Am „Goethe” schwindet bald die Geduld

Von: Kolja Linden
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Ein Pilotprojekt, das im kommenden Schuljahr ausgeweitet wird: Das Mittagessen, das Fünft- und Sechstklässler in ihren Klassenräumen zu sich nehmen. Foto: K. Linden

Stolberg. Nach den Sommerferien geht es los: Das Goethe-Gymnasium wird - wie auch das Ritzefeld-Gymnasium - zur gebundenen Ganztagsschule. Gelten wird das zunächst nur für die neuen fünften Klassen, doch Folgen hat die Umwandlung für alle Schüler.

So wird in allen Klassen ein stringentes Doppelstundensystem eingeführt, das den Schulalltag besser strukturieren soll. An Tagen mit mehr als sechs Unterrichtsstunden gibt es ab August für alle Schüler verbindlich eine einstündige Mittagspause.

Der Haken: Eine Mensa, in der die Schüler mittags essen können, existiert am „Goethe” nicht. Und es wird noch mindestens anderthalb Jahre dauern, bis die Schule eine solche haben wird. Als Übergangslösung soll nun der Oberstufenraum im Foyer der Schule herhalten, doch der ist eher klein.

850 Schüler

Das Gymnasium auf der Liester ist beliebt, das zeigen allein die Schülerzahlen, die binnen zehn Jahren von 600 auf rund 850 gestiegen sind. Und auch das pädagogische Konzept überzeugte offensichtlich - so sehr zumindest, dass der Rat der Stadt im vergangenen Herbst das „Goethe” an erster Stelle für die Landesförderung zur gebundenen Ganztagsschule vorschlug.

Dass damit auch der Bau einer dringend erforderlichen Mensa einher gehen muss, war Politik und Verwaltung nicht erst zu diesem Zeitpunkt klar, klagt die Schule doch schon seit vielen Jahren über die Raumnot. Konkret geschehen ist seitdem aber wenig. Zwar hat es zahlreiche Unterredungen zwischen Schule und Verwaltung sowie mehrere Begehungen des Geländes gegeben, doch die Vorstellungen lagen für eine schnelle Lösung offensichtlich zu weit auseinander.

750.000 Euro stehen im städtischen Haushalt für einen Mensabau am „Goethe” in diesem und nächstem Jahr bereit, hinzu kommen 100.000 Euro erwartete Landeszuschüsse, die ebenfalls bereits im Haushalt verankert sind.

Das Problem: Erstens möchte die Schule nicht nur eine reine Mensa, die in kleinem Umfang an die Schule angebaut werden könnte, sondern einen Erweiterungsbau mit ebenfalls dringend benötigten Arbeitsräumen.

Zweitens gerät die Stadt unter Zeitdruck, denn den fest eingeplanten Landeszuschuss gibt es nur für Projekte, die bis Ende 2010 fertig gestellt sind.

„Das sind doch noch anderthalb Jahre bis dahin”, gibt sich Schuldezernent Dr. Wolfgang Zimdars gelassen, bis dahin sei eine Fertigstellung durchaus zu schaffen.

Die notwendige Verwaltungsvorlage werde gerade erstellt und dem Bau- und Vergabeausschuss am 19. August vorgestellt. Dass ein solches Projekt von der Planung bis zur Fertigstellung tatsächlich in 16 Monaten zu schaffen sei, bestätigt auch Josef Braun: „Wir sind zuversichtlich, dass es klappt.”

Etwa zwei Monate würde die Architktenplanung in Anspruch nehmen, dann gehe das Projekt noch einmal in die Ausschüsse. Der Fachbereichsleiter räumt auf Anfrage aber auch ein, dass es genau dann keine Komplikationen mehr geben dürfe. „Das hängt davon ab, wie viele Wünsche noch hinterher kommen”, so Braun.

Die Zeit ist also knapp bemessen. Bereits am 15. Juli tritt der Bau- und Vergabeausschuss zu einer Sondersitzung zusammen, bis dahin wird die Vorlage aber wohl nicht fertig. Zeit, die am Ende fehlen könnte. Dem Vernehmen nach wäre ein frühstmöglicher Baubeginn für die Goethe-Mensa im Frühjahr 2010.

Für Stefanie Luczak eine erschreckende Erkenntnis. Die Leiterin des Gymnasiums, die zu Jahresbeginn noch auf einen Baubeginn in diesem Sommer gehofft hatte und erst durch unsere Zeitung von dem Zeitplan erfährt, ist entsetzt: „Das überrascht mich total, ich bin davon ausgegangen, dass es in diesem Herbst losgeht.”

Nun sieht sich Luczak den Nachfragen unzufriedener Eltern ausgesetzt. „Ich bin keine Architektin”, sagt die Schulleiterin und betont, bereits alle Kapazitäten ausgeschöpft zu haben: „Wir haben als Schule nicht locker gelassen, haben die Parteien angeschrieben, mit dem Bürgermeister gesprochen.”

Einen Entwurf, wie die künftige Mensa denn aussehen könnte, kennt Luczak nach eigenen Angaben nicht: „Ich weiß, dass es Entwürfe gibt, wir haben aber noch keinen gesehen.”

Die Schulleiterin hofft, dass zumindest Vorstellungen der Schule darin verwirklicht werden und wundert sich, dass die Politik im August eine Vorlage bekommen soll, die an der Schule, so Luczak, noch keiner gesehen habe.

Nach Informationen unserer Zeitung könnte ein Architektenentwurf einen freistehenden Neubau am Hang zur Walther-Dobbelmann-Straße hin vorsehen.

Das zumindest entspräche Vorstellungen, die das Goethe-Gymnasium gerne umgesetzt sähe, auch wenn ein solcher Bau vermutlich mehr als die veranschlagten 850.000 Euro kosten würde.

Darüber zu entscheiden wäre dann Sache der Politik und wohl genehmigungspflichtig durch die Bezirksregierung.

Für die provisorische Übermittagbetreuung ab dem Sommer hat die Schule alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die die Kapazitäten hergeben. Die Fünft- und Sechstklässler werden in ihren Klassenräumen mit Essen von einem Caterer versorgt.

Ein Pilotprojekt in den sechsten Klassen hatte sich bereits in diesem Schuljahr als durchaus praktikabel erwiesen. Für die Klassen 7 bis 10 stehen dann Oberstufen- und Unterstufenraum zur Verfügung, wo kalte Snacks angeboten werden.

„Eventuell stellen wir noch Mikrowellen auf, in denen mitgebrachtes Essen erwärmt werden kann”, sagt Luczak. Eltern wird freigestellt, ihre Schüler in der langen Mittagspause, die je nach Jahrgangsstufe ein bis drei Mal pro Woche stattfinden wird, nach Hause kommen zu lassen.

Den Oberstufenschülern steht ohnehin frei, wie sie ihre Mittagspause verbringen. Der Ganztag wird also kommen. Nun muss so schnell wie möglich noch die neue Mensa her.
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