Stolberg - „Bei Wahl nicht von diesen vielen Zetteln entmutigen lassen“

„Bei Wahl nicht von diesen vielen Zetteln entmutigen lassen“

Von: Ottmar Hansen
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Christina Holten, Nicole Keßler und Marc Bovelett (von links) geben die Unterlagen für die Briefwahl im Rathaus aus. Foto: O. Hansen
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Brigitte und Hermann-Josef Meurer geben schon einmal ihre Stimme per Briefwahl ab. Foto: O. Hansen

Stolberg. Die ältere in der Wahlkabine auf der ersten Etage des Rathauses hat so ihre Probleme mit den vielen Stimmzetteln. „Dat weiße Blatt in der gelbe Umschlag“, gibt ihr Ehemann Hilfestellung. „Und dann zumachen!“ Jetzt muss der ganze Stapel Papier noch in die Urne, die die Stadtverwaltung für Briefwähler in Zimmer 138 des Rathauses aufgestellt hat. Das war schon einige Minuten Arbeit.

„Fünf Wahlen gleichzeitig an einem Tag, da kann das Ausfüllen der Stimmzettel dann auch schon einmal etwas länger dauern“, macht Stephan Beckers, der die Wahl im Rathaus koordiniert, dennoch allen Stolbergern Mut, von Ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Zumindest was Bürgermeister- und Kommunalwahl angeht, haben sie erst wieder in sechs Jahren Gelegenheit dazu. Offenbar haben das durchaus viele Bürger erkannt, sie wollen sich aber den kommenden Sonntag freihalten.

Vielleicht für einen Familienausflug. Also nutzen sie das Angebot der Briefwahl. Bis Montagnachmittag hatten schon mehr als 6400 Wählerinnen und Wähler ihre Stimmzettel zur Kommunalwahl beantragt und dann per Post oder persönlich im Rathaus abgegeben. „Etwa so viele, wie bei der letzten Kommunalwahl“, hat Christina Holten ausgerechnet, die die Unterlagen an die Leute ausgibt, mit denen sie hinter der Wahlkabine auf dem Rathausflur verschwinden. Alles muss ja vertraulich bleiben.

Bei der Europawahl haben ebenfalls fast 6200 Bürgerinnen und Bürger gewählt. „Und das sind jetzt schon doppelt so viele wie bei der letzten Europawahl“, rechnet Nicole Keßel vor. Marc Bovelett achtet in Raum 138 darauf, dass auch die richtigen Umschläge in der Urne verschwinden.

Man müsse als Wähler oder Wählerin schon lesen, was auf den Anweisungen stehe, so Beckers. Die vier Stimmzettel für die Wahl von Stadtrat, Bürgermeister, Städteregionsrat und Regionsratsvorsitzenden kommen, nachdem die gewünschten Kandidaten angekreuzt wurden, in den grünen Umschlag. Der wird zugeklebt. Und dann samt Wahlschein in den gelben Umschlag gesteckt. Bei der Europawahl kommt der Stimmzettel zunächst in den blauen Umschlag und dann samt Wahlschein in den roten Umschlag. Auch bei der Wahl des Integrationsrates wird so verfahren. Mit zwei Umschlägen.

In Stolberg wahlberechtigt sind bei der Europawahl insgesamt 41.575 Wählerinnen und Wähler, bei der Kommunalwahl (bei der schon 16-Jährige mit wählen dürfen) 44.581 Wähler und bei der Integrationsratswahl rund 5500. Sie können ihre Briefwahl nicht nur von daheim aus, sondern auch im Rathaus zu den üblichen Öffnungszeiten erledigen, am Freitag bleibt das Verwaltungsgebäude bis 18 Uhr geöffnet. Bei nachgewiesener plötzlicher Erkrankung können die Unterlagen dort auch noch am Wahltag bis 15 Uhr. Sechs Briefwahlvorstände werden den ordnungsgemäßen Ablauf überwachen. Und dafür sorgen, dass die per Briefwahl abgegebenen Stimmen der Kommunalwahl rechtzeitig bis 18 Uhr in den zugehörigen Stimmbezirk zur Auszählung kommen. Die Briefwahlstimmen für die Europawahl werden vor Ort im Rathaus ausgezählt.

„Wir haben uns Kästen zum Einsortieren besorgt, um uns das Auszählen ab 18 Uhr zu erleichtern“, sagt Stephan Beckers. „Trotzdem wird bei so vielen Wahlen gleichzeitig die Auszählung etwas dauern“, fürchtet Beckers. Immerhin: Die moderne Technik erleichtert die Übermittlung der Ergebnisse. Ist ein Stimmbezirk ausgezählt, kann man das Ergebnis auch schon im Internet nachlesen.

Doch so weit sind wir ja noch nicht. Noch können täglich die Briefwahlunterlagen im Rathaus abgegeben werden. Außerdem müssen Wahlkabinen, Wahlurnen, Büromaterial und Stifte zu den 30 Wahllokalen geschafft werden.

Auch wenn manches betagte Paar bei der Briefwahl im Rathaus seine zehn Minuten zum Ankreuzen der gewünschten Politiker auf den vielen Stimmzetteln benötigt hat, im Gegensatz zu etlichen Wahlverweigerern hat es seine demokratische Pflicht auf jeden Fall erfüllt.

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