Stolberg - Andreas Dovern ist neuer Leiter der Feuer- und Rettungswache Stolberg

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Andreas Dovern ist neuer Leiter der Feuer- und Rettungswache Stolberg

Von: Doris Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Der „Chef“ und sein Kommandowagen: Andreas Dovern ist ab heute offiziell der Leiter der Feuer- und Rettungswache Stolberg. Am 1. Mai übernimmt der 31-Jährige zudem die Führung der Freiwilligen Wehr. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Lobende Worte gab es bei seiner Verabschiedung in Alsdorf. „Anders als bei den meisten Erfolgsmenschen wurde bei dir der Erfolg nicht größer als die Menschlichkeit. Für die Belange der ehren- und hauptamtlichen Kräfte hattest du stets ein offenes Ohr. Ihre Sorgen, ihre Anregungen und auch ihre Kritik hast du auf- und zur Kenntnis genommen.

Du hast nach dem goldenen Mittelweg gesucht und diesen doch recht häufig beschreiten können“, sagten die Kollegen zu Andreas Dovern. Ab heute ist der 31-Jährige Leiter der Feuer- und Rettungswache, ab dem 1. Mai übernimmt er auch die Führung der Freiwilligen. Den goldenen Mittelweg beschreiten muss er jetzt in Stolberg, in dem er sich für die Belange der Feuerwehr einsetzt – in Abstimmung mit Rat und Verwaltung.

31 Jahre alt und schon Chef von 51 hauptamtlichen Feuerwehrmännern sowie rund 500 Freiwilligen. Wie haben Sie das bewerkstelligt?

Dovern: Das Alter ist für eine Führungskraft in der Feuerwehr gar nicht so jung, und ich empfinde das auch nicht so. Mein Kollege von der Berufsfeuerwehr Köln hat mit Mitte 30 die viertgrößte Feuerwehr Deutschlands übernommen, nur um ein Beispiel dafür zu nennen, dass es gar nicht so ungewöhnlich innerhalb der Feuerwehr ist. Nichtsdestotrotz: Nach meiner Ausbildung habe ich die Brandmeister-Ausbildung absolviert, einige Jahre im Feuerschutz- und Rettungsdienst gearbeitet und dann die erste Führungsposition als stellvertretender Wachabteilungsführer in Alsdorf Ende 2008 übernommen. Danach wurde ich stellvertretender Leiter der hauptamtlichen Wache und der Freiwilligen Feuerwehr und hatte letztes Jahr die Möglichkeit, nach Stolberg zu kommen.

Wann übernehmen Sie die Führung der Stolberger Feuerwehr und wann haben Sie Ihr neues Büro bezogen?

Dovern: Zum 1. Februar übernehme ich die Leitung der Feuer- und Rettungswache und am 1. Mai die Leitung der ehrenamtlich tätigen Feuerwehrleute. Seit dem 1.1. bin ich hier und hatte somit gut vier Wochen Einarbeitungszeit mit meinem Vorgänger Karl Wenn.

Wie sahen diese vier Wochen aus?

Dovern: Ich habe die Stolberger Feuerwehr von der Verwaltungsseite intensiv kennengelernt. Wo sind welche Ansprechpartner, an wen wende ich mich im Rathaus, wie läuft die Zusammenarbeit…

Und wie läuft sie?

Dovern: Es war ein sehr guter Startschuss! Ich bin von meinen Kollegen offen und herzlich in Empfang genommen worden, und es gab natürlich auch Vorstellungsrunden auf jeder unserer drei Wachabteilungen. Aktuell stelle ich mich noch bei den Ehrenamtlern vor. Am Dienstagabend waren wir bei den Löschgruppen Münsterbusch und Atsch.

Was heißt „wir“?

Dovern: Meine Vorstellungsrunde ist gleichzeitig Karl Wenns Abschied. Die Resonanz ist sehr positiv, Karl hat schließlich jahrzehntelang die Feuerwehr Stolberg geprägt. Am 11. Februar geht es zum 3. Löschzug – Breinig, Venwegen und Dorff.

Der Terminkalender ist also voll…

Dovern: Pickepackevoll! Aber das ist zwangsläufig mit meinem Job verbunden. Wobei: Das ist eben nicht nur ein Job, das ist eine Aufgabe, die ich lebe. Deswegen glaube ich auch nicht, dass die Termine weniger werden, aber das ist ok, da freue ich mich drüber.

Bekommen Sie überhaupt noch Ihre Familie zu sehen?

Dovern: Ja klar, es zählt ja nicht nur die Häufigkeit, sondern die Qualität. Ich bin früher zum Beispiel recht exzessiv gelaufen, das habe ich massiv zurückgeschraubt und genieße freie Zeit mit meiner Familie, krabble mit meinem Sohn Hendrik auf dem Boden herum. Aber es stimmt schon, wenn meine Frau Silvia das nicht mittragen würde, wäre es nicht möglich.

Und dann werden Sie ab Mai noch ein weiteres Amt bekleiden und zusätzlich zur Leitung der Hauptwache auch an oberster Spitze der rund 500 ehrenamtlichen Feuerwehrleute stehen. Warum eine Person für zwei so verantwortungsvolle Posten?

Dovern: Dass dieses Amt in Personalunion bekleidet wird, ist bei der Mehrheit aller Freiwilligen Feuerwehren mit hauptamtlichen Personal in NRW so, bei den Berufsfeuerwehren sowieso. Es gab letztes Jahr sogar einen Gesetzesvorschlag dafür.

Zur Erklärung: Das Feuerschutz- und Hilfeleistungsgesetz für NRW wird derzeit novelliert, und im Zuge dessen wurde der Vorschlag aufgenommen, dass der Wachleiter auch Leiter der Freiwilligen Feuerwehr sein soll. Ich bin zwar auch der Meinung, dass es für Wehren unserer Größe die beste Lösung ist, wenn beide Posten von einer Person ausgeübt werden.

Aber?

Dovern: Für Feuerwehren in unserer Größe, also einer Freiwilligen Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften, wäre es mitunter für die ehrenamtlichen Frauen und Männer fatal, wenn ihnen per Gesetz ein Chef vor die Nase gesetzt würde. Damit würde den Freiwilligen, und Stolberg hat überwiegend Freiwillige, ein wichtiges Instrument genommen: das der Mitbestimmung. Es gibt nämlich alle sechs Jahre eine Anhörung der Wehr, bei der die Ehrenamtler die Möglichkeit haben, dem Leiter ihre Zustimmung zu geben.

Auf Drängen einer Petition und dem Zusammenschluss der Leiter der Feuerwehren wurde der Gesetzesvorschlag nun insoweit geändert, als dass der Leiter eine Feuer- und Rettungswache per Gesetz nur noch verbindlich Mitglied der Wehrführung sein muss, nicht aber mehr zwingend deren Leiter. Das ist ein Mittelweg, mit dem ich sehr gut leben kann und der auch sinnvoll ist. Damit behält das Ehrenamt eine wichtige Stimme in seiner Arbeit!

Warum ist die Personalunion in diesem Fall die beste Lösung?

Dovern: Weil es ein enormer Verwaltungs- und Organisationsaufwand ist. Es bringt für alle Vorteile: Ich bin täglich hier, immer griffbereit, habe auch ständig mit der Verwaltung der Stadt zu tun, das ist mein Beruf. Wir sprechen hier von rund 550 Kräften insgesamt, die es zu „verwalten“ gilt.

Bürgermeister Ferdi Gatzweiler sagte jüngst: „Wir müssen uns um die Freiwilligen kümmern und da auch Geld in die Hand nehmen.“

Dovern: Die Feuerwehr muss sich stetigen Veränderungen und damit auch neuen Gefahren stellen. Sie muss ja immer auf einem aktuellen Stand bleiben. Unsere Feuerwehr ist gut gerüstet und muss sich trotzdem stetig rüsten, und das geht nur gemeinsam mit Rat und Verwaltung.

Ich erinnere nur an den alten Fahrzeugbestand der Feuerwehr...

Dovern: (lacht) Ja, aber wir haben jetzt das Jahr 2014 und es stehen einige Veränderungen ins Haus – wir geben Gas!

Mit Oldtimern?

Dovern: Drei Gebrauchtfahrzeuge haben wir jüngst in den Dienst gestellt für die drei Ausfälle. Die nächste größere Baustelle ist der Bereich persönliche Schutzkleidung. Auch hier ist eine stetige Anpassung wichtig. Was 1998, da wurde die Einsatzkleidung der Stolberger Feuerwehr angeschafft, Stand der aktuellen Technik war, muss heute auf den Prüfstand – was den Schutz betrifft und auch die Wirtschaftlichkeit. Wir hatten und haben einen hohen Standard, aber die Bekleidung ist über die Jahre enorm beansprucht worden, damit ist die Schutzwirkung natürlich gesunken. Natürlich beobachten wir auch den Fahrzeugpark weiter.

Es gibt einen Beschaffungsplan, nach dem die Wagen sukzessive ersetzt werden. In der Vorplanung steht jetzt das alte Fahrzeug der Löschgruppe Stolberg-Mitte. Und dann ist da noch der präventive Arbeitsschutz: Die Abgas-Absaugeinrichtungen sind in den Gerätehäusern eingebaut, in denen es der Arbeitsschutz fordert, jetzt müssen noch entsprechende Anschlüsse an den Fahrzeugen angebracht werden.

Apropos Abgas: Es gibt eine neue Norm, die Euro-6-Abgasnorm für Nutzfahrzeuge, die am 1. Januar in Kraft getreten ist und nach der die Wagen weniger Schadstoffe in die Luft blasen dürfen. Diese Vorgabe soll im Motor ein rund 300 Kilo schweres Reinigungssystem erzwingen. Wie gehen Sie damit um?

Dovern: So eine Abgas-Reinigungsanlage hat die Größe eines Kühlschranks. Die neue Norm stellt die Feuerwehr und die Fahrzeughersteller vor riesige Probleme. Es gibt noch eine Schonfrist bis Ende 2016, hoffentlich machen die Hersteller da auch mit. Hinzu kommt, dass die Nutzlast sinken müsste, weil mit der Abgasnorm das Leergewicht der Einsatzfahrzeuge steigt. Das bedeutet: Wir könnten nicht mehr das komplette Material mitnehmen. Darauf können wir aber nicht verzichten. Im Moment gibt es noch den Aufschub, aber das Problem ist nicht zu unterschätzen.

Haben Sie schon eine Art Bestandsaufnahme der Stolberger Wehr gemacht?

Dovern: Das konnte ich bereits bei meiner vorherigen Tätigkeit, ich war Jahre lang in der Löschgruppe Gressenich aktiv. Hinzu kamen Eindrücke und Wissen der letzten Wochen. Unsere Feuerwehr ist eine der größten in der Städteregion Aachen. Und die Mannschaft ist hoch motiviert. So plakativ es sich auch anhören mag: Die Truppe arbeitet sieben Tage die Woche dafür, um in dem Moment, in dem sie am meisten gebraucht wird, perfekt zu funktionieren. Ich sehe in unserer Feuerwehr ein unwahrscheinlich großes Potenzial und freue mich, die nächsten Jahre und Jahrzehnte mitwirken zu dürfen. Neben den hauptamtlichen Kräften, die tagtäglich einen richtig guten Job machen, haben wir eine wahnsinnig gute Freiwillige Feuerwehr, das soll der Bürger auch wissen.

Wäre da nicht auch etwas mehr Öffentlichkeitsarbeit sinnvoll? Eine Feuerwehr bei Osnabrück sorgt derzeit mit einem Kalender für Furore. Damit wirbt sie und tut was gegen leere Kassen. Ein denkbares Modell für Stolberg?

Dovern: Eine Wärmebildkamera mit Hilfe eines Kalenders zu besorgen, wie es genannte Feuerwehr gemacht hat, brauchen wir nicht. Wenn es bei unserer Feuerwehr brennt, ist Hilfe da, und wie schon gesagt, wir sind gut aufgestellt. Nachwuchssorgen haben wir glücklicherweise derzeit noch keine großen, weil wir stolz sind, eine sehr starke Jugendfeuerwehr zu haben. Aber wir merken schon, dass es schwerer wird, neue Mitglieder anzuwerben.

Sicherlich hat das nicht mit mangelndem Willen zu helfen zu tun. Ich denke, da spielen berufliche Gründe eine Rolle, auch wenn uns der Gesetzgeber den Rücken freihält. Die Hemmschwelle ist offensichtlich größer, ebenso kommen anderweitige Interessen ins Spiel. Die Feuerwehr ist ein zeitaufwendiges Hobby. Wir treffen uns nicht nur einmal in der Woche zum Üben. Wenn der Melder geht, ist Einsatz. Mein Appell an dieser Stelle: Interessenten für die Mitarbeit in der Freiwilligen Feuerwehr wenden sich bitte an die Hauptwache, die Nummer ist 02402/127510, oder an die Löschgruppe in ihrem Ort.

Ab dem zehnten Lebensjahr darf man in die Jugendfeuerwehr, für den aktiven Einsatzdienst muss man 18 sein. Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig, man muss sie ein Stück weit leben, sonst funktioniert sie nicht. Unsere Öffentlichkeitsarbeit wird ausgeweitet, ähnlich wie bei meiner alten Dienststelle.

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