Ausstellung widmet sich „außergewöhnlichen Körperformen“

Von: Dirk Müller
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Der Künstler Wolfgang Debold ist selbst Inhaber einer außergewöhnlichen Körperform und wirbt mit seiner „Artibus“-Sonderausstellung für mehr gesellschaftliche Akzeptanz. Foto: D. Müller

Stolberg. Die „Artibus“-Sonderschau ist in erster Linie eines: eine enorm beeindruckende Kunstausstellung. Faszinierende Zeichnungen, Rauminstallationen und großformatige, hoch künstlerische Fotografien des Diplom-Designers Wolfgang Debold sind ab Freitag, 28. Juni, in der Burg-Galerie zu sehen und lassen die Herzen der Kunstfreunde höher schlagen.

Doch „es ist auch eine mutige Ausstellung“, sagt Debold. „Aber ich bin ja selbst Inhaber einer außergewöhnlichen Körperform.“ Probleme habe er nicht damit, wenn andere von Behinderung oder Handicap sprechen. „Ich persönlich habe mich nur irgendwann für eine andere Formulierung entschieden“, erklärt der Contergan-Betroffene.

Seine Ausstellung „Menschen mit außergewöhnlichen Körperformen“ zeigt etwa eine Schwarz-Weiß-Fotografie in der mit Sektgläsern angestoßen wird – eins wird mit einer Hand gehalten, das andere mit einem Fuß. Auf einem anderen Foto sitzt ein Schuh nicht am Fuß, sondern direkt am Oberschenkel. Die durch das Medikament Contergan hervorgerufenen außergewöhnlichen Körperformen finden sich auch in Debolds Zeichnungen wieder.

„Körperformen ausprobieren“

In einer Kirchenszene faltet ein Mensch die Füße zum Gebet, zwischen vielen Autos in einem Parkhaus befindet sich ein Rollstuhl. Lebensgroße Menschen-Schablonen sind im Raum der Burg-Galerie installiert.

Ausgeschnitten sind die Umrisse von Menschen mit langen und dünnen Gliedmaßen, von untersetzter Statur und eines armlosen Contergan-Betroffenen. Diese Installationen sollen nicht nur betrachtet werden. „Besucher können gerne hindurchgehen und mal eine andere außergewöhnliche Körperform als die eigene ausprobieren“, lädt der Künstler ein.

Gesellschaftliche Akzeptanz

Die Kunstausstellung sei im weitesten Sinne eine Werbekampagne für Menschen außerhalb der Norm und wage einen Spagat zwischen gesellschaftlicher Akzeptanz auf der Basis der gezeigten Inhalte und der teils brutalen Wirklichkeit Contergan-Betroffener, die gezwungen seien, eigene Mechanismen des Alltags zu entwickeln, erläutert Debold.

„Für uns ist diese Ausstellung ein Glücksfall, auch weil sie zeigt, dass von Contergan geschädigte Menschen nicht auf ein Abstellgleis gehören“, meint Kulturmanager Max Krieger, und Bürgermeister Ferdi Gatzweiler stimmt ihm zu: „Das Thema ist ein Teil der Stolberger Vergangenheit und der Gegenwart der Betroffenen sowie auch der Zukunft unseres Landes. Ich denke da an das Thema Inklusion, dass erst noch in den Köpfen der Menschen ankommen muss.“

Die aktuelle Sonderausstellung in der städtischen „Artibus“-Reihe sei sehr geeignet, dazu beizutragen, meint der Bürgermeister. Kunst habe unter anderem die Qualität, sensible Themen offensiv ansprechen zu können, und Stolberg sei der richtige Ausstellungsort, betont Debold. „Ich bin aber nicht hier, um mit dem Finger auf die Bösen zu zeigen, die es schuld sind“, stellt er klar.

„Solange die Stolberger Firma Grünenthal als Verursacher der Schädigungen durch das Medikament Contergan und die davon Betroffenen Gäste auf der Erdoberfläche sind, werden beide Seiten zwar auch etwas miteinander zu tun haben.“ Die Ausstellung solle aber keine Anklage sein, sondern Debold verstehe sie als Kommunikationsplattform für beide Seiten und natürlich als eine Schau für alle Kunstinteressierten.

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