Auch Anlieger sollen zur Schaufel greifen

Von: Mischa Wyboris
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Schaufeln gegen das Hochwasser: Mitarbeiter des Kanalbetriebshofes befreien die wichtigsten Straßeneinläufe vom Eis. Foto: Mischa Wyboris

Stolberg. Tauwetter und Regen versetzen Stolberg in Alarmbereitschaft. Wer eine wasserdichte Vorhersage erwartet, sollte sich nicht auf Toni Sturz verlassen. Seine schwammige Prognose für das einsetzende Tauwetter und all seine Folgen: „Ganz schön schlimm bis völlig harmlos.”

Doch nicht nur der Chef der Stolberger Feuerwehr kann derzeit kaum absehen, was gen Wochenende auf die Kupferstädter zukommt, wenn die Temperaturen erstmals in diesem Jahr zweistellige Plus-Werte erreichen und es sich erst mal eingeregnet hat. Die Stadt stellt sich jedenfalls auf Hochwasser ein.

Eismassen tauen nur langsam

„Von der Schneelage selbst ist kein großes Hochwasserrisiko abzuleiten”, betont Joachim Lange vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER). Schließlich könne die kompakte Eismasse unter der Schneedecke nicht mit einem Mal wegtauen, erklärt der Wasserwirtschafter: „Sie birgt zu viel Kälteenergie.” Wo das Eis jedoch die Kanäle verstopft, wird es zur Gefahr, weil tauender Schnee nicht von den Straßen ablaufen kann.

Mitarbeiter des Kanalbetriebshofes sind deshalb seit einigen Tagen auf der Suche nach den Straßenabläufen an den Bordsteinrändern, um sie samt Ablaufrinne vom Eis zu befreien. „Das schaffen wir an neuralgischen Punkten, aber sicherlich nicht flächendeckend”, sagt Josef Braun, Leiter des Tiefbauamtes.

Er appelliert daher dringend an die Bürger der Kupferstadt, selbst zur Schippe zu greifen und einige der insgesamt fast 7800 Straßenabläufe in der Stadt freizuschaufeln. „Die Anwohner wissen oft am besten, wo noch Gullis unter dem Eis zu finden sind”, sagt Braun.

Gelingt es der Stadt und ihren Bürgern nicht, eine Großzahl der Abläufe zu enteisen, und spielt das „gute” Wetter übel mit, droht Ungemach. „Dann ist mit anderen Hochwasserlagen als sonst zu rechnen”, sagt Sturz. Dann könne sich das Wasser „in riesigen Mengen” in den Senken sammeln und die Keller überschwemmen.

Für diesen Ernstfall ist die Stadt gerüstet, so gut es geht. Drei Fahrzeuge des Technischen Betriebsamtes (TBA) sind vom Winterdienst abgezogen und für den Transport Dutzender Sandsäcke umgerüstet worden, die auf dem TBA-Gelände lagern. „Damit können wir natürlich keine Dämme bauen”, erklärt TBA-Leiter Georg Paulus, für den Einsatz bei Kellerüberschwemmungen reiche der Vorrat jedoch.

„Wir stellen uns darauf ein, dass wir uns zum Stab für außergewöhnliche Ereignisse bei der Feuerwehr einfinden”, sagt Braun. Das vormals Krisenstab genannte Gipfeltreffen von TBA, Feuerwehr, THW, Polizei und Rotem Kreuz kommt jedoch nur in Betracht, wenn sich das Tauwetter zum Sauwetter entwickelt.

Erreicht der Pegelstand des Vichtbachs in der Eisenbahnstraße 1,30 Meter, rückt die Feuerwehr jede halbe Stunde zu Kontrollen aus. „Wir sind startklar, die Technik steht Gewehr bei Fuß”, sagt Sturz. Da dürfte es dem Feuerwehrchef gut in den Plan passen, dass seit dem vergangenen Jahr jede der örtlichen Löschgruppen mit elektrischen Tauchpumpen ausgerüstet ist.

Doch erst einmal ist Abwarten angesagt. „Die große Unbekannte ist die Regenmenge”, sagt Lange. Der Deutsche Wetterdienst warnt unterdessen vor starkem Tauwetter in der Städteregion Aachen mit kräftigen Regenfällen. Feuerwehrchef Sturz ist deshalb auf alles gefasst. Auch auf „eine Situation, die wir so noch nicht gehabt haben”.

SPD-Fraktion stellt Winterdienst auf Prüfstand

„Die Erwartung, dass Anlieger in der Lage sind, für ihren Bereich Bürgersteige und Fahrbahnen (!) von Schnee und Eis freizuhalten, erscheint uns hinsichtlich der Schneemassen fraglich”, bilanziert Dieter Wolf die schneereichen Wochen. Insbesondere ältere Menschen seien mit diesem Anspruch völlig überfordert gewesen. „Als Resultat waren Anlieger- und Nebenstraßen nicht oder nur unter unzumutbaren Bedingungen befahrbar”, stellt der Vorsitzende der SPD-Fraktion fest.

„Wir halten es deshalb für angezeigt, dass sich Verwaltung und Rat dieser Problematik erneut annehmen”, fordert Wolf einen „kritischen Erfahrungsbericht” der Verwaltung über die vielfältigen Probleme, die im Zusammenhang mit der jüngsten, mehrwöchigen Schneeperiode entstanden sind, beim Bürgermeister ein. Ferdi Gatzweiler soll aufzeigen, „ob und welche Konsequenzen für die Zukunft gezogen werden müssen”.

Denn das derzeitige Konzept der Schneebeseitigung, das die Verantwortung insbesondere für die Wohn- und Nebenstraßen auf die Anlieger überträgt, sei im Hinblick auf die kurzen, schneearmen Winter beschlossen worden, die über ein Jahrzehnt bis 2008 verzeichnet wurden. „Es ist zu hinterfragen, ob dieses Konzept auch bei Wintern trägt, die wir 2009 und jetzt 2010 erleben”, so Wolf.

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