Auf einer Höhe mit dem deutschen Fußball

Von: Heike Eisenmenger
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Für sie endet am Montag der Aufenthalt in Stolberg: Die Jugendspieler des „Bavarian Soccer Club Milwaukee” treten die Rückreise an. Foto: Eisenmenger

Stolberg. Für guten Fußball ist ihnen kein Weg zu weit: Rund 7000 Kilometer haben die Kicker vom „Bavarian Soccer Club Milwaukee” zurückgelegt, um „German football” zu erleben. Ziel ist ein Austausch auf sportlicher Ebene, von dem beide Seiten profitieren.

Der einzige Deutsche in der Gruppe, die für einige Tage im Hotel am Kaiserplatz übernachtet hat, ist der ehemalige Profispieler Andreas Davi, der Sportdirektor des Clubs ist.

Fußball keine Randsportart

Dass im Land des Foot- und Basketballs Fußball eher eine Randerscheinung ist, verneint der 34-Jährige rigoros. Fußball nehme eine durchaus wichtige Stellung im Sport ein. Davi: „Es ist ein Vorurteil, dass der US-amerikanische Fußball schlechter als der in Deutschland ist. Im Nachwuchsbereich ist man in Amerika sogar deutlich besser.”

Damit meint er primär die Einstellung zum Sport an sich. „Es herrscht mehr Disziplin auf dem Platz und auch im Training”, präzisiert Davi, „man bedenke doch nur einmal die vielen Karten, die bei einem deutschen Fußballspiel gezeigt werden.” In Amerika gebe es das so nicht, versichert Davi, der in seiner Profizeit auch für Bayer Leverkusen spielte.

Gleichwohl habe auch der deutsche Fußballnachwuchs seine Qualitäten. „Hier ist mehr Cleverness im Spiel, und der Fußball ist generell körperbetonter.” Auf taktischer und konditioneller Ebene sei der Leistungsstand identisch.

Ein weiterer Vorteil des amerikanischen Fußballs ist allerdings profaner Natur: „In den Staaten wird viel mehr Geld in den Fußball investiert. Die Mitgliedschaft im Bavarian-Club Milwaukee etwa kostet zwischen 1000 bis 2000 Dollar. Dank der finanziell besseren Rahmenbedingungen können Trainer aus dem Profibereich verpflichten werden.

Nach Deutschland gereist ist der Club mit sieben Nachwuchskickern (U15, U16 und U17) sowie die Erstvertretung. Die Jugendlichen, die bereits seit zehn Tagen hier sind, packen heute ihre Koffer. Noch bis zum 10. August bleiben wird die 1. Mannschaft, die sechsfacher Amateur-Meister in Folge in ihrer Heimat ist.

Im Fokus stand bei den Jugendlichen das Training mit Alemannia Aachen. „Es war uns fest zu gesagt worden, dass unsere Jungs zehn Trainingseinheiten mit der Alemannia-Jugend absolvieren würden”, behauptet der Sportdirektor.

„Tatsächlich sind es mit Müh und Not vier Einheiten geworden - und das nur dank des guten Willens der Trainer. Die Jugendlichen verehren Aachen und sind darum während ihres Aufenthalts in Alemannia-Trikots klar, dass sie total enttäuscht sind”, erzählt Davi.

Die Darstellung, den Klub aus den USA zum Training eingeladen zu haben, weist Alemannia Aachen allerdings entschieden zurück. „Wir haben doch nicht mal selbst Platz für unseren Nachwuchs”, sagt Pressesprecher Thorsten Pracht. Die Einladung sei allein auf die Initiative von Ex-Jugendleiter Willi Breuer zurückführen, der vor kurzem zum FC Köln gewechselt ist.

„Ja, ich habe die Kontakte geknüpft und war auch in Amerika beim Alemannia-Camp, das der Bavarian-Club organisiert hat”, bestätigt Breuer. Bevor er jedoch zum Kölner Verein wechselte, habe er alle Formalitäten, die den Besuch aus den USA betreffen, im Verein geregelt. „Das eigentliche Problem liegt darin, dass die Alemannia und ich unterschiedliche Vorstellungen von Nachwuchsförderung haben”, so Breuer.

Um die entstandenen Lücken zu füllen, suchte Sportdirektor Andreas Davi neue Kooperationspartner. „Bayer Leverkusen, Fortuna Köln und JS Wenau haben sofort zugesagt, mit uns zu trainieren”, freut sich Davi. „Bayer Leverkusen hat das ganze Jugendteam eingeladen, im Sommer wiederzukommen. Zwei Spieler will man aber bereits im Oktober sehen”, berichtet Davi.

Ein Austausch ist aber auch unter einem anderen Aspekt interessant: Der Verein aus Milwaukee unterhält eine enge Kooperation mit der Universität Marquette. Diese Kooperation hält den fußballbegeisterten Jugendlichen alle Möglichkeiten offen, resümiert Louis Bennett, Cheftrainer für Fußball an der privaten Universität.

„Die Nachwuchstalente erhalten bei uns eine hochwertige Ausbildung und werden parallel natürlich fußballerisch gefördert. Wenn es mit dem Fußball klappt, um so besser. Aber falls nicht, dann ist da immer eine Rückversicherung - uns ist es wichtig, unseren Schützlingen alle Wege offen zu lassen”, sagt Bennett, der Aachen und Milwaukee gerade wegen ihrer Eigenschaft als Universitätsstadt als ideale Kooperationspartner sieht.

Zwei Schweden, die Benkett im Rahmen eines Austauschprogramms in seinem Team aufnahm, haben indes den Sprung in die Profi-Liga bereits geschafft.

Über den Verlauf der „German-Tour” wird die Erstvertretung im Blog auf der Homepage bzw. berichten. Am kommenden Mittwoch wird die Erstvertretung des Clubs gegen die Senioren von Jugendsport Wenau spielen. Beginn des Freundschaftsspiels in Wenau ist um 20 Uhr.
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