Auch die Holzindustrie unterliegt Modetrends

Von: Heike Eisenmenger
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Auf Entdeckertour: Justin Gottfried passt mühelos durch den hohlen Baumstamm am Museumssägewerk Zweifall. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Sägespäne wirbeln auf: Das Vollgatter wirkt wie ein Vorhang aus sich rasend schnell bewegenden Sägeblättern. Die messerscharfen Sägen arbeiten sich scheinbar mühelos durch den dicken Holzstamm.

Je weiter der auf dem Transportband liegende Stamm durch das Gatter geschoben wird, desto intensiver wird der Harzgeruch im Sägewerkmuseum. Ein Duft, den viele Menschen als angenehm empfinden, weil sie den Harzgeruch mit dem Begriff „Behaglichkeit” assoziieren. Der Holzgeruch zählt zu den Lieblingsdüften von Robert Jansen.

Alte Technik im jungen Museum

Der 50-Jährige ist der Vorsitzende eines junges Museums, das sich historischer Sägewerktechnik verschrieben hat. Jenes Museum im Solbachtal ist das Ziel unserer Sommer-Lesertour am Dienstag. Die Besichtigung des Museumssägewerks am Zweifaller Forsthaus bildet den Abschluss der diesjährigen Lesertour-Reihe.

Mehrere Jahre dauerte es, bis die Idee, historische Sägewerktechnik für die Nachwelt zu konservieren, realisiert werden konnte. Die Eröffnung war im März. Das Museum, das vor allem vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW unterstützt wird, erzählt die Geschichte der Zweifaller Holzindustrie. Das Herzstück sind zwei historische Maschinen, ein Gatter und eine Bandsäge aus den 30er Jahren, die aus Betrieben in der Umgebung stammen.

Die 19 Leser erfahren aber nicht nur Grundlegendes über die Arbeit im Sägewerk, sondern erhalten im Rahmen der spannend aufbereiteten Führung einen guten Überblick über die Forstwirtschaft an sich. „Der Begriff der Nachhaltigkeit, der in der Politik so gerne angewendet wird, stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und dem Bergbau. Für den Untertagebau ist Holz unerlässlich, darum darf nicht mehr Holz weggenommen werden, als nachwächst”, erzählt Forstdirektor Jansen.

Das Berufsbild des Sägewerkers hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. In erster Linie deswegen, weil sich die Technik weiterentwickelt hat. „Wo früher 15 Arbeiter nötig waren, sind es jetzt nur noch drei. Aber Drei müssen das gleiche Arbeitspensum erledigen wie 15 Mann”, so Gottfried Koll vom Museumsverein mit Hinweis auf die erhöhte Produktivität.

Die Produktivität und auch die Ausbeute des Rohstoffs - der Baumstamm wird fast zu 100 Prozent verwertet - hat zugenommen. Selbst Holzspäne werden verarbeitet, u.a. werden Pellets zum Heizen aus ihnen gemacht. „Wir haben früher aus gepressten Holzabfällen sogar Klobrillen gefertigt”, erzählt der ehemalige Sägewerker Eberhard Krings. Mit seinen 86 Jahren ist er der älteste Aktive im Verein.

Wie die Arbeit im Wald und im Sägewerk in früheren Zeiten ausgesehen hat, machen alte Fotografien in dem komplett aus Holz gezimmerten Museum deutlich. Auf einer der vergilbten Fotografien ist ein Holzrücker mit einem belgischen Kaltblüter bei der Arbeit im Wald abgebildet.

Pferde, die Wald Holz rücken, sind selten geworden. Heutzutage werden fast ausnahmslos Maschinen eingesetzt. Nachdem über Jahrhunderte mit purer Muskelkraft Bäume gefällt und zersägt wurden, stellte der Einsatz etwa von Motorsägen einen regelrechten Durchbruch dar. Im Dachgebälk sind gleich mehrere Modelle zur Veranschaulichung festgezurrt.
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