Stolberg-Breinig - „Bärenstarke” Jungs und flotte Kinder beim Radsporttag

„Bärenstarke” Jungs und flotte Kinder beim Radsporttag

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
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Der Radsporttag ist immer auch ein bisschen Volksfest: Dass aber auch klasse Sport geboten wird, zeigen schon die U17-Fahrer. Foto: K. Linden

Stolberg-Breinig. Bei Helmut Matheis ist es, nun ja, „lecker warm”. Der Stolberger steht am Grill im Büdchen des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK).

Im Schatten der Kirche St. Barbara, direkt an der Start- und Ziellinie, hat er einen exklusiven Arbeitsplatz, denn abgesehen von der Wärme, die der Elektrogrill mit den Frikadellen ausstrahlt, haben Matheis und die anderen Rotkreuz-Ehrenamtler einen erstklassigen Blick auf die Fahrer, die sozusagen im Akkord an ihnen vorbei rasen.

Keine Zeit für einen Plausch

Gleich fünf Wettkämpfe beginnen und enden in dem schönen, historischen Straßenzug Alt-Breinig direkt vor Matheis´ Augen, für die Rennverantwortlichen bedeutet so ein langer Tag vor allem viel Arbeit. Das Rennen der Kinder ist gerade vorbei, da sucht der schwer beschäftigte Rainer Sorge den Karton mit den Trinkflaschen, die jedes der rund 25 Kinder bekommt.

Zeit für einen Plausch bleibt dem Organisator kaum: Während des Männer-C-Rennens legt er erst noch ein paar Papiertischdecken an der Kuchentheke aus, er kümmert sich um Urkunden, Rotkreuz-Helfer, Kaffeemilch, spricht zwischendurch mit Polizei und Ordnungsdienst, dann hat er wieder das Handy am Ohr.

Druck? „Nein, der ist eigentlich vorbei”, sagt er, als die C-Männer in die 18. von 50 Runden gehen. Man mag es kaum glauben, aber vieles von dem, was nach Stress aussieht, ist halt Routine für einen wie Rainer Sorge, der diesen Job schon seit über 25 Jahren macht. Und er weiß, worauf er sich verlassen kann: auf die knapp 30 Helfer, die am Streckenrand oder an der Verpflegungsständen für die Zuschauer Dienst tun.

Der erste Schrei des Tages kommt gegen Viertel nach Zwölf. Da rast gerade Simon Schultheis vom Cycling Team Bochum über die Linie, mit einer Radlänge Vorsprung gewinnt er das Rennen der Jugendlichen unter 17 Jahren. Mit einem 40-km/h-Schnitt haben die 14 im Rennen verbliebenen Jungs die 33,6 km (28 Runden) absolviert, ein unglaublich hohes Tempo. Und Rennkommissär Karl Schmidt muss erkennen, dass er sich bei aller Erfahrung auch schon mal verschätzt. Kurz bevor er die Glocke zur letzten Runde läutete, hat er nämlich noch Raven Lübbers als sicheren Tipp genannt: „Der Junge ist bärenstark.”

Doch was Schmidt nicht weiß: Lübbers, der zwischendurch mehrere Prämienwertungen gewinnt, hat am Ende mit seinem Kreislauf zu kämpfen und wird „nur” Zweiter. Sein Vater weiß auch, warum: „Ja Junge, morgens nur ein Toastbrot, dann nichts mehr essen, das ist schlecht.”

Rainer Sorge freut sich unterdessen, dass zuvor schon das Kinderrennen ein Erfolg war. Je nach Alter sind zwei bzw. drei Runden zu bewältigen, für manch einen ein Klacks, für andere eine Herausforderung. „Manche Kinder wollen mehr fahren”, sagt Sorge, „aber wir haben das extra dosiert, denn einige sind sehr ehrgeizig und überschätzen sich. Gerade die Kleinen versuchen dann, das Tempo der Großen mitzufahren, und das wäre bei der Wärme gefährlich”, erklärt er, warum man den Kurs auf 2,4 bzw. 3,6 Kilometer begrenzt hat.

Markus Ganser stürzt

Froh ist Sorge zu diesem Zeitpunkt, dass es bislang keinen schweren Sturz auf dem 1,2 Kilometer langen Rundkurs gegeben hat, der einige scharfe Kurven vorhält und zur Sicherheit an einigen neuralgischen Punkten mit Rotkreuz-Sanitätern besetzt ist. Da weiß Sorge noch nicht, dass sich bei der Duathlon-Premiere (ausführlicher Bericht in unserer morgigen Ausgabe) ausgerechnet Markus Ganser am Frackersberg überschlagen wird.

Der Lokal-Matador muss auf der Radstrecke bei rund 80 km/h bergab einem Auto ausweichen, das trotz Absperrungen plötzlich auf der Straße fährt, und bugsiert sein Rad und sich selbst in den Graben. Ein Glück, dass dem erfahrenen Fahrer außer ein paar Kratzern fast nichts passiert. Ganser kann sogar weiterfahren und gibt das Rennen erst auf, als ihm auch noch eine Reifenpanne einen Strich durch die Rechnung macht.

Nach den Jugendlichen geht in Breinig die Männer-C-Klasse an den Start. Spannend ist das Rennen, wie das vorherige, auch deshalb, weil die von Sponsoren ausgerufene Rundenprämien immer wieder für Sprints sorgen: Wer eine prämierte Runde gewinnt, steckt sich noch ein paar Euro in die Tasche, acht Mal passiert das insgesamt auf der 60-km-Strecke der Männer.

Prämien angesagt

Angesagt werden die Prämien von einer ganz bekannten Stimme: Udo Bährens darf man ruhig als Radsport-Urgestein bezeichnen. Früher selbst als Rennfahrer im Sattel, sitzt er jetzt in seinem Bus mit all seinem Equipment und übernimmt nicht nur alle wichtigen Durchsagen, sondern auch die Unterhaltung der Zuschauer. Dass zwischendurch immer mal Zeit bleibt, per Mikro einen alten Bekannten zu grüßen, versteht sich von selbst.

Ähnlich gut gelaunt sind die sechs Rennkommissäre des Bundes Deutscher Radfahrer auf den Plätzen neben ihm. Doch für sie heißt es auch immer wieder: volle Konzentration aufs Renngeschehen. Mit der Erfahrung aus vielen Rennjahren haben die Kommissäre, die alle aus dem Aachener Bezirk stammen, jede Rundenplatzierung im Griff. Meist reicht das bloße Auge, für Streitfälle läuft aber immer eine Zielkamera mit.

Um 17 Uhr ist es dann soweit, der Höhepunkt des Tages. Am Streckenrand haben sich die Reihen der Zuschauer mittlerweile gut gefüllt, denn nun sind die Profis an der Reihe. Es wird ein spannendes Rennen, in dem am Ende Michael Kurth vom Team Kuota-Indeland als Dritter aufs Podium fährt, hinter Andreas Stauff (Quick Step) und dem Sieger Robert Wagner (Skill Shimano).

Und als der um kurz vor 19 Uhr auf der Ziellinie die Arme hochreißt, da ist auch Rainer Sorge zufrieden, denn ein gelungener Radsporttag geht zu Ende. Zwar hat kein Fahrer von Kuota-Indeland gewonnen, doch Sorge sieht´s sportlich: „Der Beste soll gewinnen.” Das war diesmal eben Robert Wagner.
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