Stolberg-Mausbach - Am Sonntag sind sie für 90 Minuten geschieden

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Am Sonntag sind sie für 90 Minuten geschieden

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:
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Dominiert morgen Orange oder doch wieder Rot-Gelb? John Schaepkens und seine Frau Maria-Belén Gonzales-Colmenar haben ihr Haus - und sich selbst - in den Farben ihrer Heimatländer eingedeckt. Während des Finales werden sie für mindestens 90 Minuten Gegner sein, danach aber wieder zusammen Foto: R. Flader

Stolberg-Mausbach. Weltmeister im dritten Anlauf? Da muss John Schaepkens erst mal lachen. „Ja, das wär schon ein Ding nach all den Enttäuschungen”, erinnert sich der in Mausbach lebende Niederländer an die Finalniederlagen von „Oranje” bei den Weltmeisterschaften 1974 und 1978. „Vor allem 1974 war hart. Damals fing ich gerade an, in Stolberg zu arbeiten.”

Bei Prym war das seiner Zeit, „und damals waren wir 300 Holländer in der Firma. Was haben wir gelitten.” Deutschland schlug die Holländer mit 2:1.

Doch in den letzten 36 Jahren habe sich - vor allem abseits des Fußballplatzes - einiges getan, sagt John Schaepkens. Heute ist er der einzige Mitarbeiter aus dem Land, dessen Bewohner ihre Nationalmannschaft wieder mit Stolz „Oranje” nennen.

Weil sie es ins Endspiel der Fußballweltmeisterschaft geschafft hat. „Robben und Sneijder sei Dank”, sagt Schaepkens erleichtert. Auch die Rivalität zwischen Deutschen und Niederländern sei mit früher nicht mehr vergleichbar: „Damals war richtiger Hass im Spiel, heute gibt es eine gesunde Rivalität.”

Nun, nach dem gewonnen Halbfinale hat John Schaepkens noch ein „Problem” ganz anderer Art zu lösen, und zwar eines im eigenen Haus: Seine Frau Maria-Belén Gonzalez-Colmenar ist zumindest Sonntagabend seine erbitterte Gegnerin.

Als gebürtige Spanierin wird sie „selbstverständlich die Seleccion anfeuern”. John Schaepkens lehnt sich entspannt zurück und sagt: „Gut, dann haben wir keine Wahl: Am Sonntag sind wir für 90 Minuten geschieden - mindestens”, lacht der 54-Jährige.

Nach dem Finale, dass sich das seit 34 Jahren verheiratete Ehepaar in seinem mit unzähligen rot-gelben und orangenen Flaggen, Fähnchen und Trikots geschmückten Haus in Mausbach anschaut, wollen sie in jedem Fall gemeinsam feiern. „Egal, wer gewinnt”, kündigt Maria-Belén Gonzales-Colmenar sportlich-fair an.

Vor zwei Jahren, bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz, wäre es im Halbfinale bereits fast zum niederländisch-spanischen Duell gekommen. „Doch die Russen mussten uns im Viertelfinale ja unbedingt schlagen”, sagt Schaepkens.

Doch damit war zumindest der Haussegen in Mausbach fürs Erste gerettet. „Es war wie immer: Wir spielten genialen Fußball in der Vorrunde, und im nächstbesten K.O.-Spiel heißt es dann: Tot ziens, Holland.”

2010 sei das anders: „Wir spielen mit deutschen Tugenden”, sagt Schaepkens über die von Bonds-Coach Bert van Marwijk verordnete kontrollierte und abwartende Spielweise.

Auch Villa kommt aus Gijon

Maria-Belén möchte unterdessen von ihrer Heimat erzählen, der Stadt Gijon in der Provinz Asturien. „Aus meinem Ort stammt auch David Villa”, sagt die 54-jährige Mausbacherin stolz über den WM-Stürmer. „Die Leute freuen sich so sehr über den Erfolg der Nationalmannschaft. ”Da herrschen Zustände wie an Karneval.”

Fast logisch, dass sie Fan von Sporting Gijon ist. „Aber auch Real Madrid ist klasse.” Ihr Mann sieht das - naturgemäß - etwas anders: „Nichts geht über Roda Kerkrade”, verrät Schaepkens, für wen sein (Fußball-)Herz schlägt. Primera Division gegen Ehrendivisionär, Stier gegen Löwe. John Schaepkens und seine Frau sehen das relativ locker. „Wenn es nicht im direkten Duell ist, freuen wir uns über Erfolge des anderen.”

Übrigens: Mit historischen Fußballdaten ist das Haus Schaepkens, in dem überwiegend Spanisch gesprochen wird, fest verbunden: Im Jahr des niederländischen EM-Triumphs 1988 bezog die junge Familie das Eigenheim in Mausbach.

„Vielleicht schließt sich ja am Sonntag für uns ein Kreis”, sagt John Schaepkens und meint damit ausdrücklich nicht seine Frau Maria-Belén. „Die haben 2008 schon genug gewonnen”, schickt er mit einem Grinsen hinterher. „Und überhaupt: Im Feiern sind wir Holländer schon Weltmeister.”

Wer siegt? Stier oder Löwe?

Der Tipp für das Finale? „2:1 nach Verlängerung für uns”, sagt John Schaepkens selbstbewusst. „Nach dem starken Halbfinale denke ich, dass wir uns mit 3:1 durchsetzen”, entgegnet Maria-Belén Gonzales-Colmenar und fügt augenzwinkernd hinzu: „Auch wenn ich dem Robben ein Törchen gönne.”

Nun, eines ist sicher: Der zukünftige Weltmeister ist in jedem Fall auch in Mausbach zu finden.
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