Beitragsfreier Kindergarten: „Ein Stück mehr Chancengleichheit”

Von: Sarah Sillius
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Die Kinder spielen unbesorgt in der Kita Zwergenburg im Rhein-Nassau-Weg. Derweil wird über das beitragsfreie Kindergartenjahr diskutiert, das für viele Familien eine finanzielle Entlastung wäre. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Über Geschenke sprechen ist weniger interessant als Geschenke auszupacken. So ist es auch mit dem letzten Kindergartenjahr, das möglicherweise ab 1. August diesen Jahres beitragsfrei werden soll.

„Es wäre ein Geschenk an die Eltern”, sagt Margit Schmitt, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Stolberg. Das Landeskabinett hat Anfang April mit einem Entwurf eine erste Revision des Kinderbildungsgesetztes (Kibiz) beschlossen. Das beitragsfreie Kindergartenjahr soll dazu beitragen, dass Bildung nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig ist. Es ist ein erstes Signal, doch klar ist noch nicht, ob der Landeshaushalt diese Maßnahme zulässt. Immerhin würde sie 242 Millionen Euro kosten.

Der Stadt Stolberg sei noch nicht bekannt, wie groß die Ausgleichszahlungen von Seiten des Landes sein würden, falls das beitragsfreie Kindergartenjahr kommt, erklärt Kämmerer Wolfgang Zimdars auf Anfrage unserer Zeitung. „Für die Eltern wäre es natürlich wichtig, dass sie den Ausgleich erhalten, aber das würde auch zur weiteren Verschuldung der Kommunen beitragen. Irgendwann muss das Geld wieder zurückgezahlt werden, das trifft dann die Städte und eventuell die Steuerzahler.”

Viel mehr als ein Geschenk an die Eltern sei die Maßnahme nicht, meint Schmitt. Natürlich könnten sie das Geld, was sie im letzten Kindergartenjahr einsparen, gut gebrauchen. Doch ob dadurch mehr Kinder den Kindergarten besuchen werden, zweifelt sie an. „Besser wäre es, die Beiträge ganz abzuschaffen oder im ersten statt im letzten Jahr”, sagt Schmitt. Denn wenn Eltern die Beiträge scheuen würden, dann von Beginn an.

„Enorme Erleichterung”

Claudia Breuer, Leiterin des SkF-Kindergartens Zwergenburg, begrüßt die Überarbeitung des Kibiz-Gesetzes. „Es ist ein Stück mehr Chancengleichheit”, sagt sie. „Zwar ist der Kindergarten für sozial sehr schwache Familien ohnehin beitragsfrei, aber für Eltern, die gerade über der Grenze liegen, sind 40 Euro weniger im Monat eine enorme Erleichterung.” Trotzdem glaubt Breuer, dass man die Fördermittel des Landes sinnvoller einsetzen könnte. „Man sollte es besser direkt in die Einrichtungen stecken”, sagt sie. So könnte jedem Kind eine warme Mahlzeit garantiert werden. Bislang sei dies in der Zwergenburg nur über Spendengelder möglich. „Ich bin froh über das Bildungspaket”, sagt Breuer. „Damit können zum Beispiel Tagesausflüge finanziert werden.” Das sei bislang für viele Eltern schwierig, bestätigt auch Margit Schmitt. „Viele können zusätzliche Beiträge, für Veranstaltungen oder Ausflüge, nicht aufbringen.”

Claudia Breuer hat sich die Antragsformulare zum Bildungspaket ausgedruckt und gibt die Informationen an die Eltern weiter. Das Bildungspaket wurde Ende März verkündet und bietet sozial schwächeren Familien unter anderem finanzielle Unterstützung bei Tagesausflügen und Nachhilfe. In Stolberg wird das Angebot bislang spärlich angenommen (wir berichteten). „Das Interesse ist zwar da, aber die Hemmschwelle ist groß”, weiß Breuer aus Erfahrung. Auf das letzte beitragsfreie Kindergartenjahr wurden bislang weder Breuer noch Schmitt bislang von Eltern angesprochen.

Das wird sich wohl spätestens dann ändern, wenn es endgültig beschlossen werden sollte und die Kinder und Eltern „ihr Geschenk” auspacken dürfen.

Vorhandene Plätze in Kitas der Stadt

In Stolberg stehen insgesamt 1721 Kita-Plätze zur Verfügung, davon 1095 in den 19 städtischen Kindergärten.

Es gibt insgesamt 235 Plätze für Unterdreijährige, davon 125 in städtischen Einrichtungen.

63 Plätze sind für Kinder mit Behinderung vorgesehen, 41 für jüngere Kinder ab einem halben Jahr.
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