Auf dem Kalvarienberg brummen die Motoren

Von: Johannes Mohren
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Mensch und Maschine als Team im Kampf gegen Fehlerpunkte: Über Stock und Stein, durch enge Kehren oder über hohe Stufen geht es für die Trialer auf dem Kalvarienberg die schlammigen Erdhügel hinauf und hinunter. Bei den geschickten Manövern sind enorme Beweglichkeit und volle Konzentration gefragt. Foto: J. Mohren

Stolberg-Gressenich. Laut brummen die Motoren. Ein beißender Geruch von Benzin liegt in der Luft. Tiefe Fahrrillen zeichnen die nassen und schlammigen Pfade, dort, wo die Motorräder geräuschvoll durch den Wald rollen. An den Stellen, an denen das Gelände am unwegsamsten erscheint, sind sie abgesteckt: die Sektionen.

Mensch und Maschine winden sich hoch konzentriert durch diese Wertungsabschnitte, durch tiefe Gräben, über hohe Stufen, durch enge Kehren, steile, rutschige Erdhänge hinauf und hinunter.

„Allez!”, „Go!”, „Auf gehts!”: Überall schallen laute Anfeuerungsrufe durch den Wald. Vielsprachig geht hier es zu, schon die vielen ungewohnten Kennzeichen im „Fahrerdorf” abseits des Parcours verweisen auf das internationale Starterfeld. Die gelben, niederländischen Plaketten sind auf dem Weg zur Rennstrecke ebenso wie die roten, belgischen Zahlenkombinationen vertreten. Doch es sind nicht nur die allseits bekannten Nummernschilder der Nachbarländer, die an den Wohnwagen zu erkennen sind, auch englische Kennzeichen sind auszumachen und sogar ein Spanier hat sich auf den weiten Weg nach Gressenich gemacht.

Sie alle campieren rund um den Kalvarienberg, hier und dort finden angeregte Gespräche statt. „Das gehört zu dieser Veranstaltung unbedingt mit dazu”, berichtet der Vorsitzende der Motorrad-Interessensgemeinschaft (MISG), Arno Jahn. „Man kennt sich untereinander, es ist eine echte Gemeinschaft, die bei solchen Wettkämpfen wie hier in Gressenich immer wieder zusammenkommt”, erzählt er. „Auch wenn der Trialsport in den letzten Jahren durch einzelne Fernseh-Übertragungen der Großevents wie etwa der Weltmeisterschaften ein wenig an Bekanntheit und Popularität gewonnen hat, der Ansturm ist nicht so groß, dass man sich aus den Augen verlöre”, schmunzelt er.

In den einzelnen Sektionen haben die Starter dann aber, unabhängig welcher Nationalität, das gleiche Ziel: Möglichst fehlerfrei die Herausforderung meistern. Acht solcher Prüfungsabschnitte sind für die Starter im Einzelfahren, dem Solotrial, mit weißem Band abgesteckt, sechs gelb markierte Teilparcours müssen die Duos in der Seitenwagenklasse durchfahren. „Das ist noch einmal eine andere Herausforderung. Das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Beifahrer muss hier blind funktionieren, wenn die Abläufe nicht stimmen, funktioniert gar nichts”, weiß Jahn.

Für die Seitenwagenfahrer geht es dabei an diesem Pfingstwochenende in Gressenich nicht nur um den Tagessieg, gleichzeitig ist der Wettkampf eine wichtige Station im Eurocup, die Punkte von den Strecken am auf dem Kalvarienberg werden dringend für einen guten Platz in der Gesamtwertung benötigt.

Um möglichst fehlerpunktfrei eine Sektion zu verlassen ist die perfekte Harmonie zwischen Mensch und Maschine gefragt. „Hinzu kommen fahrerische Qualitäten. Geschicklichkeit, ein ausgeprägter, gut trainierter Gleichgewichtssinn und eine enorme Beweglichkeit sind wichtig, um zu bestehen”, hebt Jahn hervor, der neben seiner Aufgabe als Vorsitzender auch als Trainer für die Jugend des Vereins zuständig ist.

Nicht alle finden diese Balance, Bodenberührungen oder gar Stürze werden mit Strafzählern bedacht. Bis zu fünf dieser Art kann ein Fahrer aus einer Sektion mitnehmen, Fehler, die manchmal nicht nur im Kampf um Platzierungen wehtun. „Stürze gibt es schon, aber schwere Verletzungen sind doch eher eine absolute Seltenheit. Jeder hat ein gewisses Gespür für seine Fähigkeiten, eigentlich kennt jeder seine Grenzen und startet in der Schwierigkeitsstufe, die für ihn machbar ist”, berichtet Jahn. Regennasser Boden wie an diesem Wochenende erschwere aber das Fahren, sagt er, just, als ein Fahrer im rutschigen Steilhang die Kontrolle über seine Maschine verliert und mit einer schnellen Reaktion einen unsanften Sturz gerade noch abwenden kann.

Momente, die eine absolute Ausnahme darstellen. Denn was Mensch und Maschine auf dem Kalvarienberg zeigen, ist unfassbar. An beiden Tagen gehen jeweils über hundert Trialer an den Start und bieten an den steilen Erdhängen Sport, der zum Staunen einlädt. Fahrerische Extraklasse, der leichte Geruch von Benzin und das stetige Brummen der Motoren - es ist Sporterleben mit Auge, Nase und Ohr.
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