bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Anthony Reiss im Interview: Viele musikalische Pläne für Stolberg

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
6840798.jpg
Anthony Reiss hat nicht nur mit der Querflöte in Stolberg noch viel vor. Foto: D. Müller

Stolberg. Er ist ein besonderer Stolberger, nicht nur weil er in London geboren wurde: Anthony Reiss ist ehemaliger Dekan der Musikhochschule Köln, unterrichtete als Musikprofessor Querflöte und Kammermusik. In seiner vorlesungsfreien Zeit konzertierte Reiss auf den Bühnen der Welt, musizierte in nahezu ganz Europa und in China. Noch im Sommer 2013 führte ihn eine Konzertreise erneut in die USA. Dirk Müller sprach mit dem Flötenvirtuosen über seinen Werdegang und über Musik in der Kupferstadt.

Was macht ein gebürtiger Londoner in Stolberg?

Reiss: Gerne und gut leben. Ich freue mich über das Multikulturelle, genieße das tolle Ambiente der Stolberger Altstadt, die schöne Natur und die Besonderheiten der Kupferstadt. Natürlich bin ich auch in Sachen Musik aktiv.

Zum Beispiel leiten Sie eine Musik-AG an der neuen Stolberger Sekundarschule.

Reiss: Ja, das macht mir durchaus Spaß, und ich sehe in der musikalischen Förderung in den allgemeinbildenden Schulen große Chancen. Früher fand die praktische musikalische Ausbildung fast ausschließlich in Musikschulen statt, war also nur etwas für Kinder und Jugendliche, die dort freiwillig gefördert oder von ihren Eltern in diese Richtung geführt wurden. Dank des Ganztagsunterrichts könnte Musik nun im Alltagsleben von viel mehr Schülern eine Rolle spielen und so letztendlich breiter aufgestellt sein. Ich denke, dass Spielfreude und Talente damit auf die Dauer nicht so oft unentdeckt bleiben wie bisher.

Sie sind ebenfalls im Musikstudio Stolberg tätig. Haben also Musikschulen weiterhin eine Daseinsberechtigung?

Reiss: Ja natürlich, denn sie können Dinge leisten, die allgemeinbildende Schulen trotz Ganztagsunterricht nicht können. Ich erwarte auf lange Sicht sogar eine Verstärkung der Bedeutung der Musikschulen. Im Bereich Kinder und Jugend ist es vor allem die Begabtenförderung, zumal durch das Schulen-Musizieren mit der Zeit mehr Kinder Musik machen werden. Hinzu kommt die Erwachsenenbildung, denn auch Erwachsene werden durch die Kinder mehr Berührung mit Musik erfahren. In einer immer älter werdenden Gesellschaft werden diese Angebote zunehmend wichtiger. Koordination und Kooperation rund um die Musik sind auf jeden Fall nötig; Musikschulen können das sinnvoll leisten.

Was genau verstehen Sie unter Koordination und Kooperation?

Reiss: Ein kleines Beispiel ist die Musik-AG an der Sekundarschule: Norbert Walter Peters vom Musikstudio Stolberg sprach mich an, was man machen könne, und jetzt leite ich die AG. Wenn praktiziertes Musizieren in den Ganztagsschulen wirklich stattfinden soll, werden – wie in anderen europäischen Ländern – Instrumental- und Gesangs-Lehrkräfte in den normalen Schulen unbedingt benötigt. Diese Lehrkräfte auszusuchen und koordiniert zu verteilen, wird eine selbstverständliche Aufgabe der Musikschulen sein.

Was sind Ihre Pläne zum Beispiel im Musikstudio?

Reiss: Etwa, als emeritierter Hochschullehrer das Angebot um die Weiterbildung für Musiklehrerinnen und Lehrer zu erweitern. Nicht nur Musikpädagogen im Privatunterricht und Schuldienst, sondern auch Ausbilder, Dirigenten und Jugendleiter von Vereinen, Orchestern, Spielmannszügen sollten sich immer wieder fortbilden. Für all diese Musikaktiven sind solche Angebote kaum vorhanden, und ich glaube, es ist sinnvoll, diese Lücke zu schließen. So sehe ich die Aufgaben dort, einerseits mit absoluten Anfängern, nicht nur mit Querflöte, bis hin zu werdenden Profis und Berufsmusikern. Des weiteren, unabhängig vom Musikstudio, plane ich zur Zeit Konzerte hier in der Region mit überragenden jungen Musikern unter anderem aus London, und eines davon, mit zusätzlichem Schülerkonzert und einer Bilderausstellung, wird hier im Zinkhütter Hof stattfinden.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Reiss: Das Flötenspiel habe ich mir zuerst selbst beigebracht. Mit 18 wurde ich am Royal College of Music aufgenommen und erhielt erstmals professionellen Unterricht. Nach meinem Studium in London bin ich zufällig nach Köln gelangt, wo ich dann eigentlich nur ein Semester überbrücken wollte. Aber die Musikhochschule in Köln und Aachen war zu der Zeit außergewöhnlich, so dass ich vier Semester dort blieb.

Und wie sind Sie in die Kupferstadt gelangt?

Reiss: Nach dem Ende meines Studiums hat man mir gleich eine Stelle als Lehrer einer Hauptfachklasse an der Musikhochschule angeboten – im Alter von 26 Jahren. Das war erst mal ein Grund, zu bleiben. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon Familie, und wir haben in Lammersdorf ein Haus umgebaut. Bald kam es zu meiner ersten Berührung mit Stolberg, als meine damalige Frau ein Küchenstudio im Steinweg betrieben hat.

Bei dieser ersten Berührung mit Stolberg ist es nicht geblieben…

Reiss: Nein, nachdem unsere Ehe geschieden wurde, war es für mich wichtig, in der Nähe meiner Töchter zu bleiben. Zunächst habe ich in Aachen gelebt. 1998 kaufte ich ein Haus am Mühlener Markt, in dem ich inzwischen seit fünf Jahren wohne und mich sehr wohlfühle.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert