Armut ist auch in Stolberg ein großes Thema

Von: Dirk Müller
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Angeregte Diskussion: Moderatorin Ingrid Leifgen (v.l.) mit Katharina Krings, Else Beckers, Joachim Müller und Franz-Josef Koke. Foto: D. Müller

Stolberg. Anlässlich des internationalen Frauentags hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stolberg, Susanne Goldmann, zur Podiumsdiskussion „Frauen in Stolberg” in das Rathaus eingeladen.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Katharina Krings, Else Beckers vom Sozialpsychiatrischem Dienst der Städteregion Aachen, Jobcenter-Leiter der Arge Stolberg, Joachim Müller, und Franz-Josef Koke, Vorsitzender der Stolberger Tafel, führten das Gespräch mit dem Themenschwerpunkt „Frauen und Armut”. Die Diskussion, die lebhaft und mit reger Beteiligung der 20 Gäste, unter denen auch vier Männer waren, geführt wurde, moderierte die Herzogenrather Journalistin Ingrid Leifgen.

„Armut ist ein Thema für Frauen - auch hier in Stolberg”, stellte Krings zu Beginn fest und führte aus, dass insbesondere alleinerziehende Mütter und auch alleinstehende Frauen über 60 betroffen seien. Koke bestätigte aus Sicht der Tafel die Situation vieler verwitweter Seniorinnen: „Von 100 Neukunden, die wir im letzten Jahr verzeichneten, sind der überwiegende Teil Rentnerinnen. Unter Altersarmut leiden fast ausschließlich Frauen. Diese leben von 250 bis 300 Euro Rente und schämen sich, zur Arge zu gehen, um den Betrag aufstocken zu lassen.”

Beckers ergänzte, der Gang zur Arge werde von den Frauen als eine Form von Betteln angesehen, und verwies auf die Probleme alleinerziehender Mütter wie Schwierigkeiten bei zum Beispiel der Ferienbetreuung, und dass Kinder aus sozial schwachen Familien bei der Betreuung in Ganztagsschulen oft durch das Raster fallen würden, da diese mit Kosten verbunden sei. „Alleinerziehende Frauen wissen nicht, wohin mit ihren Kindern - nicht nur beim Thema Arbeit, sondern auch wenn sie zur Tafel kommen wollen”, erinnerte Koke.

Joachim Müller meinte, Armut sei auch dort zu finden, wo es ganze „Dynastien von Erwerbslosen” gebe, also Familien, in denen Arbeit und selber Geld verdienen seit mehreren Generationen nicht mehr zur Normalität gehöre. „Allerdings gibt es wesentlich mehr Arbeitslose, die arbeiten wollen”, betonte der Jobcenter-Leiter und erläuterte: „Das Problem ist, dass 79 Prozent der Frauen, die wir betreuen, über keinen Bildungsabschluss verfügen.”

In diesem Zusammenhang kam er auf Armut von Frauen mit Migrationshintergrund zu sprechen und lobte Integrationskurse, die zwar nicht alle in Arbeit brächten, aber die Chancen darauf und das Selbstwertgefühl der Frauen erhöhen würden. Elke Beckers befürwortete die Sanktionsmöglichkeiten der Arge bei Verweigerung dieser Kurse und sprach von einem innerfamilären kulturellen Problem, das es so vor einigen Jahrzehnten auch in Deutschland gegeben habe: „Der Mann hat das Sagen und verdient das Geld - das ist überholt und funktioniert nicht mehr. Die Zeiten haben sich geändert.”
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