Amüsante Anekdoten beim Stammtisch des Hegerings Stolberg

Von: Dirk Müller
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Stolberg-Gressenich. Nein, eisgekühlten Jägermeister findet man nicht beim Stammtisch, obwohl fünf erfahrene Waidmänner und zwei Damen in geselliger Runde im Bistro „Elle” beisammen sitzen.

Alkohol und Jagd passen definitiv nicht zusammen, da wir mit Schusswaffen arbeiten”, betont Ingo Lothmann. Der stellvertretende Vorsitzende der Kreisjägerschaft Aachen Stadt und Land und berichtet den anderen sogleich, wie effektiv er sich mit einfachen Mitteln auf dem Hochsitz warm halte. In die richtige Kleidung gehüllt, habe er einen Kerzenstumpen in einer Blechdose zwischen seine Füße gestellt, und eine Decke über die Knie gelegt. „Das funktioniert gut, und die Requisiten sind viel leichter zu transportieren als eine Gasflasche”, sagt Lothmann. Zustimmung durch Lächeln und Kopfnicken erntet er von Günter Vogel: „Die Tiere riechen das Propangas ja auch.” Die beiden Damen Toscha Kaul und Ulrike Averdung jagen selbst nicht, sondern „Dass wir dieses Getränk zu uns nehmen, ist ein viel bemühtes Klischee, ebenso wie der Flachmann, dessen Inhalt die Jäger im Winter warm hält.seien „eher für schmackhafte Rezepte zuständig”. Beim Jäger-

Stammtisch fühlen sie sich dennoch wohl, da nicht nur über waidmännische Themen gesprochen wird, sondern die Geselligkeit im Vordergrund steht, und auch der Humor nicht zu kurz kommt.

So lässt Harald Averdung die Geschichte aufleben, die er bei einer Taubenjagd erlebte. „Ich hatte drei Tiere geschossen, als plötzlich vier Streifenwagen der Polizei auftauchten. Die Beamten haben mich mit gezogenen Waffen eingekesselt, und ich habe mein Gewehr dementsprechend vorsichtig abgelegt. Als der fünfte Streifenwagen kam, stieg ein Polizist aus, der dann die Situation klären konnte. Dieser Beamte hatte wohl schon mal einen Jäger gesehen”, erzählt Averdung zum Amüsement der Runde. Doch die rund 25 DIN-A4-Seiten, die vor Helmut Kaul, dem Leiter des Hegering Stolberg liegen, zeigen, dass der Stammtisch auch aus sachlichen Gründen zusammenkommt. „Dies sind jagdrechtliche Bestimmungen der Landesregierung aus den vergangenen 30 Tagen.

Die Jägerschaft wird ständig mit neuen und geänderten Bestimmungen konfrontiert, so dass wir unsere Mitglieder mit zwei oder drei Versammlungen im Jahr nicht auf dem Laufenden halten können und uns monatlich treffen”, sagt Kaul.

Da der Hegering Stolberg mehr als hundert Mitglieder zähle, diene der Stammtisch zudem zur Jagdvermittlung für revierlose Jäger und zum Austausch. Die Meinung zum Verhältnis Jagd und Politik ist unter den Kupferstädter Waidmännern einhellig. „Wir betreiben aktiven Tier- und Naturschutz, Jagd ist aber auch Tradition, ein Jahrtausende altes Kulturgut. Seitens der Landesregierung fühlen wir uns aber immer mehr auf den Aspekt der ,Schädlingsbekämpfung reduziert. Wir haben den Eindruck, die Politik versucht, auf kaltem Weg die Jagd sukzessive einzudämmen”, führt Kaul aus, und die anderen Jäger stimmen zu.

Dass an diesem Abend nur fünf Aktive des Hegering Stolberg - insgesamt gibt es 100 Mitglieder - am Stammtisch sitzen, habe übrigens einen guten Grund, erklärt Lothmann: „Bei Minus-Temperaturen im zweistelligen Bereich mögen Laien es kaum glauben, aber heute Abend ist optimales Jagdwetter. Durch den Mondschein, der auch noch von der dünnen Schneedecke reflektiert wird, ist die Sicht sehr gut, und einige unserer Kollegen haben dem Hochsitz den Vorzug vor dem Stammtisch gegeben, um Füchse und Wildschweine zu jagen, was im Mondschein erlaubt ist.”
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