Begeisterung für Zirkus hält sich oft in Grenzen

Von: Lea-Marie Kreus und Ricarda Peters
Letzte Aktualisierung:
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Brot für die „Wachhunde“: Die Gänse Emily und Abigail bewachen den Zirkus Amany, der sein Winterquartier auf dem Atscher Kistenplatz aufgeschlagen hat. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Vertilgen täglich Futter im Wert von rund 70 Euro: Ziege „Moby“ und die rund 30 anderen Tiere des Zirkus Amany.

Stolberg. Es war eine unruhige Nacht für Regina und Ludwig Neigert. Venus, ihr Pferd, leidet unter Koliken, einer Fehlfunktion des Verdauungstrakts. Der Besuch des Tierarztes kostete die Familie nicht nur Nerven, der finanzielle Aufwand – die beiden werden mit 300 Euro zur Kasse gebeten – sorgte direkt für das nächste Problem.

Zudem benötigen auch die 30 anderen Tiere vom Zirkus Amany Futter. Die Gänse Abigail und Emily brauchen unter anderem Brot, die Ziegen ihr Heu, und auch das Lama möchte gefüttert werden.

Die 70 bis 80 Euro, die die seit sieben Generationen bestehende Zirkusfamilie Neigert täglich für das Futter aufbringen muss, sind eine Menge Geld. Daneben muss die Großfamilie, die Neigerts zählen 13, natürlich auch selbst schauen, wie sie über die Runden kommt. Die Nebenkosten sind hoch, Ludwig Neigert hat kürzlich erst das große Zelt abgebaut, um es nicht unnötig heizen zu müssen.

Das größte Problem für die Zirkusfamilie: Es gibt wenig bis gar keine Plätze, auf denen sie ihre Zelte aufschlagen kann. „Auf dem Bendplatz zum Beispiel sind 700 Euro täglich fällig, wie sollen wir das bezahlen?“, verweist Regina Neigert auf die zum Teil saftigen Stellplatzmieten auf den großen Plätzen in unserer Region.

Hallen, vor allem ungenutzte, werden den Zirkusleuten nicht zur Verfügung gestellt. „Ansprechpartner verschließen ihre Ohren, sobald das Wort ‚Zirkus‘ oder ‚Tier‘ fällt,“ sagt Ludwig Neigert kopfschüttelnd.

Seit Ende Oktober ist der 53-Jährige jetzt schon mit seiner Frau, seinen Kindern und seinen Enkelkindern in der Winterpause auf dem Atscher Kistenplatz. Und das noch bis voraussichtlich Anfang März. In dieser Zeit finden die Proben für die nächste Saison in einem kleinen Zelt statt. Selbst die jüngste Enkeltochter zeigt mit nur 18 Monaten schon Ambitionen zur Akrobatik.

Die Zeiten haben sich geändert, die finanzielle Misere der Neigerts rührt auch daher, dass die Zuschauer schlichtweg fernbleiben – leere Ränge treiben dem Familienoberhaupt die Tränen in die Augen. Die Kinder, die ihr Taschengeld früher für Zirkusbesuche ausgegeben haben, sagt er, investieren heute lieber in elektronische Geräte.

Vom Zirkus begeistern ließen sich mittlerweile fast nur noch Kindergartenkinder, die mit ihren Großeltern eine Vorstellung besuchen und Spaß an Akrobatik, Tieren und Clowns haben.

Mit Ferienaktionen, bei denen behinderte Kinder in Kontakt kommen mit den Tieren von Regina und Ludwig Neigert, verdient die Familie etwas Geld dazu.

Trotz all der Probleme können die Neigerts sich ein Leben ohne den Zirkus nicht vorstellen. „Meine Kinder und meine Enkel sind bei mir, das ist gerade das Schöne am Zirkusleben“, betont Neigert. „Ich kann auch nichts anderes als Zirkus“, fügt er hinzu.

Neben dem Zirkus Amany ist auch der Zirkus Benito – die Mitglieder gehören ebenfalls zur Familie – immer mit dabei.

Über jegliche Spenden, vor allem über Futter – in Form von Heu, Stroh und Hafer –, würde sich die Familie Neigert vom Zirkus Amany wirklich sehr freuen. Wer gerne spenden möchte, wendet sich dazu bitte an Regina Neigert, Telefon 0157/72539999.

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