemalige Schächte entdeckt worden und mit Schachtschutzzonen markiert worden sein. In diesen Bereichen wird eine Bebauung möglich sein, unter der Voraussetzung entsprechender Vorkehrungen, wie etwa das Verschließen der Schächte mit Betondeckeln oder anderweitiger Vorsichtsmaßnahmen beim Legen des Fundamentes.

Darüber hinaus sollen zwei weitere potenzielle Einwirkungsbereiche des früheren Bergbaus erkannt worden sein, deren Umfang und genaues Ausmaß sowie erforderliche Vorkehrungen nur durch weitere noch intensivere Gutachten geklärt werden könnten. Um dafür keine weitere Kosten und Zeitverzögerungen in Kauf nehmen zu müssen, ziehen es Verwaltung und SBG demnach vor, das Siedlungskonzept zu überarbeiten.

Zum einen soll im Bereich der späteren Erschließung des Neubaugebietes von der Cornelia­straße her ein solcher Streifen gefunden worden sein, auf dem nur wenige Häuser vorgesehen waren. Zum anderen soll ein Kernbereich des Neubaugebietes, etwa auf dem heutigen kleinen Aschenplatz an der Grenze zur den Gärten der bestehenden Bebauung an der Corneliastraße, betroffen sein.

Etwa 20 der insgesamt rund 70 geplanten Gebäude sollen in diesen Zonen liegen; ein weiteres halbes Dutzend soll zudem in den Schachtschutzzonen eingeplant sein. Nun sollen wieder die Planer ran: Unter Beibehaltung eines Maximums von vermarktbaren Baustellen soll der Bebauungsplan so umgestrickt werden, dass in den Problembereichen die für das Neubaugebiet erforderliche Infrastruktur, die dort relativ unproblematisch umgesetzt werden kann, angesiedelt wird. Also beispielsweise Regenrückhaltebecken, Grünzonen, Parkplätze, Spielplatz, Straßen und Wege.

Darüber hinaus muss das Ergebnis der überarbeiteten Planung neu beziffert werden, um zu erfahren, ob und in welchem Maße der dem SV Breinig für den Sportplatzbau zugesicherte Zuschuss betroffen sein könnte.

„Ich kann leider nicht in die Verwaltung eingreifen“, sagt Dieter Jollet auf die Frage, wie die aktuellen Erkenntnisse den Zeitplan des Vereins beeinträchtigen. Bislang hatte der SV Breinig argumentiert, mit dem heutigen Sportplatzangebot für die zahlreichen Mannschaften nicht noch ein weiteres Winterhalbjahr überbrücken zu können und zu wollen.

Das würde also bedeuten, dass spätestens im kommenden Sommer mit der Realisierung der neuen Anlage mit Sportplatz sowie Kleinspielfeld mit Kunstrasenbelag begonnen werden müsste. Für Verwaltung und SBG besteht jedenfalls ein beträchtlicher Zeitdruck. Der zuständige städtische Fachbereichsleiter und SBG-Geschäftsführer Andreas Pickhardt war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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