Stolberg - Arbeitskreis Jugendarbeit: Jungen und Mädchen finden neue Rollen

Arbeitskreis Jugendarbeit: Jungen und Mädchen finden neue Rollen

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Auch Mädchen haben Spaß am Klettern und anderen Beschäftigungen, die früher eher als jungenspezifisch galten. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Miss Cool und Mister Soft wurden nicht persönlich gesichtet. Dennoch waren sie bei der jüngsten Fachtagung des Arbeitskreises Jugendarbeit Namensgeber und deshalb in aller Munde. Hinter dem plakativen Titel verbarg sich ein ganz aktuelles Thema. Denn immer setzt sich nicht nur bei Experten die Erkenntnis durch, dass die klassischen Bilder vom Jungen und vom Mädchen überholt sind und dementsprechend die Jungen- nicht mehr von der Mädchenarbeit abgegrenzt werden kann.

„Vor zehn Jahren wäre das noch undenkbar gewesen”, weiß der städtische Jugendpfleger Josef Offergeld, wie schnell sich die Gesellschaft mitunter verändert.

Lange Zeit war die Jugendarbeit von der Bemühung geprägt gewesen, die Rolle der Mädchen zu stärken. Dann wurde der Schwerpunkt zunehmend auf die Jungenförderung gelegt. Heute aber, das kann Petra Morgenstern vom Jugendtreff „Remember” in Breinigerberg bestätigen, geht es vorrangig um die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit. Und der soll es erlaubt sein, sowohl männliche als auch weibliche Anteile zu haben - ganz unabhängig vom tatsächlichen Geschlecht.

„Typisch” zählt nicht

„Es geht nicht darum, dass alle gleich sind. Und es geht auch nicht mehr darum, was typisch männlich oder typisch weiblich ist”, erklärt die Sozialarbeiterin, die sich bei dieser neuen gesellschaftlichen Ausrichtung auch persönlich gefordert sieht. „Ich muss auch mein eigenes Rollenverständnis hinterfragen.” Schließlich sei dieses vornehmlich von alten Konventionen geprägt und müsse sich verändern - nicht zuletzt, um den jungen Menschen, mit denen Morgenstern arbeitet, ein Vorbild sein zu können.

Die Konsequenzen sind im „Remember” deutlich spürbar. „Früher gab es die Arbeit in Mädchengruppen, die in der Regel auch noch von einer weiblichen Person geleitet wurden”, blickt Petra Morgenstern zurück.

Heute verbringen Jungen und Mädchen große Teile ihrer Freizeit gemeinsam und wählen dabei ihre Beschäftigungen weitgehend unabhängig von geschlechtsspezifischen Zuordnungen. Da spielen etwa Mädchen Fußball und beteiligen sich Jungen am Backen. Und gemeinsam tragen sie auch eine Partie am Kicker aus. „Heute lassen immer mehr Jungen weibliche Anteile zu. Und bei den Mädchen ist das genauso mit den männlichen Anteilen.”

Undenkbar, nennt Morgenstern ein Beispiel, wäre noch vor einigen Jahren gewesen, dass ein Junge im Jugendtreff seinen Gefühlen freien Lauf gelassen und geweint hätte. Heute gelten solche Gefühlsregungen und -ausdrücke nicht mehr als ungewöhnlich und sind sozusagen „gesellschaftsfähig”.

Allerdings trifft das bislang vor allem auf den geschützten Raum und die vertraute Umgebung eines Jugendtreffs zu. Durch den Ausbau der mobilen Jugendarbeit soll nun zu jungen Menschen und Cliquen, die sich überwiegend auf der Straße treffen, ein Kontakt hergestellt und eine Hilfe bei der Entwicklung der jeweils eigenen Persönlichkeit angeboten werden.

Eine große Bedeutung kommt auch den Kindertagesstätten zu. Bereits hier, so Josef Offergeld, könne der Weg hin zu einer individuellen Förderung und weg von einer gegenüber stellenden, an Geschlechtern orientierten Entwicklung angestoßen und begleitet werden. Miss Cool und Mister Soft sollen dabei allerdings nicht als Vorbild dienen. Denn sie stehen ja nur für die Umkehrung eines Rollenverständnisses, das in der Vergangenheit dominiert, aber in der Gegenwart erheblich an Bedeutung verloren hat.
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