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Auf der Burg werden die Uhren zurückgedreht

Von: Heike Eisenmenger
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Schnappschuss vom Burgritterlager am Wochenende. Zahlreiche Besucher kamen, um sich den Hauch des Mittelalters um die Nase wehen zu lassen. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Gäbe es eine Zeitmaschine, die einen in die Vergangenheit katapultieren könnte, dann würde Runa Sieking den Schalter auf „Transport“ legen. Die 14-Jährige war eine der aktiven Teilnehmer, die beim Stolberger Burgritterlager am Wochenende auf dem Faches-Thumesnil-Platz und auf der angrenzenden alten „Pestwiese“ ihre Zelte aufgebaut hatten.

Veranstalter waren wieder die Stolberger Burgritter. Allerdings fiel das Lager diesmal ein wenig kleiner aus: „Einige Gruppen mussten wegen Krankheit leider absagen, darum gibt es keine Stände auf dem unteren Burghof“, erzählte Ralf Herff, Vorsitzender der Burgritter. Mit gleichgesinnten Vereinen stellen die Burgritter während der beiden Tage im lockeren Rollenspiel das Leben im Mittelalter nach. Mobiltelefon oder auch Armbanduhr sind verpönt, „angesagt“ sind Holzklumpen und Bruche – letzteres ist die Boxershort des Mittelalters.

Runa trug ein einfaches Wollkleid und eine Pelzmütze. Mit dem drei Jahre jüngeren Nicolai Sonn half sie am Stand der Burgritter beim Getränkeverkauf. Obwohl die junge Alsdorferin die Nachteile des Lebens im Mittelalter durchaus kennt – bereits ein eitriger Backenzahn konnte mitunter einen qualvollen Tod bedeuten –, würde sie nach eigener Aussage lieber damals als heute leben. Genau genommen sogar zur Zeit der Kelten, noch vor Christi Geburt.

Runa glaubt, dass das Leben früher, wenngleich entbehrungsreicher, dennoch erstrebenswerter gewesen sei: „Es war nicht so kompliziert. Damals hat man viel mehr zusammengehalten. Mich stört auch, dass man heute nur etwas erreichen kann, wenn man die Norm erfüllt. Hast du keinen guten Schulabschluss, kriegst du keinen guten Job. Früher hing es aber davon ab, was du aus deinen Fähigkeiten gemacht hast.“

Ihr Vereinskamerad Nicolai Sonn hingegen würde nicht seinen Platz im Hier und Jetzt eintauschen wollen. Für einen überschaubaren Zeitraum gemeinsam mit seiner Familie ins Mittelalter einzutauchen, findet der Mausbacher aber spannend. „Es gab früher kein Plastik, das ist schon seltsam, ganz ohne Plastik auszukommen“, erzählte der Junge, der noch Knappe ist, aber zum Ritter ausgebildet werden wird.

Standesdünkel gibt es im Burgritterlager nicht. Edle Ritter und einfache Bauersleute teilen das Brot miteinander, was wohl nicht ganz den historischen Gegebenheiten entsprechen dürfte.

Das marokkanische Teezelt hingegen dürfte in Grundzügen authentisch sein: Muslime und Christen lebten zeitweise friedlich zusammen, und das Zelt, aus dem der Duft von frisch gebrühtem Minztee strömte, war zudem eine Bereicherung für das Burgritterlager. Erstmalig dabei war auch ein Stand mit Weihrauch aus unterschiedlichen Anbaugebieten, der viel Beachtung fand.

An beiden Veranstaltungstagen war viel los, und es kamen zahlreiche Besucher, um die Freikämpfe und Tänze zu sehen – trotz der vor allem am gestrigen Sonntag widrigen Witterung. Die Stolberger scheinen ihn also zu lieben, den Kurzaufenthalt im Mittelalter.

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