Stolberg - Ausbildungsquote soll höher werden

Ausbildungsquote soll höher werden

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
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Die Richtung muss stimmen für mehr Ausbildung: Eine Hauptschülerin meldet sich im Unterricht. Foto: dadp

Stolberg. Auf den ersten Blick passen die Zahlen so gar nicht zusammen: Während die Wirtschaft zunehmend einen Mangel an Fachkräften beklagt, der in manchen Branchen schon zu einer deutlichen Belastung wird, finden nur 20 bis 30 Prozent aller Hauptschüler direkt nach dem Ende ihrer Schulzeit einen Ausbildungsplatz.

Dabei wissen auch die Unternehmen, dass Ausbildung der beste Weg ist, Fachkräftemangel vorzubeugen.

„Wissen nicht, was sie wollen”

Häufig jedoch klagt die Wirtschaft über nicht ausbildungsfähige Jugendliche, ebenso laut klingt aus der anderen Richtung der Vorwurf, viele Unternehmen seien gar nicht ausbildungswillig.

Jugendliche, die nach der Hauptschule keine Lehrstelle finden, landen in der Regel auf dem Berufskolleg, um sich an den dortigen Fachschulen einer beruflichen Grundbildung zu unterziehen, an deren Ende dann doch ein - verspätet gefundener - Ausbildungsplatz stehen soll.

„70 Prozent der Schüler wissen aber gar nicht, was sie machen wollen”, sagt Siegfried Pietz, Koordinator für Handwerks- und Dienstleistungsberufe der technischen Abteilung des Berufskollegs Eschweiler.

Berufskollegs und Hauptschulen wollen diesen Zustand nun verbessern: „Wir wollen die bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen den Hauptschulen und Berufskollegs intensivieren, um die Zahl der Ausbildungsverträge bei den Schülern direkt nach Beendigung der Hauptschule deutlich zu erhöhen”, sagt Pietz.

Eine Zusammenarbeit, die in der Tat ausbaufähig ist. „Es wäre hilfreich, wenn wir als Schule punktgenaue Ansprechpartner bei den Berufskollegs hätten”, sagt Jörg Klein.

Für den Leiter der Hauptschule Kogelshäuserstraße können die Berufskollegs bei der Berufswahlorientierung ein wichtiger Partner sein, dafür müsse in der Kooperation aber nachjustiert werden: Berufskollegs seien riesige, schwer überschaubare Systeme.

Weil sie aber vielen Hauptschülern notwendige Weiterqualifizierungen bieten können, um in Ausbildung zu kommen, müssten diese das Berufskolleg auch schon während ihrer Schulzeit kennen lernen. „Das gilt für beide Seiten, aber die ganz engen Kontakte haben wir einfach nicht.”

Als Positivbeispiel könne die Initiative der Hauptschule Eschweiler-Mitte dienen, sagt deren Leiterin Birgit Schultes-Zartmann. Dort haben Auszubildende des zweiten Lehrjahrs, die am Berufskolleg die Berufsschule besuchen, die Schüler der 9. Klassen besucht und ihnen einen Einblick über ihre Ausbildung gegeben.

Bei den Schülern sei das sehr gut angekommen, sagt Schultes-Zartmann. „Wenn junge Leute untereinander reden, fällt das auf viel fruchtbareren Boden.”

Die Berufskollegs und Hauptschulen der Region haben sich deshalb Ziele gesetzt: Im gegenseitigen Dialog sollen Berufsschüler die Hauptschule und Hauptschüler den Unterricht der Berufsschule besuchen. Um Synergieeffekte zu nutzen, sollen außerdem Hauptschullehrer am Berufskolleg hospitieren und Berufsschullehrer berufsbezogene Projekte im Hauptschulunterricht begleiten.

Intensive Begleitung

„Wir begleiten die Schüler sehr intensiv sechs Jahre lang von Klasse 5 bis 10”, sagt Jörg Klein und fordert ein Übergangsmanagement für die Zeit danach, zumal die meisten Hauptschüler früher oder später am Berufskolleg landen. „Unsere Aufgabe ist es, alle aufzunehmen”, sagt Siegfried Pietz.

Schüler mit 10a-Abschluss besuchen, wenn sie eine Lehrstelle haben, die Berufsschule; ohne Ausbildung können sie ein Berufsgrundschuljahr machen. Wer den 10b-Abschluss (Fachoberschulreife) mache, gehe oft zur Höheren Handelsschule, um dort einen höheren Abschluss zu erlangen. „Wir können sogar Leute in der Berufsausbildung bis zum Abitur führen”, sagt Pietz.

Wichtigstes Ziel bleibt aber zunächst die Berufswahlorientierung für Hauptschüler. „Wir versuchen, auf die Wirtschaft zuzugehen”, sagt Jörg Klein. „Es wäre schön, wenn auch von den Betrieben Schwellenängste abgebaut würden.” Und da können die Berufskollegs durch ihre Kontakte in die Wirtschaft sicher vermitteln: „Man muss den Betrieben sagen, dass die Hauptschulen die Kontakte suchen”, sagt Pietz.

Einigkeit demonstrieren alle drei, Schultes-Zartmann, Klein und Pietz, mit ihrem Appell: „Wir brauchen das Interesse und die Unterstützung der Unternehmen, sich bei der Suche nach Auszubildenden vermehrt den Hauptschülern zuzuwenden.”

Wenn der Fachkräftemangel aber in Zukunft weiter um sich greift, wird diese Erkenntnis bald wohl auch ganz ohne Appell bei den Unternehmen Einzug halten.
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