Stolberg-Büsbach - Autofahrer ignorieren Absperrungen: Wild West auf Büsbacher Kreuzung

Autofahrer ignorieren Absperrungen: Wild West auf Büsbacher Kreuzung

Von: Jürgen Lange
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Selbst gestern noch quetschten
Selbst gestern noch quetschten sich Fahrzeuge, wie der Kastenwagen links, an den Absperrbaken vorbei über den Foto: J. Lange

Stolberg-Büsbach. Den Hauch des wilden Westen verbreitet die Baustelle auf der Kreisstraße 13. Auf der Büsbacher Kreuzung und der Einmündung des Meisenwegs werden am Wochenende die Autofahrer der unbegrenzten Freiheit wahr.

Was Westernreiter auf ihren Turnieren als „Trail” - ohne Absitzen durch Weidetore zu gehen - üben, das praktizieren Verkehrsteilnehmer bis zur Perfektion. Seit Freitag bis in den Montag hinein ist die K 13 von ihrer Kreuzung mit der Aachener Straße bis hin zur Einmündung von Holderbusch und Meisenweg großräumig wegen Asphaltierungsarbeiten für den Verkehr gesperrt - eigentlich. Denn die Realität schreibt eine andere Geschichte.

Ordentlich mit Baken hat das tätige Tiefbauunternehmen die Fahrtrichtung nach Büsbach auf der Prämienstraße vorgegeben: In die verkehrsberuhigte Meigenstraße, durch die sich über den Grünen Weg der Begegnungsverkehr dann zur Aachener Straße vortastet. Was unverändert bleibt ist die Ampelschaltung: Während die lange Grünphase für die Geradeausspur auf der Prämienstraße gesperrt ist, bleibt die lange Rotphase für den gezwungenen Rechtsabbieger.

Die Folge sind Hupkonzerte hinter den wenigen Autofahrern, die sich an die Lichtsignale halten. Aber die Mehrheit ignoriert - auch angesichts des Verkehrsdrucks - die Ampel, fährt in die und aus dem Meisenweg bei Rot, ignoriert Fußgänger-Grün und Passanten. Wieder Andere lassen Verkehrsführung etwas für Theoretiker sein, umkurven die Baken und brettern in Richtung Büsbach.

Dort hatte ein Autohaus schon vorgesorgt, und den alt bekannten Schleichweg über den Betriebshof zwischen Konrad-Adenauer- und Aachener Straße mit einer kleinen Autoausstellung verwehrt. Ordentlich abgesperrt gen Münsterbusch und Aachen war auch der Kreuzungsbereich - eigentlich.

Denn am Freitagabend waren die Arbeiten soweit gediehen, dass die den Kreuzungsbereich querenden Baugruben passierbar erscheinen - ganz offensichtlich für den Western tauglichen Autofahrer. Der kommt aus Richtung Münsterbusch „angaloppiert” und will nach Aachen oder Büsbach. Vor der Kreuzung zieht er die Zügel, bleibt kurz stehen, sondiert das Gelände und gibt vorsichtig Gas. Vorbei an dem quer gestellten Bagger gehts mehr oder weniger vorsichtig auf den Bürgersteig. Dann lässt der Hindernisparours dem Cowboy die Wahl: über den rechten Bürgersteig vorbei zwischen Pollern und Hauswänden bis zur Einmündung Dickenbruch wieder auf die Fahrbahn oder alternativ über den linken Bürgersteig und dann weiter in Richtung Gedau.

Wer in die Büsbacher Innenstadt will, hats ungleich schwieriger. Hat das Gefährt die erste Hürde genommen, ist der Beifahrer - falls vorhanden - gefordert. Aussteigen, Bake auf Seite setzten, Vorbeifahren, Bake wieder richtig platzieren, Einsteigen; dann gehts entweder weiter Richtung Markt oder der Wagen wird gewendet, um seine Fahrt über die Aachener Straße oder Lehmkaulweg ins Stolberger Tal fortzusetzen.

Derweil wiederholt sich auf der freien Verkehrsachse zwischen Innenstadt und Büsbach das „Ampel-Spiel”, das auch am Meisenweg zu beobachten ist.

„Es ist unglaublich, was sich hier abspielt”, sagt ein pensionierter Bänker, der schon seit zwei Stunden das Spektakel mit zahlreichen anderen interessierten Besuchern aus der Gaststätte „Zur Barriere” heraus beobachtet. „Das Größte ist jedoch, dass die Polizei einfach zusieht”, erklärt der ehemalige Filialleiter. Eine ganze Zeit lang habe am frühen Abend ein Streifenwagen vor dem Autohaus das ordnungswidrige Verhalten des fließenden Verkehrs beobachtet, eingeschritten seien die Beamten aber nicht.

Ein anderer Streifenwagen zieht dagegen gegen 21.20 Uhr die Blicke der Passanten auf sich. Der Passat kommt aus Richtung Münsterbusch, hält vor der Absperrung, schaltet das Blaulicht an, der Beifahrer steigt aus und räumt Baken aus dem Weg und wieder an ihren Platz, nachdem der Kollege durchgefahren ist, der Beifahrer steigt ein, der Streifenwagen wendet und fährt ohne Blaulicht über die Aachener Straße zum Grünen Weg, wo ein kleiner Unfall aufzunehmen ist. Den hätten die Beamten vermutlich einfacher erreicht, wenn sie direkt über die Liester gefahren wären. Aber Beschwerden über das Verkehrsverhalten an der Büsbacher Kreuzung liegen zu dieser abendlichen Stunde im Polizeipräsidium nicht vor.

Sauer sind allerdings Anwohner des gesperrten Stücks der Aachener Straße wie auch von Meisen- und Grüner Weg, dass nicht auch Mühlenrötschen als Umleitungsstrecke frei gegeben wurde. „An drei Tagen im Jahr könnten sich die dortigen Anwohner auch einmal solidarisch zeigen”, sagt eine Bewohnerin des Meisenwegs. Und ein Anlieger der Aachener Straße ergänzt: „Auf Mühlenrötschen überwacht sogar die Polizei das Anlieger-Gebot, während ich über die Obersteinstraße oder am besten gleich über Brand zum Einkaufen nach Büsbach oder Münsterbusch muss.”

Während am kommenden Wochenende der Abschnitt der K 13 zwischen Meisenweg und Schafberg gesperrt wird, prüft derzeit die Polizei nach Anfrage unserer Zeitung, ob Beamte entgegen der gemachten Beobachtungen doch eingeschritten sein könnten.
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