Bei Saint-Gobain gehts um den rechten Durchblick

Von: Johannes Mohren
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Exklusive Einblicke in die Pro
Exklusive Einblicke in die Produktion bei sorgfältigen Sicherheitsvorkehrungen: Die Leser unserer Zeitung wissen nun ganz genau um die Geheimnisse des Autoglases, das in Stolberg produziert wird. Foto: J. Mohren

Stolberg. Für unseren Leser Siegfried Dresen ist es eine ganz besondere Tour. Er ist schon oft durch das Drehkreuz neben dem eisengitternen „Werkstor 1” der Produktionsstätten des Industriekonzerns Saint-Gobain in Stolberg an der Nikolausstraße geschritten.

Vor allem früher - zum ersten Mal zu Beginn der 70er Jahren. Wann genau, weiß Dresen auf Anhieb nicht mehr. „Da müsste ich in meinen Unterlagen nachschauen”, sagt er. Immerhin ist es fast vier Jahrzehnte her. Damals kam er täglich auf das Gelände, als Mess- und Regelelektroniker, angestellt bei „Sekurit”, einem Unternehmen unter dem Dach der weltweit agierenden französischen Muttergesellschaft Saint-Gobain.

Heute kehrt er, im Rahmen der zweiten Lesertour unserer Zeitung, wieder zurück. Nun als Besucher. „Zehn oder elf Jahre” arbeitete Dresen bei „Sekurit”, ehe es für ihn zum benachbarten Saint-Gobain Glass ging. „Es ist Wahnsinn, was sich seitdem alles verändert hat”, staunt er. Nicht etwa, was das Äußere, das Gelände und seine Gebäude betrifft. „Nein, da steht noch alles an seinem alten Platz”, betont Dresen.

Vielmehr redet er von dem, was im Inneren der steinernen Hallen abläuft. Die modernste Technik, die hier nach und nach Einzug gehalten hat. „Der Fortschritt ist einfach irre, das ist wirklich faszinierend - schlichtweg unglaublich”, schwärmt der inzwischen pensionierte Fachmann. Er ist sichtlich begeistert. Kaum noch wieder zu erkennen ist für ihn das, was er vor einigen Jahrzehnten mit den Kollegen „sein Reich” nennen konnte. „Damals wurden noch fast alle Arbeiten per Hand erledigt”, erinnert er sich.

Das ist heute anders: Roboterarme schwenken, wohin das Auge schaut - viele Vorgänge laufen computergesteuert. Doch trotz aller Veränderungen in der Produktion - eines ist über alle Jahre gleich geblieben: Sekurit stellt, nun bereits seit 1972 - der Zeit von Dresens Anfängen bei Saint-Gobain - Verbundsicherheitsglas (VSG) für die Automobilindustrie her. „Made in Stolberg” ist für Windschutzscheiben - schon im 40. Jahr - ein echtes Gütesiegel. Wer sich in diesen Tagen den Weg über die verstopften Autobahnen in Richtung Urlaub bahnt, kann sicher sein: Stolberger Glas ist im dichten Smokenebel auf den Asphaltpisten der Republik - ebenso wie im Ausland - niemals weit.

Denn auf die „Sekurit”-Verglasung will momentan neben Ford und VW auch Daimler Großabnehmer der Kupferstädter Qualitäts-Scheiben - für große Teile seiner noblen Wagenflotte nicht verzichten. Rund 1,3 Millionen Windschutzscheiben starten deshalb jährlich ihre Reise aus dem Werk „Nikolausstraße” zu den namhaften Herstellern der Automobilindustrie - und machen sich, verbaut im aktuellen VW-Golf, dem Ford Focus, der Mercedes-Benz CLS-Klasse oder einem der anderen Modelle „made in der Kupferstadt” auf die Reise in die weite Welt.

Für einen möglichst reibungslosen Produktionsablauf sorgen knapp 250 Mitarbeiter. Und in eben diesen dürfen unsere Leser bei ihrer Tour exklusiv hineinschnuppern. Als es für die 20-köpfige Gruppe - eigens ausgerüstet mit orangefarbenen Warnwesten und dicken Sicherheitsschuhen - in die „heiligen Hallen” des Werkes, die Produktionsstätten, geht, durchlaufen gerade Scheiben für die E-Klasse von Mercedes-Benz die „IL8”, eine der insgesamt zwei Produktionslinien.

Metin Ceremesiz, der Linienverantwortliche, übernimmt die Führung. Es ist sein „Revier”, Ceremesiz ist hier der Chef. Sein Bereich ist „top secret” - streng geheim: „Keine Fotos oder Aufnahmen bitte”, nordet Sandra Thomaßen, zuständig für die Unternehmenskommunikation, unsere Leser bereits bei der Auftaktpräsentation ein. Die sensiblen Produktionsprozesse der Scheiben sind nicht für die Welt außerhalb der Werkstore - und vor allem die Augen und Ohren des Wettbewerbs - bestimmt.

Bei den Besuchern gibt es viele gespannte Blicke, als sie in die Halle kommen. „Diese ganze vollautomatische Steuerung”, staunt Leser Norbert Kuhl. Ständig ist das Glas in Bewegung, meist ohne, dass Menschenhände in den Prozess eingreifen. Gelbe Roboterarme schwenken streng monoton im Takt, Produktionsbänder rollen und rattern in gleichmäßigem Tempo. Der Geräuschpegel zwischen den Maschinen ist hoch, die Kommunikation funktioniert nur über einen „Knopf im Ohr”. Der Weg führt an einem Computerterminal vorbei. Hier steht ein Mitarbeiter vor einem Dutzend Bildschirme und kontrolliert die Arbeit der Technik. „Es gibt schon noch viele Menschen, gerade hinter den Kulissen”, betont Thomaßen.

Handwerker etwa, die bei Problemen oder Störfällen in der Produktion sofort eingreifen könnten. Einen solchen erleben die Besucher in Abschnitt 3. Eine Scheibe ist in Mitleidenschaft gezogen worden und muss aussortiert werden. Der Mitarbeiter zieht seine Sicherheitshandschuhe an, prüft das Glas ein letztes Mal, und entnimmt es dann dem Prozess. Alles ist transparent: Die Leser können durch gläserne Wände live zuschauen. „Ist es da drin genauso heiß wie bei uns”, fragt eine Leserin leicht besorgt. „Nein, da gibt es eine Klimaanlage”, kann Thomaßen beruhigen - ein knochenharter Job sei es natürlich trotzdem.

Doch schön der Reihe nach. Denn der Weg der späteren Windschutzscheiben beginnt in Bereich 1, als rechteckige Flachglasscheibe, frisch geliefert von den Geländenachbarn der Saint-Gobain Glass. Wie aus diesen „gewöhnlichen” Glasplatten am Ende schicke, elegant gebogene Windschutzscheiben werden, erfahren unsere Leser zunächst in der Theorie - ehe sie alles hautnah miterleben können: Ob die gigantische „Waschanlage” mit ihren vielen Bürsten für die Scheiben nach dem Schneide- und Schleifvorgang, die bis zu 650° C heißen Öfen für den Biegeprozess, die Druckkammern und Walzen, mit denen die beiden Gläser (s. Kasten) und die Folie verbunden werden, überall sind die Besucher nah dran.

Norbert Kuhl hat eine andere Station besonders beeindruckt: Die Endkontrolle. Dort nimmt ein Mitarbeiter letztes Augenmaß, ehe die fertigen Scheiben vom Band gehen. Anhand von Lichtdurchleuchtung erkennt er kleinste Fehler - die Arbeit erfordert so viel Konzentration, dass alle halben Stunden der Mitarbeiter ausgewechselt wird. „Was die Männer leisten, das ist wirklich grandios”, sagt Kuhl, als er die Hallen verlässt. Er ist - wie auch die anderen Leser - begeistert von den Einblicken in die Produktion der Windschutzscheiben „made in Stolberg”.

Nur noch wenige Plätze frei bei den Lesertouren

Nahezu komplett ausgebucht sind die Lesertouren unserer Zeitung. Die jeweiligen Teilnehmer werden separat benachrichtigt. Nur noch wenige Plätze frei für den Schnupperkurs rund ums Pferd auf Gut Hassenberg am Dienstag, 14. August, von 10 bis 12 Uhr. Die Teilnehmer sollten mindestens sieben Jahre alt sein.

Anmeldungen unter Angabe der Aboplus-Nummer sind möglich per Email lokales-stolberg@zeitungsverlag-aachen.de . Weitere Infos gibt es unter der Telefonnummer 02402 / 12600-31.
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